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BMW G 310 GS - im ersten Test BMW G 310 GS 2017

Geschrumpfte GS

Mit rund 300 ccm ist die BMW G 310 das Einstiegsangebot in die Zweiradwelt der Marke. Als GS-Version ist sie jetzt ab ca. 6.000 Euro zu haben.

Lars Döhmann/mid

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Erste Testfahrten bestätigen, was die Theorie nahelegt: Die kleine Einzylinder-Enduro G 310 mit dem Namenszusatz GS ist eine echte BMW. Das Einsteigerbike wird ab dem 7. Oktober 2017 bei den Händlern stehen und kann sicher Fortgeschrittenen wie Einsteigern gefallen. Auch angesichts des fairen Deutschland-Preises von 5.800 Euro. Jener in Österreich steht noch nicht fest, sollte aber um die 6.000 Euro liegen.

Als Antrieb dient der aus der G 310 R bekannte, flüssigkeitsgekühlte 313-ccm-Motor mit vier Ventilen, zwei obenliegenden Nockenwellen und 25 kW/34 PS bei 9.500 U/min. Mit fast 170 Kilogramm ist die GS etwa zehn Kilogramm schwerer als die 850 Euro günstigere R. BMW verspricht, dass die G 310 GS Premium-Ansprüche erfüllt. Man sieht die in Bangalore/Indien von Kooperationspartner TVS Motor Company gefertigte Maschine als für den Weltmarkt geeignet und auf allen Straßen der Welt zuhause. Zwei Tage Testfahrt mit dem Bike bestätigten nun das Versprechen voll und ganz. Verarbeitung und Funktionalität überzeugen bis ins Detail.

Die elektronische Kraftstoffeinspritzung verarbeitet unterschiedlichste Spritqualitäten mühelos. Auffällig ist der vorn platzierte Einlass und die Zylinderneigung nach hinten - der Auslass sitzt folglich auch hinten: Die Führung der Verbrennungsluft erfolgt so auf geradem, leistungsförderndem Weg. Weiterer Vorteil: Zusammen mit den hintereinander liegenden Getriebewellen entsteht ein tiefer und Richtung Vorderrad verschobener Schwerpunkt.

Motorbauweise und Anordnung ermöglichen einen 1.420 Millimeter kurzen Radstand mit langer Schwinge: In Fahrt erfreut das Fahrwerk durch stabiles Verhalten, agiles Handling, klare Rückmeldung und sehr gute Kontrollierbarkeit. Geschaltet wird über ein gut gestuftes, leicht bedienbares Sechsganggetriebe. Der Endabtrieb erfolgt über eine O-Ring-Kette.

Bei elf Litern Tankinhalt und einem (WMTC-)Verbrauch von 3,33 Liter auf 100 Kilometern sind 300 Kilometer am Stück machbar. Nach stramm gefahrenen Autobahn- und Landstraßenetappen liegt der Verbrauch im Testbetrieb bei rund vier Litern.

Längere Federwege, eine leicht geänderte Krümmerführung und ein 19 Zoll großes Vorderrad sind die auffälligsten Unterschiede zum Schwestermodell G 310 R. Die GS kommt auf Gussrädern daher und hat keinen Handschutz in Serie: Für einen echten Offroader wären aber 21 Zoll vorne und Drahtspeichen angebracht.

Immerhin: Für den Einsatz in leichtem Gelände ist das Zweikanal-ABS sinnvollerweise abschaltbar. Die Sitzhöhe beträgt 835 Millimeter. Da steigt ein 1,85 Meter großer Fahrer bequem auf und kommt mit beiden Füßen sicher an den Boden. Auf Wunsch kann aber auch eine niedrigere (820 Millimeter) oder eine höhere (850 Millimeter) Sitzbank für G 310 GS bestellt werden.

Das Rückgrat der Maschine bildet ein Gitterrohrrahmen. Das Hinterrad wird in einer Aluminiumschwinge geführt, die sich gegen ein direkt angelenktes Federbein abstützt. Vorn kommt eine Upside-down-Gabel zum Einsatz. Aufgrund des Gewichts reicht eine Scheibenbremse vorn, wo die größeren Schwestern zwei aufweisen. Informationen über Fahr- und Betriebszustände liefert ein großes, gut ablesbares Flüssigkristalldisplay. Angezeigt werden Drehzahl, Tempo, Gang, Motortemperatur, Tankfüllstand, Restreichweite, Durchschnittsverbrauch und -geschwindigkeit sowie die Uhrzeit.

