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Husqvarna 701 Enduro - erster Test

Schweden-Single

Es geht bergauf: Die Husqvarna 701 Enduro bemüht sich trotz KTM-Basis sicht- und spürbar bei Optik wie Technik um Eigenständigkeit.

Thilo Kozik/mid

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Husqvarna zählt zu den ältesten Motorradschmieden der Welt - schon 1903 begannen die Schweden mit dem Bau von motorisierten Zweirädern - doch Tradition allein garantiert keinen Erfolg.

Das belegt die Geschichte des Unternehmens: Nach diversen Eigentümerwechseln inklusive einem kurzen Intermezzo in der BMW Group verleibte sich 2013 das KTM-Imperium die Marke ein mit tiefgreifenden Folgen: Der Firmensitz wurde vom norditalienischen Varese in das österreichische Mattighofen verlegt, die Produktionsstätte dicht gemacht und die Fertigung in den KTM-Ablauf integriert.

Die ersten österreichischen Husqvarnas waren im Prinzip umgelabelte KTM-Wettbewerbs-Offroadmodelle, später kamen Motocrosser hinzu, doch seit diesem Jahr kommt mit der Husqvarna 701 Enduro das erste gemäßigte Dual-Sport-Modell auf den Markt, das sich trotz KTM-Basis sicht- und spürbar bei Optik wie Technik um Eigenständigkeit bemüht.

Davon zeugen schon die ungewöhnlichen Proportionen des Plastiks mit durchgehenden, weit nach unten gezogenen Seitenverkleidungen, die ebenso wie die Rippen auf der schmalen und mit 910 Millimeter artgerecht hohen Sitzbank den Halt beim freudvollen Angasen verbessern. Lange Tourenetappen mag man dem eigenen Hinterteil angesichts des schmalen und harten Polsters allerdings kaum zumuten.

Für den nötigen Druck ist ein flüssigkeitsgekühlter Einzylinder-Viertakter mit Vierventiltechnik und einer obenliegenden Nockenwelle zuständig, konstruktiv identisch mit der 690er-Baureihe bei KTM. Aus kurzhubigen 690 ccm Hubraum holt der Husky-Einspritzer 67 PS und 68 Newtonmeter Drehmoment heraus und transferiert sie per Sechsganggetriebe ans Hinterrad.

Eine Ausgleichswelle besänftigt die Vibrationen und dank des elektronischen Ride-by-Wire ohne mechanische Kopplung können umständlich über einen unter der Sitzbank angebrachten Wahlschalter drei Motormappings (Komfort, Street, Sport) eingestellt werden. Dazu steht ein "Bad Fuel" Mapping für niederoktanigen Kraftstoff in entlegenen Regionen dieser Welt zur Verfügung.

Sofort geht der Single kräftig ans Werk mit bekannt unwilligem Lauf unterhalb 2.500 Touren. Darüber wird er lebendig und drückt ziemlich gleichmäßig und nachdrücklich nach vorn, bevor er es oben herum langsamer angehen lässt.

Spontan, dank eines neuen Mappings aber nicht aggressiv setzt die Einspritzanlage mit 46er Drosselklappe Gasgriffbefehle um, der Schub lässt sich übers Gas gut regulieren.

Mit dieser Charakteristik lässt sich die Husqvarna gut kontrollierbar und mühelos aufs Hinterrad stellen und knackige Drifts aus engen Ecken gelingen auch weniger versierten Gasgebern. Weniger Vibrationen dringen bis zum Husky-Treiber, was an der neuen Gummilagerung des Lenkers liegt.

Das Fahrwerk wird von einem Chrom-Molybdän-Gitterrohrrahmen mit Aluminium-Gussschwinge gebildet, wie man es von den KTM-Modellen her kennt. Allerdings geriet der selbsttragende Kunststoff-Hecktank größer und fasst nun 13 Liter, geblieben ist die wenig praktikable Anordnung der Tanköffnung hinter der Sitzbank - eine hier aufgeschnallte Gepäckrolle muss bei jedem Tankstopp abgenommen werden.

Deutlich eigenständig zeigen sich die in Zug- wie Druckstufendämpfung einstellbaren Federelemente. Das WP-Federbein wie die Upsidedown-Telegabel mit getrennten Dämpfungskreisläufen stellen jeweils üppige 275 Millimeter Federweg bereit, die der Husqvarna Enduro im groben Gelände eine außergewöhnliche Freigängigkeit bescheren.

Sensibel sprechen Gabel wie Federbein an und liefern ein hohes Schluckvermögen bei einem weiten Einstellbereich der Dämpfung. Insgesamt ist die Grundabstimmung der 701 vergleichsweise soft geraten, womit sie einen breiten Einsatzbereich vom Endurowandern bis zügigem Angasen ermöglicht.

Das Fahrwerkspaket komplett machen eine Brembo-Doppelkolben-Bremsanlage vorn samt Einkolben-Schwimmsattelzange hinten, die vom ABS mit Überschlagvermeidung abgesichert sind.

Per Dongle ist ein Enduro-Modus anwählbar, der das ABS am Hinterrad ausschaltet, am Vorderrad aber die gleiche Regelaktivität wie beim Normalmodus zulässt. Wer's mag, kann das ABS aber auch gleich komplett ausschalten.

Mit ihrem großen Einsatzspektrum, das vom morgendlichen Ritt zum Bäcker über die genüssliche Südfrankreich-Tour bis zur engagierten Hatz übers Endurogelände reicht, schlägt die 701 Enduro ein neues Kapitel für Husqvarna auf.

Auch die hochwertige Ausstattung in Form von LED-Blinkern und -Rücklicht sowie eine insgesamt tadellose Verarbeitung hieven die Neue aus den Niederungen der rein funktionsoptimierten Geländegänger ins obere Viertel des Segments. Das ist ein Premiumanspruch, der dem recht hohen Preis von 10.498 Euro (Deutschland: 9.295 Euro) durchaus gerecht wird.

Enduro-Allrounder mit flüssigkeitsgekühltem Einzylinder-Viertaktmotor, ohc, vier Ventile pro Zylinder, Ausgleichswelle, 690 cm3 Hubraum, Bohrung x Hub 102 x 84,5 mm, Leistung 49 kW/67 PS bei 7.500/min, max. Drehmoment 68 Nm bei 6.000/min, elektronische Einspritzung, geregelter Kat, Sechsganggetriebe, Kettenantrieb, Stahl-Gitterrohrrahmen, USD-Teleskopgabel vorn, Zweiarmschwinge mit angelenktem Zentralfederbein hinten, je eine Scheibenbremse vorn und hinten, ABS, Reifen vorn 90/90-21, 140/80-18 hinten, Sitzhöhe 910 mm, Tankinhalt 13,0 Liter, Leergewicht 157 kg, zul. Gesamtgewicht 350 kg.
Österreich-Preis: 10.498 Euro (Deutschland: 9.295 Euro)

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