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BMW R 1250 RT - Tourer im Test

Globetrotter in Eile

Mit dem erstarkten Boxermotor macht die BMW R 1250 RT ordentlich Druck, ein riesiger Tank und braver Verbrauch sorgen für große Reichweite.

Ralf Schütze/mid

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Wer hohes Autobahntempo auf zwei Rädern entspannt genießen kann, tut das am besten auf einem entsprechenden Langstrecken-Bike wie der neuen BMW R 1250 RT. Ohne guten Windschutz geht so etwas nicht, auch die Ergonomie muss passen.

Schon seit 1978 gehört das bayerische Tourenbike zum Kreis jener Motorräder, mit denen die Weltreise ebenso ungetrübten Fahrspaß bringt wie ein heißer Ritt über kurvige Landstraßen. Natürlich stößt das Boxer-Motorrad in Sachen Dynamik an Grenzen, aber die liegen überraschend hoch.

Vom Umstieg auf den neu entwickelten 1250er Boxermotor profitiert nach dem Allrounder GS nun auch das Reisemobil RT: Niedrigerer Verbrauch, höhere Reichweite und noch mehr Durchzugskraft als bisher sind ideal für den weiten Motorrad-Trip. Obwohl sie fahrfertig stolze 279 kg wiegt, lässt sich BMWs Langstrecken-Bike erstaunlich flink selbst durch enge Kurvenradien zirkeln. Wer lieber gemütlich viele Kilometer abspult, genießt darüber hinaus bis 100 km/h ungetrübt den Sound aus der Multimedia-Anlage. Dabei sollte lediglich die elektrisch in Fahrt verstellbare Scheibe ganz nach oben gestellt sein.

Es hat sich insgesamt nicht viel verändert an der RT, aber in jüngster Generation ist sie nochmals ein Stück ausgereifter. Bei der Entwicklung waren offenbar Überzeugungstäter am Werk, das merkt man an vielen Einzelheiten. Beispiel Koffer: Was ist wichtiger an einem Reise-Motorrad, als wasserfest und diebstahlsicher reichlich Gepäck unterbringen zu können? Bei der BMW R 1250 RT schlucken zwei Seitenkoffer und ein Topcase zusammen stolze 112 Liter - immerhin fast soviel wie ein Porsche 911 Targa. Das reicht locker für längere Motorradreisen.

Bei aller Fernreise-Tauglichkeit: Wenn's sein muss, sprintet die RT im Eiltempo in nur 3,7 s von 0 auf 100 km/h. Viel Durchzugskraft bei praktisch jeder Drehzahl, relativ moderater Verbrauch, saubere Verbrennung: Beim Langstrecken-Boxer macht sich besonders die neue variable Ventilsteuerung "ShiftCam" bezahlt, die BMW der 1,25-Liter-Version seines klassischen Motors spendiert hat. Wer besonders die flotte Gangart liebt, sollte sich für 180 Euro extra die "Fahrmodi Pro" gönnen. Dazu gehört ein Dynamik-Modus, in dem das bayerische Reise-Bike seine sportlichen Talente erst so richtig ausspielt.

Den gesamten Antriebsstrang der BMW R 1250 RT inklusive wartungsfreundlichem Kardanantrieb empfanden wir bei unseren Testfahrten als sehr angenehm: Impulsiv und bärenstark, aber dennoch sanft in der Entfaltung seiner Kraft. Dazu passend sind die Bremsen auffallend gut dosierbar und bei Bedarf sehr wirkungsvoll.

Sogar eine seit jeher typische Unart der RT haben ihr die Entwickler inzwischen ausgetrieben: Der erste Gang nahm stets mit einem lauten "Klack" seinen Dienst auf, das ist jetzt vorbei. Wenn man sich noch dazu den Schaltassistent Pro gönnt, wechselt man besonders sanft und praktisch ohne Zugkraftunterbrechung die Gänge.

Besonders wertvoll für Komfort und Sicherheit: Kurven-ABS ist jetzt bei der RT serienmäßig, dazu kommt die neue Möglichkeit, gegen Aufpreis das elektronische Fahrwerk Dynamic ESA "Next Generation" zu bestellen - enthalten ist es im 1.370 Euro teuren Touring-Paket. Da es außerdem so nützliche Komponenten umfasst wie Sitzheizung, Navi-Vorbereitung und Tempomat, erscheint es für ausgesprochene Tourenfahrer fast unverzichtbar.

BMW hat für den neuen Boxermotor 4 Prozent weniger Verbrauch als bisher angekündigt, das wären jetzt 4,75 l/100 km. Unser Praxisverbrauch landete im Mix aus Stadt, Landstraße und Autobahn bei exakt 5,4 l/100 km. Das ist erstens eine vertretbare Überschreitung des Normverbrauchs, zweitens reicht es bei 25 Liter Tankinhalt immer noch für stolze 462 km Reichweite bis zum nächsten Tankstopp.

Zu kritisieren gibt's nur Kleinigkeiten, wie die etwas tief platzierten Rückspiegel. Aber im Großen und Ganzen schlägt sich die BMW R 1250 RT vorbildlich. Das gilt etwa auch für die umfangreiche Multimedia-Anlage, die trotz ihrer Komplexität leicht zu bedienen ist.

Selbst der Preis ist kein wirklicher Grund zur Klage, denn solche Supertourer liegen stets in relativ teuren Regionen. 21.700 Euro (Deutschland: 18.000 Euro) fürs Basismodell treibt man mit ein wenig Extras schnell noch ein paar Tausender nach oben. Auch die von uns gefahrene Lackierung "Option 719 Blueplanet metallic" kostet Aufpreis und ist Teil einer reichhaltigen Zubehör-Linie, um aus der RT von der Stange ein individuelles Reisemotorrad zu machen.

Tourer mit luft-/flüssigkeitsgekühltem Zweizylinder-Viertakt-Boxermotor, vier Ventile pro Zylinder, Hubraum 1254 ccm, max. Leistung 100 kW / 136 PS bei 7750 U/min, max. Drehmoment 143 Nm bei 6250 U/min, Sechsganggetriebe, Kardan.
Zweiteiliges Rahmenkonzept, Motor mittragend, vorn BMW Motorrad Telelever, Zentralfederbein 37mm, hinten Aluminiumguss-Einarmschwinge mit BMW Paralever, BMW Motorrad-Integral ABS (teilintegral), abschaltbar.
Reifen vorn: 120/70 ZR 17, Reifen hinten: 180/55 ZR17, Sitzhöhe: 805/825 mm (optional 760 bis 850 mm), Tankinhalt: 25 Liter, Leergewicht fahrfertig: 279 kg.
Höchstgeschwindigkeit: "über 200 km/h", 0-100 km/h: 3,7 Sekunden, Normverbrauch: 4,75 l/100 km, Schadstoffklasse: Euro 4.
Österreich-Preis: ab 21.700 Euro (Deutschland: ab 18.000 Euro).

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