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Formel 1: Reglement 2011

Überholorgien dank Heckflügeltrick?

Ein verstellbarer Heckflügel, der nur vom Verfolger betätigt werden darf, soll schon ab 2011 das Überholen entscheidend erleichtern.

Michael Noir Trawniczek

Bei einer Sitzung der Technischen Arbeitsgruppe in Montreal wurde von den Technikchefs der Formel 1-Teams eine revolutionäre Überholhilfe abgesegnet. Ein vom Fahrer verstellbares Heckflügel-Element, konkret der obere Flap, darf um bis zu 50 Millimeter nach oben bewegt werden, womit der Flügel bedeutend weniger Luftwiderstand aufweist und das Überholen somit stark erleichtert werden könnte.

Denn dieser Heckflügel darf nur in einem Zweikampf und nur vom Hintermann bedient werden - und auch nur, wenn er dicht genug an seinen Vordermann herangefahren ist. Der Abstand soll je nach Strecke variiert werden und in etwa eine Sekunde betragen. Der Pilot soll am Display eine grüne Signalleuchte erhalten, wenn er den Flügel verstellen darf.

Hightech

Das System ist allerdings nicht unkompliziert: Die Techniker haben sogar an den Fall gedacht, wenn ein Fahrer am Ende der Geraden vergessen sollte, den Flügel wieder aufzurichten, was zu gefährlichen Situationen beim Anbremsen der nächsten Kurve führen könnte. So soll der Flügel nach einer bestimmten Zeit rechtzeitig automatisch wieder aufgerichtet werden.

Bleibt nur die Frage, wie kontrollierbar das System ist und wie weit man technisch in der Lage ist, das System einwandfrei laufen zu lassen.

Um in den ersten drei Runden ein Chaos zu verhindern, darf der „Überholknopf“ erst ab der dritten Runde bedient werden. FIA-Rennleiter Charlie Whiting erklärte dazu gegenüber Auto, Motor und Sport: „Das wird beim Restart ganz schön lustig.

“Als Vordermann keine Chance“

Es gibt auch bereits kritische Stimmen, wonach dieses System das Überholen sogar zu einfach gestalten könnte. AMS zitiert in diesem Zusammenhang Robert Kubica mit den Worten: „Da hast du als Vordermann keine Chance. Mit dem flachen Heckflügel fährt dir der Verfolger ohne Probleme auf der Geraden vorbei.“

Zumindest lassen diese Aussagen darauf schließen, dass mit dem System tatsächlich das Überholen erleichtert werden würde, bleibt nur die Frage der Durchführbarkeit. Jedenfalls wurde diese revolutionäre Maßnahme von der Technischen Arbeitsgruppe abgesegnet – sie muss jetzt nur noch, wie alle anderen Beschlüsse, von der Formel 1-Kommission und vom FIA-Weltrat bestätigt werden.

Das Ende von Mehrfachdiffusor & F-Schacht

Neben dem Überholsystem hat die Arbeitsgruppe für 2011 den verstellbaren Frontfölügel ab 2011 abgeschafft – er hat das Überholen nicht erleichtert. Zudem darf der Unterboden keine Löcher mehr aufweisen und die Diffusorhöhe wurde von 175 auf 125 Millimeter gesenkt, der Mehrfachdiffusor ist somit ebenso Geschichte wie der F-Schacht, der mehrheitlich verboten wurde.

Fragezeichen KERS

Nicht einig wurde man sich hinsichtlich des Energierückgewinnungssystems KERS. Dieses ist auch heuer nicht verboten, doch es wird von keinem Team eingesetzt. Für ein Verbot fand sich jedoch keine Mehrheit. RBR-Teamchef Christian Horner erklärte dazu: „Damit müssen wir das System beim Konzept des Autos mit in unsere Überlegungen mit einbeziehen. Es steht gerade so auf der Kippe, ob du mit KERS schneller bist als ohne. KERS zu ignorieren wäre ein großer Fehler."

Womit offenbar einmal mehr dafür gesorgt ist, dass die Teams wieder einmal viel Geld für ein System ausgeben müssen, das eigentlich niemand mehr verwenden möchte.

Wie auch immer: Der verstellbare Heckflügel klingt zumindest viel versprechend. Ob er in der Praxis durchführbar ist, ob er Gefahrenmomente in sich birgt, wird wohl noch näher zu erläutern sein. Auf den ersten Blick jedoch wirkt das System, so es funktioniert, äußerst attraktiv. Dass es dadurch zu einer Inflation von Überholmanövern kommen könnte – diese Angst sollte man ablegen, man erinnere sich nur an die früheren Windschattenschlachten. Niemand hat damals über zu viele Überholmanöver geklagt…

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