MOTORSPORT

  • Motorline auf Facebook
  • Motorline auf Twitter

"Ein großartiger Pilot sollte auch überholen können..."

Der frühere F1-Techniker Gary Anderson fordert eine Startaufstellung nach umgekehrter WM-Tabelle - nur so könne es künftig mehr Überholmanöver geben...

Michael Noir Trawniczek

Wer den Grand Prix von Australien gesehen und als Motorsportfan zahlreiche harte, aber faire Zweikämpfe erwartet hat, wurde herb enttäuscht. Dass bei den Tests zuvor knappe Zeiten gefahren wurden, die Teams näher beieinander lagen, dass die Karten neu gemischt wurden, dass Michael Schumacher nicht mehr am Start ist - all das half nichts: Die Formel 1 präsentierte sich am letzten Sonntag als eine teure, sportlich jedoch wenig wertvolle Serie, Positionswechsel wurden großteils "in der Boxengasse" vollzogen. Sieger Kimi Räikkönen musste kein einziges Fahrzeug überholen - weil die Hinterbänkler beim Überrunden nicht sofort Platz machten, beschwerte sich der Finne im Anschluss an das Rennen.

Gary Anderson, früher in der Formel 1, unter anderem bei Jordan, als Cheftechniker tätig, erklärte in einem Gespräch mit Crash.net: "Die heutigen Autos sind nicht dafür beschaffen, hintereinander her zu fahren, sie verlieren dabei zu viel Grip. Du hast den schnellsten Wagen der Qualifikation ganz vorne und den langsamsten ganz hinten in der Aufstellung stehen. Am Sonntag dann erwarten wir jedoch eine Art Wunder, dass also ein langsames ein schnelles Fahrzeug überholt, womöglich auf dem schmutzigen Teil der Strecke. Du musst kein Gehirnchirurg sein, um festzustellen, dass dies einfach nicht funktionieren kann."

Anderson sieht nur einen wirklich gangbaren Weg: "Wir müssen die Startaufstellung umdrehen. Der WM-Leader startet vom letzten Platz aus, der Letzte der Wertung steht auf Poleposition. Wenn du auf diese Art die Weltmeisterschaft gewinnst, dann passiert das, weil du wirklich alle anderen geschlagen hast." Und: "Ein großartiger Rennfahrer sollte auf allen Gebieten gut sein, das inkludiert auch das Überholen."

Eine weniger radikale Lösung wäre eine Mischform. Man könnte beispielsweise die Top 3 der Weltmeisterschaft von den Plätzen 20, 21 und 22 starten lassen. Beim ersten Saisonlauf müssten/dürften die Top 3 des Vorjahrs ihr großes Können demonstrieren. Der Rest der Startplätze könnte wie bislang per Qualifying ermittelt werden. Somit wäre auch ein Enteilen in der Tabelle nur schwer möglich. Dagegen spricht der künstliche Eingriff, der hier zugrunde liegt. Und: Um das Überholen zu erleichtern, müssten die Autos entsprechend verändert werden, in den FIA-Umfragen fordern die Fans längst eine Aerodynamik-Abrüstung und das Verbot elektronischer Fahrhilfen.

In der Navigation rechts können Sie Ihre Stimme abgeben - welche Lösung zur Anhebung von Überholmanövern würden Sie bevorzugen? Oder sind Sie restlos zufrieden mit der Formel 1, so wie sie ist?

News aus anderen Motorline-Channels:

- special features -

Weitere Artikel:

Mick Schumacher im Interview

"Großartige Dinge am Horizont"

Nach den ersten vier Rennwochenenden seiner ersten IndyCar-Saison spricht Mick Schumacher über Herausforderungen, Hoffnungen, Pläne und die Formel 1

Rallycross-ÖM Melk: Bericht

Rallycross-Saisonstart in Melk

Mit spannenden Rennen auf dem Wachauring startete die neue Saison der Rallycross-Staatsmeisterschaft. Die Siege gingen an die Stars der FIA-Zentraleuropa-Meisterschaft. Bei den großen Tourenwagen konnten die Österreicher mit den Plätzen 1–3 zurückschlagen.

Zwei Reifentöpfe und "Lex Rene Rast"

So sieht das neue DTM-Reglement aus

Die DTM hat kurz vor dem Auftakt das Reglement 2026 veröffentlicht: Wie die Teams jetzt strategisch gefordert werden und was es mit der Lex Rene Rast auf sich hat

Ohne jeden Test hat Michael Kogler ein 350 PS starkes Ford Fiesta WRC beim weltberühmten Rechbergrennen pilotiert - in Gedenken an seinen Vater Gottfried, der vor exakt 30 Jahren das Gleiche tat. Das Projekt „Ciao Papa“ war eine Herzensangelegenheit…