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Aus dem Brawn wird der Silberpfeil

Die Hintergründe zur Brawn-Übernahme – erstmals seit 1955 wird ein echtes Mercedes-Werksteam zum Einsatz kommen, schon im Jahr 2010.

Foto: Mercedes

Nach zweimonatigen Spekulationen hat Mercedes heute endlich reinen Tisch gemacht: "Mercedes wird 2010 mit einem eigenen Formel-1-Team, Mercedes Grand Prix, an den Start gehen", bestätigte Daimler-Konzernchef Dieter Zetsche in einer gemeinsamen Telefonkonferenz mit Mercedes-Sportdirektor Norbert Haug.

"Um das zu ermöglichen, haben wir 75,1 Prozent von Brawn GP übernommen - vorbehaltlich der Zustimmung der Kartellbehörden. Diese 75,1 Prozent werden zu 30 Prozent von unserem Partner Aabar und zu 45,1 Prozent von Daimler übernommen", erklärte Zetsche. "Damit verbleiben 24,9 Prozent bis auf weiteres bei den bisherigen Anteilseignern, also Ross Brawn, Nick Fry und einigen Mitgliedern des Managementteams."

Brawn bleibt Teamchef

"Wir haben unsere Interessen mit Aabar gepoolt, sodass wir de facto ein Mercedes-Benz-Team ins Rennen schicken können. Es ist uns aber genauso wichtig, dass Ross Brawn Teamchef bleibt und damit an die erfolgreiche Vergangenheit anschließen kann", so der Deutsche. Aabar Investments PJSC, ein aus Abu Dhabi stammendes Unternehmen, ist mit 9,1 Prozent der größte Anteilseigner am Daimler-Konzern.

Das Mercedes-Werksteam wird offiziell unter dem Namen "Mercedes Grand Prix" an den Start gehen und in klassischer Silberpfeil-Lackierung auftreten. Als erster Fahrer steht Nico Rosberg bereits fest, die Vergabe des zweiten Cockpits ist jedoch noch ungeklärt. Offiziell bekannt gegeben werden die beiden Piloten erst, wenn alles unter Dach und Fach ist. So steht derzeit auch die Bestätigung des Rosberg-Vertrags noch aus.

Startnummer 1?

"Es braucht noch ein bisschen, bis wir alles in der Reihe haben. Dafür bitte ich um Verständnis", sagte Haug. "Es gibt nicht nur eines, sondern zwei Cockpits zu vergeben. Das müssen wir sorgsam klären." Zetsche unterstrich, dass man sich "nicht darüber beschweren" würde, die Nummer eins von Weltmeister Jenson Button auf dem Auto zu haben, aber Haug warf ein: "Die übernommene Nummer eins würden wir sicher mitnehmen, aber es zählt das, was man sich selbst erarbeitet."

Als neuer Hauptanteilseigner des bisherigen Brawn-Teams kann Mercedes in Brackley alle Entscheidungen selbst treffen, auch wenn Ross Brawn Teamchef bleiben wird. Ein wichtiges Argument für die Neuausrichtung war aber auch, dass man künftig offenbar für mehr Kontrolle weniger Geld in die Hand nehmen muss: "Die Neuausrichtung unserer Formel-1-Aktivitäten erlaubt uns, sehr viel effizienter zu agieren", bestätigt Zetsche.

Deutsche Hymne

Sollte das Mercedes-Werksteam 2010 einen Grand Prix gewinnen, dann wird natürlich für den siegreichen Konstrukteur die deutsche Bundeshymne gespielt. Haug wird künftig auch neben Brawn und nicht mehr neben Martin Whitmarsh auf dem Kommandostand sitzen. Aber der Sportchef betonte: "Mit McLaren wurde wirklich eine friedliche Lösung gefunden. Das wird man an der Rennstrecke erleben. Es gibt keine Kontroverse."

Dazu Zetsche: "McLaren hat ein Interesse daran und hat auch entsprechend agiert, sich im Automobilbau zu engagieren. Das hat sich nicht mit unseren Interessen gedeckt. Deshalb haben wir im völligen Einvernehmen zwischen den Anteilseignern vereinbart, dass die McLaren-Gruppe innerhalb der nächsten zwei Jahre die 40 Prozent Aktien, die Daimler daran hält, zurückkaufen wird. Wir werden in Zukunft die Rolle des Motorenpartners von McLaren annehmen."

Dass McLaren mit dem eigenen Supersportwagen in Mercedes-Gewässern angeln möchte, kam in Stuttgart nicht gut an: "Für die anderen Anteilseigner wurde der Aufbau eines McLaren-Supersportwagens immer wichtiger. Offensichtlich war das für Mercedes kein Thema, das unser Interesse finden konnte. Deshalb ist folgerichtig, dass wir daraus die Konsequenz gezogen und gesagt haben, als Anteilseigner sollten wir uns trennen", argumentierte Zetsche.

Vier Silberpfeile 2010

Aber: "Der Wunsch von McLaren war und ist es - und wir haben das positiv zur Kenntnis genommen -, das Branding des heutigen Fahrzeuges auch 2010 unverändert zu lassen. Insofern wird das Fahrzeug das gewohnte Bild bieten. Wir haben McLaren zugesagt, dass sie vorbehaltlich der Gesamtrahmenbedingungen im Grundsatz von uns bis 2015 Motoren kaufen können." Das bedeutet, dass es nächstes Jahr sogar vier Silberpfeile in der Formel 1 geben wird.

Wann und wo der Übernahmevertrag unterzeichnet wurde, entzieht sich derzeit noch unserer Kenntnis. Als es in Abu Dhabi zu Treffen zwischen hochrangigen Mercedes-, McLaren- und Brawn-Vertretern kam, war in Insiderkreisen schon klar, dass der Deal nicht erst wie ursprünglich geplant bis 2011, sondern mit sofortiger Wirkung über die Bühne gehen würde. Dies ist nun der Fall. Ein Werksteam aus Stuttgart gab es in der Formel 1 zuletzt 1955.

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