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Audi-Sportchef Gass musste gehen Nach vier erfolgreichen Jahren ist die Ära Gass in Audis Motorsportbereich zu Ende
Audi AG

Audi-Sportchef Gass trotz großer DTM-Erfolge abgelöst: Wie es dazu kam

Obwohl Audi die DTM unter Sportchef Dieter Gass dominierte, kam es zur Trennung: Welche Rolle Nachfolger Julius Seebach spielte und wieso nun die Formel 1 Thema ist

Alle sechs DTM-Titel der zweijährigen Turbo-Ära, zahlreiche Rekorde und BMW-Demütigungen, ein Titel in der Formel-E-Teamwertung: Die Bilanz von Dieter Gass, der von 2017 bis 2020 Audi-Sportchef war, kann sich sehen lassen. Daher stellt sich die Frage: Wieso kam es zwischen den Ingolstädtern und dem 57-jährigen Hessen zur Trennung? Und war diese freiwillig?

Im vergangenen halben Jahr entwickelten sich die Umstände bei Audi ungünstig für Gass: Während der Nachfolger von Wolfgang Ullrich jahrelang direkt an den Entwicklungsvorstand berichtete, wurde der Werkssport im Zuge einer internen Umstrukturierung ab 1. Juli 2020 in die Audi Sport GmbH eingegliedert.

Diese war bis dahin für die Entwicklung der Sportversionen von Serienfahrzeugen sowie für den Kundensport verantwortlich, sollte aber fortan auch das Dach für den Werkssport bieten. Ein Rückschlag für Gass, der dadurch keinen direkten Draht mehr zum Vorstand hatte, sondern plötzlich dem Geschäftsführer der Audi Sport GmbH, Julius Seebach, unterstellt war.

Spannungen zwischen Gass und Seebach

Eine Umstellung mit Folgen, denn die Zusammenarbeit zwischen dem 57-jährigen Gass und dem erst 36-jährigen Seebach funktionierte laut Informationen von 'Motorsport-Total.com' nicht reibungslos. Dazu kommt, dass es bei den Ingolstädtern ab dem Alter von 55 Jahren ein Vorruhestandsprogramm gibt, das Gass allerdings ablehnte.

Eineinhalb Monate vor seinem Aus wurde Gass von 'Motorsport-Total.com' gefragt, ob er die von BMW-Pendant Jens Marquardt dargelegten Gründe für dessen Abgang, er habe zu wenig Zeit für die Familie, nachvollziehen könne und ob er in seiner Funktion noch gerne weitermachen würde. "Ich tue mir schwer dabei, mir für mich etwas anderes vorzustellen", antwortete Gass.

"Aber ich bin auch jemand, der sagt: Sag niemals nie! Alles hängt von den Umständen ab. Und davon, was auf dem Spiel steht und was man möglicherweise machen könnte. Es könnte passieren - warum nicht? Aber derzeit sehe ich mich ganz klar im Rennsport, auch wenn das eine Entscheidung ist, die jeder für sich selbst treffen muss."

So tickt der neue Audi-Sportchef

Gass, dessen Vater Rallyefahrer war und der es selbst als Rennfahrer von anfänglichen Slalomrennen bis zum Gewinn des Renault-Clio-Pokals in Deutschland im Jahr 1991 brachte, fühlt sich laut eigenen Angaben an der Rennstrecke zuhause: "Ich weiß, wie zeitaufwändig der Rennsport ist und wie wenige Wochenenden man zuhause bei der Familie verbringt. Das ist die eine Seite. Aber wenn man ein Racer ist, dann will man am Wochenende bei den Rennen sein."

Das klingt nicht gerade so, als hätte Gass - dessen Zukunft unklar ist - seinen Posten freiwillig geräumt. Seine Rolle als Sportchef hat nun Seebach, der Geschäftsführer der Sport GmbH bleibt, am 1. Dezember als zusätzliche Aufgabe übernommen. Der studierte Wirtschaftsingenieur ist im Gegensatz zu Gass, der für den Motorsport brannte und zu seinen Mitarbeitern sehr loyal war, ein äußerst analytischer und rationaler Controller.

Duesmann und Hoffmann geben Richtung vor

Seebachs Aufgabe ist es, darauf zu schauen, dass die Zahlen in der Audi Sport GmbH passen - die großen Ideen kommen ohnehin von anderen. Und zwar von Audi-Chef Markus Duesmann, der seit April im Amt ist, und Seebachs früherem Partner als Geschäftsführer der Audi Sport GmbH, Oliver Hoffmann. Dadurch hat Gass' Rolle in ihrer bisherigen Form an Bedeutung verloren.

Denn die neue Struktur sieht vor, dass fortan Duesmann und Hoffmann im Motorsport die Richtung vorgeben, während sich Seebach um die Ausführung kümmert. Vor allem Duesmann gilt als Motorsport-affin, schließlich leitete er von 2005 bis 2010 zunächst bei Mercedes und später bei BMW das Formel-1-Entwicklungsprogramm im Motorenbereich.

Führt Duesmann Audi in die Formel 1?

Gut möglich, dass der 51-Jährige auch Audi in die Formel 1 führen möchte, schließlich wird das Thema derzeit im Volkswagen-Konzern heiß diskutiert. Auslöser dafür war Volkswagen-Chef Herbert Diess selbst, der die Formel E auf 'LinkedIn' scharf kritisierte und - sicher nicht ganz zufällig - Werbung für die Königsklasse des Motorsports machte. Neben Porsche darf sich auch Audi absolut realistische Hoffnungen darauf machen.

Duesmann, der den Audi-Slogan "Vorsprung durch Technik" wieder mehr in den Mittelpunkt rücken möchte, ist derzeit bei der Audi AG in einer Doppelfunktion tätig. Der Vorstandsvorsitzende fungiert zusätzlich als Vorstand für den Bereich Technische Entwicklung. Hoffmann leitet dort seit Anfang Juli das operative Geschäft. Es ist nicht auszuschließen, dass Duesmann den Vorstandsposten in Zukunft an Hoffmann abgibt.

Motorsport-Total.com

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