ZWEIRAD

  • Motorline auf Facebook
  • Motorline auf Twitter

Inhalt

Dreifaches Hoch!

Zunächst bot MV Agusta Dreizylinder-Power im Supersportler F3 und der unverkleideten Brutale an. Jetzt folgt die voll verkleidete F3 800 mit 148 PS.

Thilo Kozik/mid

Lange Zeit konnten sich die Briten von Triumph auf ihren Dreizylinder als Alleinstellungsmerkmal verlassen, doch seit vergangenem Jahr bietet ihnen der Edelhersteller MV Agusta Paroli: Zunächst boten die Italiener ihr Dreizylinderkonzept in einem 675-ccm-Pack im Supersportler F3 und dem unverkleideten Landstraßenfeger Brutale an. Jetzt legen sie mit der voll verkleideten F3 800 und einem aufgewerteten Motor in einem supersportlichen Chassis nach.

Dabei orientierten sich die Entwickler ganz offensichtlich an der kleineren Schwester F3 675, die weiterhin im Angebot ist: Die rassige Verkleidung verströmt die gleiche kompromisslose Sportlichkeit, rechtsseitig lugt der charakteristische Triple-Schalldämpfer heraus, und auch das Fahrwerk aus Stahlrohr und Leichtmetallguss stammt wie die formschöne Einarmschwinge aus der 675er.

Beim Aufsitzen ergibt sich ein typisch sportives Ambiente auf dem niedrigen Fahrersitz: Der kurze Tank und der tiefe Lenker geben die sportliche Körperhaltung vor. Aber selbst bei 1,87 Meter Körperlänge ist das nicht unbequem.

Für den großen Fortschritt ist der neue Motor zuständig - dabei fällt der Leistungszuwachs deutlicher aus, als der durch den längeren Hub erzielte Hubraumzuwachs von 123 Kubikzentimeter nahelegt: 109 kW/148 PS sind satte 15 kW/20 PS mehr als bei der 675er F3.

Noch beeindruckender ist der Zuwachs bei niedrigen Drehzahlen - rund 22 kW/30 PS mehr zwischen 8.000/min und 10.000/min sorgen für einen bärenstarken Antritt und satten Durchzug. Wie bei allen MV-Dreizylinder-Motoren rotiert die Kurbelwelle entgegen der Raddrehrichtung.

Als erstem MV-Triple ist der F3 800 eine "Rutschkupplung" vergönnt, die die Bremskraft des Motors im Schiebebetrieb nur noch bedingt an das Hinterrad weiterleitet. Einspritz- und Auspuffanlage sind unverändert, aber das Motormanagement hat der Hersteller angepasst.

Nach dem Starten entweicht den drei Orgelpfeifen hinter dem rechten Stiefel des Fahrers das typische Dreizylinder-Brabbeln. Bei niedriger Geschwindigkeit spricht der Dreizylinder sauber auf Gasgriffbefehle an, im "Normal"-Modus - der mittlere Fahrmodus zwischen "Sport" und "Rain", dazu gibt es noch einen "Custom"-Modus - gibt sich die MV sehr folgsam.

Selbst Fahrten im ersten Gang oder Abschnitte im hohen Gang bei niedriger Drehzahl, die einen gemütlichen Sonntagmorgenritt simulieren, meistert die MV problemlos, besser gesagt: ohne jene Verzögerung und schlechte Dosierbarkeit, die an der F3 675 noch so störte.

Die Motorcharakteristik ist alles andere als spitz, die MV setzt bei voll geöffneten Drosselklappen aus fast jeder Drehzahl zum Sprung an. Allerdings verlangt die leichtgängige, elektronische "Ride-by-wire"-Drosselklappensteuerung nach einem sensiblen rechten Handgelenk. Das Motorenupdate bringt also nicht nur mehr Leistung, sondern auch bessere Manieren.

Doch es herrscht nicht rundum eitel Sonnenschein: Das Drehzahlband oben am kompakten Digitalinstrument ist zu klein, um es vernünftig ablesen zu können. Schwerwiegender noch ist der Gangwechsel, oder besser: der serienmäßige Schaltautomat, der das Hochschalten aus dem dritten Gang nicht immer flüssig ermöglicht.

