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WEC: News

Pescarolo sieht WEC-Entwicklung kritisch

„Es geht gut, solange die Hersteller da sind“ behauptet Le-Mans-Legende Henri Pescarolo und sieht vor allem die Privatteams in der WEC benachteiligt.

Die Langstrecken-Weltmeisterschaft (WEC) hat unter anderem beim Rennen in Deutschland gezeigt, dass sie immer noch auf dem aufsteigenden Ast ist. Die zahlreichen Zuschauer am Nürburgring waren ein Beleg dafür, dass die Szene in der Öffentlichkeit gut ankommt und immer mehr Fans findet. Doch das Konstrukt ist fragil. Das meint Le-Mans-Legende Henri Pescarolo. Die große Show der LMP1-Hersteller dürfe nicht über die großen Probleme der Privatteams hinwegtäuschen.

"Die beiden größten Automobilkonzerne der Welt, Volkswagen und Toyota, haben sich für die WEC entschieden, um ihre Kompetenzen darzustellen", sagt der Franzose. Diese Tatsache zeige, dass vor allem das neue Reglement der LMP1 für die Automobilkonzerne hoch attraktiv sei. "Man kann behaupten, dass wir eine goldene Ära bei den Sportwagen erleben. Die Kämpfe zwischen Porsche und Audi sind fantastisch. Hoffentlich kann Toyota im kommenden Jahr auf dem gleichen Niveau mitmischen. Dann wird es noch besser."

"Im Moment geht alles um Hybrid. Leider hat dies eine Entwicklung der Budgets mit sich gebracht, die nun bei den Werksteams um ein Vielfaches höher sind als bei den Privaten. Jetzt ist die Situation langsam so ähnlich wie in der Formel 1. Solange die Hersteller da sind, ist alles in Ordnung", mahnt der Le-Mans-Rekordstarter. "Die derzeitigen Privatteams finden einfach keine Partner. Sie müssen mit dem Geld aus eigener Tasche im Wettbewerb bestehen. Bei mir ging damals alles über Sponsoren."

Privatteams brauchen bessere sportliche Aussichten

"Wenn man heutzutage in der LMP2 konkurrenzfähig sein will, muss man mindestens zwei bis drei Millionen Euro mitbringen - ohne davon dann allerdings einen wirklichen Benefit zu haben", erklärt Pescarolo die Problematik der kleinen Prototypenklasse. In der LMP2-Kategorie gibt es sportlich großartige Kämpfe, allerdings werden diese von der Öffentlichkeit kaum wahrgenommen. Den privaten LMP1-Mannschaften mit ihren noch höheren Kosten ergeht es kaum anders.

"Solange wir damals vorn um die Podestplätze im Gesamtklassement kämpfen konnten, war es uns möglich, immer Sponsoren und Partner zu finden. Jetzt ist das schlichtweg unmöglich", meint der viermalige Le-Mans-Sieger. Die aktuellen Privatteams sehen die Situation ähnlich. Rebellion und ByKolles sind viel zu weit weg von den LMP1-Autos der Werke. Nicht einmal bei Zwischenfällen von Audi, Porsche oder Toyota besteht die realistische Chance darauf, einen Podestplatz abzustauben.

Aus diesem Grund überdenken derzeit viele Teams ihre zukünftigen Engagements. Es gilt als sicher, dass Rebellion und ByKolles (mit zwei Autos?) 2016 weiterhin am Wettbewerb der WEC teilnehmen werden. Die LMP1-Pläne von Strakka liegen derzeit aber angesichts der aktuellen Situation auf Eis. Auch das LMP1-Projekt von Gibson wird unter den derzeitigen Voraussetzungen wohl nicht in die Realität umgesetzt. Die Privatteams fordern von ACO und FIA besser Chancen im sportlichen Bereich. Man erwartet konkrete Zugeständnisse, um wettbewerbsfähiger zu werden.

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