Einzylinder zeigen im Betrieb typischerweise deutliche Vibrationen. Das ist bei der G 310 GS etwas anders, denn eine Ausgleichswelle verhindert das große Kribbeln in den Lenkerenden. So bleiben die Hände tatsächlich nach längeren Etappen frei von Taubheitsgefühlen - gut gemacht. Im Leerlauf dreht das Maschinchen knapp unter 2.000 U/min. Bei 100 km/h im sechsten Gang liegen etwa 6.000 U/min an, und in diesem Bereich beginnt der Motor unter kernigen Lebensäußerungen am lebendigsten zu werden. Bei 8.000 und bis 9.500 Touren trompetet der Single noch fröhlicher.

Auf der Autobahn ist die kleine GS nicht der Hit. Für ein Marschtempo von 120 bis 130 km/h im Solobetrieb reicht es aber komfortabel, der Geradeauslauf ist gut, das Fahrverhalten stabil. Trotz einer Höchstgeschwindigkeit von über 140 km/h fühlt sich die kleine GS auf Landstraßen deutlich wohler. Und je schmaler und enger die Strecke ist, desto weiter kommt die 310 GS nach vorne. Die möglichen Schräglagen werden nur von der Reifenhaftung begrenzt. Wer also fleißig das exakte Getriebe schaltet, kann auch deutlich stärkeren Maschinen locker folgen oder sie gar abhängen.

Enduro-Wandern auf Schotterpisten oder anspruchsvollerem Geläuf sind weitere Einsatzmöglichkeiten. Die 170 Kilogramm Leergewicht sind hier kaum zu spüren. Immerhin beträgt das zulässige Gesamtgewicht 345 Kilogramm - dem Zweimannbetrieb mit Gepäck steht nichts entgegen. Die Federelemente sorgen für einen hohen Fahrkomfort, verdauen aber auch eine sportliche Gangart über harte Bodenwellen und Schlaglochkanten. Mit 180 Millimetern Federweg hat die GS im Vergleich zur G 310 R um 49 Millimeter zugelegt.

Die Gabel mit 41 Millimetern Tauchrohrdurchmesser wirkt üppig dimensioniert. Auch hier stehen 180 Millimeter Federweg zur Verfügung, 40 Millimeter mehr als bei der R. Das Hinterrad mit 17 Zoll Durchmesser ist mit einem 150/70 R 17er-Reifen versehen, vorne montieren die Bajuwaren ein 19 Zoll-Rad mit einem 110/ 80 R 19-Reifen. Das funktioniert ausgezeichnet. Die serienmäßigen Metzeler-Reifen begrenzen die Geländetauglichkeit aufgrund ihrer Profilgestaltung.

BMW-typisch gelungen ist auch die Ergonomie der Schalter und Hebel zur Bedienung. Die Sitzbank ist komfortabel gepolstert, so dass auch nach längeren Tagesetappen der Allerwerteste nicht zwickt. Das serienmäßige Windschild entlastet den Oberkörper vom Winddruck. Ohne Veränderungen kann die 310 GS auch - Offroad-typisch - gut bewegt werden, wenn der Fahrer auf den Fußrasten steht.

BMW bietet für die kleine GS eine gute Auswahl an Sonderzubehör an. Gegen Mehrpreis gibt es etwa einen Hauptständer, beheizbare Griffe, verstellbare Brems- und Kupplungshebel, Topcases und manches mehr. Zur Serienausstattung gehört eine Gepäckbrücke als stabile Basis für Topcases oder größeres Gepäck. Die kleine GS ist in drei verschiedenen Lackierungen erhältlich und wirkt doch wie eine Große. Damit ergänzt die G 310 GS das Modellprogramm in Würde.

Enduro mit flüssigkeitsgekühlten Einzylinder-Viertakt-Motor, zwei obenliegende Nockenwellen, vier Ventile, Ausgleichswelle, Hubraum 313 ccm, max. Leistung 25 kW/ 34 PS bei 9500 /min, max. Drehmoment 28 Nm bei 7500 /min, Sechsgang-Getriebe, Kettenantrieb. Gitterrohrrahmen, Upside-down-Gabel mit 41 mm Standrohrdurchmesser vorn, Zentralfederbein hinten, Scheibenbremse vorn: 300 mm, Scheibenbremse hinten: 240 mm, BMW Motorrad ABS (abschaltbar), Reifen vorn 110/80 R 19, hinten 150/70 R 17, Sitzhöhe 835 mm, Tankinhalt 11 Liter, Radstand 1420 mm, Leergewicht 169,5 kg, Beschleunigung 0 - 100 km/h k.A., Vmax: 143 km/h, WMTC-Normverbrauch 3,33 l/ 100 km
Österreich-Preis: ab. ca. 6.000 Euro (Deutschland: ab 5.800 Euro).

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