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Vatanen fordert Sotschi-Absage

"Wir müssen reagieren!" – der ehemalige FIA-Präsidentschaftskandidat Ari Vatanen fordert eine Absage des Formel-1-Rennens in Sotschi.

Der ehemalige Rallyeweltmeister Ari Vatanen, 2009 bei der Wahl zum FIA-Präsidenten Jean Todt unterlegen, fordert eine Absage des Grand Prix von Russland: "Unterstützen wir das Regime, das dieses Blutvergießen steuert? Oder sagen wir, das ist nicht korrekt? Nach Russland zu gehen, würde eine Botschaft der Akzeptanz setzen", erklärt der 62jährige in der Donnerstagsausgabe des Telegraph.

"Es heißt oft, dass die Formel 1 Politik und Sport nicht vermischen soll, aber das russische Regime vermischt Politik und Sport bereits auf offensichtliche Art und Weise, also müssen wir reagieren. Es ist nun Aufgabe von Bernie [Ecclestone; Anm.] und den Rechteinhabern, das Rennen abzusagen", fordert der ehemalige EU-Parlamentarier und spricht von einer außergewöhnlichen Situation, wie es sie seit dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr gegeben habe.

Es liege nun an den Verantwortlichen, die richtigen Maßnahmen zu setzen: "Wir müssen uns fragen, wie sich die Geschichte eines Tages an uns erinnern wird, und was wir getan haben oder auch nicht." Doch Bernie Ecclestone denkt offenbar nicht an eine Absage: "Ich sehe keine Probleme für Sotschi", so der Formel-1-Boss in einem am Sonntag veröffentlichten Interview mit dem Schweizer Blick. "Wir haben einen Vertrag, und ich respektiere Verträge. Also fahren wir dort."

Es sei denn, der Grand Prix wird von politischer Seite unterbunden, denn laut unbestätigten Informationen der Financial Times zieht die Europäische Union in Betracht, jegliche internationale Großveranstaltungen in Russland zu boykottieren. Inwieweit daran auch die Formel 1 und ihre Protagonisten gebunden wären, ist derzeit noch unklar, doch die Russland-Skeptiker im Formel-1-Paddock nehmen langsam zu.

Letztendlich haben nur Ecclestone oder FIA-Präsident Jean Todt die Macht dazu, den Grand Prix von Russland abzusagen. Ein von den Teams initiierter Boykott des Rennens am 12. Oktober gilt als sehr unwahrscheinlich, doch Vatanens deutliche Kommentare sind wohl kein Zufall: Der Finne war 2009 zwar Todts Gegner um das höchste Amt im Automobilweltverband, doch inzwischen haben die beiden ihre Rivalität beigelegt.

"Natürlich weiß Jean über meine Aussagen Bescheid, wir haben darüber gesprochen. Wir sind Freunde", deutet Vatanen an, dass er ein inoffizielles Sprachrohr des FIA-Präsidenten sein könnte. "Ich denke, teilweise teilt er meine Meinung. Es stimmt, dass ihm die Hände gebunden sind. Ich kann viel freier sprechen als er. Ich sage nicht, dass er mit allem übereinstimmt, was ich sage, aber er selbst hat wesentlich weniger Spielraum für solche Manöver."

Todt selbst hat bisher keine Absage des Russlandlaufs gefordert, soll aber als Privatperson durchaus Bedenken haben. Zufall oder nicht: Der Abschuss des Linienflugs MH17 am 17. Juli über der Ostukraine, bei dem 298 Insassen ums Leben kamen, wird gemeinhin prorussischen Separatisten zugeschrieben. In Malaysia, der Heimat von Todts Lebensgefährtin Michelle Yeoh, ist dieser Zwischenfall naturgemäß besonders emotional behaftet.

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