Optimierungspotenzial offenbart auch die jüngst überarbeitete Traktionskontrolle, die gut funktionierte, bisweilen jedoch überraschend hart eingriff. So ist die vom linken Lenkerende anzuwählende "Stufe Zwei" die empfehlenswerteste.

Eine straffere Grundabstimmung der Federelemente bei der MV Agusta F3 800 war wegen der bissigen Brembo Monoblock-Radialbremszangen nötig. Knackig, gut gedämpft und präzise fährt die MV damit, die eingeschlagene Linie hält sie souverän und stabil. Einzig das Lenkerschlagen beim Herausbeschleunigen aus den Kurven stört den guten Eindruck, hier könnte ein Lenkungsdämpfer Abhilfe schaffen.

In der Bremszone gibt's nichts zu meckern: Die stabile Gabel ist den mächtig zubeißenden Bremsen gewachsen. Angesichts der tollen Bremswirkung ist es zumindest unverständlich, dass die Ausrüstung der F3 mit ABS erst fürs nächste Jahr vorgesehen ist.

In vielerlei Hinsicht wird die 800er ihre Vorteile auf der Straße ausspielen können, wo ihre Durchzugsfreude und die exakte Gasannahme das Leben leicht machen. Die große F3 ist richtig harmonisch geworden - eine kompakte, aggressive, mit scharfem Handling und typischem Dreizylinder-Charakter gesegnete Maschine, an der noch ein paar Ecken rundgefeilt werden müssen.

Mit 13.990 Euro (Deutschland-Preis - jener für Österreich wird nicht unter 16.000 Euro liegen) bietet sie zurzeit das beste Preis-Leistungs-Verhältnis eines MV-Sportmotorrades.

Technische Daten MV Agusta F3 800:

Straßenmotorrad mit flüssigkeitsgekühltem Reihen-Dreizylinder-Viertakt-Motor, vier Ventile je Zylinder, DOHC, Hubraum 798 ccm, Bohrung x Hub: 79,0 mm x 54,3 mm, maximale Leistung: 109 kW/148 PS bei 13 000/min, max. Drehmoment: 88 Nm bei 10 600/min, elektronische Kraftstoffeinspritzung, geregelter Katalysator, vier Power-Modi, Traktionskontrolle, Sechsganggetriebe;

Gitterrohr-Leichtmetallguss-Brückenrahmen, Upside-Down-Telegabel, Aluminium-Einarmschwinge mit angelenktem Zentralfederbein, Scheibenbremsen: zwei vorn, eine hinten, Reifen vorn: 120/70 ZR 17, hinten: 180/55 ZR 17, Sitzhöhe: 805 mm, Tankinhalt: 16,5 Liter, Leergewicht: 190 kg, zul. Gesamtgewicht: 370 kg, Preis (Deutschland): 13.990 Euro.

Weitere Artikel:

Start 2022, aber nicht in Europa

Cadillacs elektrische Zukunft heißt Lyriq

Dieses Mal werfen wir einen Blick über den großen Teich. Wie man sich luxuriöse Elektromobilität vorstellt, zeigt jetzt General Motors mit dem batterieelektrischen Cadillac Lyriq.

e-tron eine Nummer kleiner

Q4 e-tron: Der nächste Treffer

Das vollelektrische Angebot der Ingolstädter wird an der Basis erweitert. Was für eine Freude: Sogar Anhänger lassen sich mit Q4 e-tron und Q4 Sportback e-tron ziehen.

Auf der IAA 1951 feierte der VW Bus mit bis zu 23 Fenstern seine Weltpremiere, und steht seither für den Inbegriff des großen Aufbruchs jener Jahre. Doch warum heißt er eigentlich Samba?

Der ADAC hat den Zeitplan für das 24h-Rennen Nürburgring 2021 veröffentlicht: Donnerstag und Freitag Trainings und Top-Qualifying, Rennstart Samstag 15:30 Uhr.