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Ducati Scrambler 1100 - erster Test Ducati Scrambler 1100 2018

Lifestyle-Monster

Die neue Scrambler 1100 von Ducati fährt sich nicht ganz so agil wie ihre 800er-Schwester, ist aber das deutlich erwachsenere Motorrad. Erster Test.

mid/rs

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Als Ducati vor drei Jahren seine legendäre Scrambler der 60er und 70er Jahre wiederbelebte, konnte niemand ahnen, wie erfolgreich der charmante Retro-Allrounder sein würde. Ursprünglich war die Einzylinder-Duc ein SUV auf zwei Rädern, vor allem für den US-Markt. Klassische Merkmale: Höhergelegter Auspuff, Stollenreifen und ein bequemer breiter Lenker.

Die Zutaten sind weitgehend geblieben. Heute sind die Scrambler-Varianten mit 800 und 400 Kubik Ducatis meistverkaufte Modellreihe überhaupt - ein Lifeystyle-Bike par excellence. Eine große Srambler war überfällig: Die 1100er mit 86 PS - endlich groß genug, damit auch Biker über 1,85 Meter damit entspannt durch die Gegend cruisen können.

Bei ausgiebigen Testfahrten durch Lissabon und über die umliegenden Landstraßen erweist sich die neue Ducati Scrambler 1100 als so vielseitig, wie man es von einem Scrambler erwartet, und so cool, wie das Ducati bereits mit den kleineren Modellen hinbekam. Sie fährt sich zwar weniger agil als die Scrambler 800, ist aber das deutlich erwachsenere Motorrad. Deshalb schließt sie die bisher klaffende Lücke zwischen Scrambler-Baureihe und dem klassischen Naked Bike Ducati Monster.

Die Scrambler 1100 kostet in den drei Versionen Standard, Special und Sport 14.495, 15.995 oder maximal 16.795 Euro (Deutschland: 12.990, 14.290 bzw. 14.990 Euro) - sehr stolze Preise für ein 86 PS-Bike. Als Retro-Beauty muss sich die Italienierin in dieser Preisklasse mit BMW R nineT (110 PS) oder Triumph Thruxton R (97 PS) messen. Trotz der Papierform mit relativ wenig PS: Unterm Strich schafft sie das.

Besonders wichtig bei Lifestyle-Motorrädern: Die Reduktion aufs Wesentliche. Sie zeigt sich zum Beispiel am Display. Wichtige Infos sind digital, aber ein klassisches Rundinstrument beschränkt sich insgesamt aufs Wesentliche. Unter anderem: Tempo, Gang, Drehzahl, Tankstand und der ausgewählte Fahrmodus. Deren bietet die Scrambler 1100 ab Werk drei: "Active", "Journey" und "City", von denen letzterer die Leistung auf 75 statt 86 PS reduziert.

Ebenfalls sehr wichtig: Die Materialauswahl. Nur fünf wesentliche Teile sind aus Kunststoff, wie Projektleiter Rocco Canosa stolz betont: Die Airbox, der Sitz-Unterbau, das Elektronikgehäuse sowie das vordere und hintere Schutzblech - sonst geben Aluminium und Co. den Premium-Ton an.

Vom möglichst hochwertigen Eindruck weichen lediglich einige Details ab - wie die etwas lieblos gestaltete Gabelbrücke oder die Schalter am Lenker.

Erste angenehme Überraschung beim Anlassen des Motors: Für die Scrambler 1100 hat Ducati seinen altgedienten luftgekühlten Zweiventil-Motor aus der Monster auf Euro 4 getrimmt. Die Spitzenleistung ist dabei zwar von bis zu 110 auf 86 PS abgesunken, doch der Fahrspaß ist geblieben.

Der 1,1-Liter-V2 meldet sich lautstark, aber unaufdringlich zum Dienst. Er brabbelt, wie es Fans des klassischen L-Twins aus Bologna so mögen. Und vor allem im Schiebebetrieb unter Last, also etwa bergab, poltert er vor sich hin und macht damit Ducatis traditionellem Motorkonzept alle Ehre.

Druckvoll, aber geschmeidig geht er stets zu Werke. Über E-Gas und dank weiterer moderner Motorelektronik mit MotoGP-Know-how drückt er seine Kraft jederzeit berechenbar auf die Kette. Das breite Drehmoment-Plateau passt zum Bike - zwischen 4.500 und 6.500 U/min liegt praktisch konstant die maximale Schubkraft an.

Die Standardeinstellung des Fahrwerks fühlt sich für Leichtgewichte relativ hart an. Aber vorne wie hinten gibt es umfangreiche Möglichkeiten zum Einstellen und Korrigieren. Der Kniewinkel ist für Menschen über 1,90 m etwas eng, der Rest passt auch für Riesenbiker. Der breite Lenker fühlt sich an wie ein Präzisionswerkzeug, mit dem der Ducatista auf seiner Scrambler Feinstarbeit verrichten kann. Dabei verführt die Armhaltung zum wild wirkenden Ausfahren der Ellbogen.

Die von uns gefahrene Ducati Scrambler 1100 Special rollt auf schwarzen Speichenrädern, mit Chrom-Auspuff, Aluminium-Schutzblechen, gebürsteten Schwingen, goldenen Gabelrohren sowie einem etwas niedrigerem Lenker und brauner Sitzbank. Die Farbe "Custom Grey" ist exklusiv ihr vorbehalten. Bereits die darunter liegende Scrambler 1100 Standard hat eine USD-Gabel von Marzocchi, Kayaba-Federbein und schwarze Gussräder.

Bei der teuersten Scrambler 1100 Sport kommen unter anderem hochwertige Fahrwerks-Komponenten von Öhlins hinzu. Bei ihr klettert der stolze Preis auf die erwähnten 17.000 Euro - drei Fahrmodi und Kurven-ABS von Bosch inklusive. Für diesen Preis wäre noch etwas mehr Detailliebe zu erwarten gewesen.

Und die Lust nach mehr PS dürfte bei einigen Scrambler-Fans anhalten, denn die 86 PS der 1100 sind zwar extrem gut fahrbar, reißen aber keinen Sportfahrer vom Hocker. Trotzdem: Insgesamt ist die Scrambler 1100 ein überzeugender Lifestyle-Alleskönner im Retro-Look, der die Fahne des polternden V2-Motors aus Borgo Panigale hochhält.

Allrounder mit luftgekühltem Viertakt-V2-Motor im 90 Grad-Winkel, Hubraum 1.079 cm3, max. Leistung 63 kW (86 PS) bei 7.500 U/min, (alternativ 35 kW/48 PS), max. Drehmoment 88 Nm bei 4.750 U/min, Sechsganggetriebe, Kette.
Stahl-Gitterrohrrahmen, vorn voll einstellbare Upside-down-Telegabel von Marzocchi mit 45 mm Tauchrohrdurchmesser, hinten Kayaba-Zentralfederbein verstellbar in Vorspannung und Zugstufendämpfung, vorn Doppel-Scheibenbremse 320 mm mit radial montierten Vierkolben-Bremssätteln, hinten eine Scheibenbremse gelocht 245 mm, Bosch Kurven-ABS, Reifen vorn 120/80 ZR18, hinten 180/55 ZR17 (Pirelli MT 60 RS), Sitzhöhe 810 mm, Radstand 1.514 mm, Tankinhalt 15 Liter, Gewicht fahrfertig 211 kg, Höchstgeschwindigkeit k.A., Kraftstoffverbrauch kombiniert 5,0 l/100 km.
Österreich-Preis: ab 14.495 Euro (Deutschland: 12.990 Euro)

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