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Formel 1: Unrühmliches Nachspiel
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Die Nachwirkungen der Mercedes-Berufung

Vor kurzem wurde klar, dass die Entscheidung über den Weltmeister-Titel 2022 in der Königsklasse der Motorsports nun also doch nicht am grünen Tisch getroffen und von Anwälten beeinflusst wird. Mercedes zog sine Berufung zurück, Max Verstappen ist ganz offiziell und endgültig Weltmeister. Ende gut, alles gut? Nicht so wirklich.

mid & Johannes Posch

Lewis Hamilton gratulierte dem neuen Weltmeister Max Verstappen, gab ein paar Pflicht-Interviews, dann schwieg er, die obligatorische Pressekonferenz schwänzte er. Auch in den sozialen Medien hielt er sich zurück. Die Mercedes-Verantwortlichen waren lange ebenso wortkarg. Sie haben angekündigt, gegen das Rennergebnis vom Finale in Abu Dhabi Berufung einlegen zu wollen, diese heute nun aber doch wieder zurückgezogen. Eine gewisse Aura der Enttäuschung und Fassungslosigkeit bleibt über diesem WM Finale 2022 aber dennoch hängen. 

"Es ist eines WM-Finals unwürdig, dass die Entscheidung so hinausgezögert wird. Das spricht aber für die Gesinnung eines, ich würde sagen, unwürdigen Verlierers, solche Einsprüche und Proteste einzulegen", sagte Red Bulls Motorsportberater Helmut Marko. Man habe mit einem jungen Kerl und einem jungen, motivierten Team die Mercedes-Dominanz gebrochen, erklärte Marko: "Es ist widerlich, was sie nach dem Rennen gemacht haben, einen Protest einzulegen, bei dem klar war, dass er nicht funktionieren wird. Das ist für mich ein sehr schlechter Verlierer."

Mercedes hatte nach dem kontroversen Finale mit einer späten und etwas chaotischen Safety-Car-Phase zwei Proteste eingelegt, unter anderem gegen die Durchführung der Safety-Car-Phase, die Verstappen den Angriff auf Hamilton und damit den Titel erst ermöglichte. Bei den Rennkommissaren war Mercedes gescheitert, die Entscheidung stand erst am späten Sonntagabend fest. Und war nicht in Stein gemeißelt.

Denn nach der angekündigten Berufung hatte Mercedes 96 Stunden Zeit, tatsächlich Berufung einzulegen und damit Ernst zu machen. Heißt: Bis heute, Donnerstag. Ironischerweise just der Tag, an dem die Gala des Automobil-Weltverbandes FIA stattfindet, auf der die WM-Pokale überreicht werden. Statt friedlicher Feierlichkeiten hatte es bis vor Kurzem also noch tatsächlich so ausgesehen, als könnte die Saison 2021 ein unrühmliches Nachspiel vor Gericht erleben. Der Schaden ist dennoch angerichtet; und immens. Und damit ist nicht bloß gemeint, dass Lewis Hamilton und Toto Wolff bereits bestätigt haben, der Gala fernzubleiben.

Natürlich muss man nach den Vorkommnissen der Saison gleichzeitig auch die Frage stellen, ob Red Bull Racing nicht genauso gehandelt hätte. Das Verhältnis zwischen den beiden Rennställen bleibt nach den kontroversen letzten Runden und einem Jahr voller Vorwürfe und Streitigkeiten vergiftet, Verstappen hofft hingegen, dass sich die Beziehung zwischen Hamilton und ihm wieder normalisiert.

"Es war schon angespannt. Wir haben uns in jedem Rennen gegenseitig ans Limit getrieben, das ist gut, so sollte es ja auch sein. Vielleicht entspannt sie sich jetzt wieder ein wenig, weil die Entscheidung gefallen ist", sagte Verstappen, der Hamilton aber auch als tollen Sportsmann lobte, denn Hamilton zeigte in der Niederlage Größe, gratulierte Verstappen fair. Die angekündigte Berufung sei "typisch für diese Saison. Es ist, wie es ist.", so Verstappen.

Klar ist: Auch bei Red Bull Racing ist nicht alles eitel Sonnenschein, Marko drohte sogar unverhohlen mit einem möglichen Ausstieg, wenn in Zukunft in der Formel 1 gewisse Dinge nicht geändert werden, wenn aus dem Finale, aus der ganzen Saison keine Lehren gezogen werden.

"Wir werden unser Engagement in der Formel 1 überdenken, wenn das nicht entsprechende Auswirkungen für die zukünftigen Meisterschaften hat", sagte er und meint konkret die fehlende Konstanz bei Strafen und Entscheidungen. Denn auch wenn Verstappen nun von einer kontroversen Entscheidung profitiert hat, kritisiert Marko die unterschiedlichen Auslegungen, die Red Bull in den vergangenen Wochen auch Nachteile gebracht und der Königsklasse durch Chaos und Diskussionen zudem geschadet haben. "Das ganze System gehört überdacht. Die Regeln müssen vereinfacht werden und die Prämisse muss sein: Let's race!", so Marko.

Rennleiter Michael Masi bleibt weiterhin im Fokus der Kritik. "Nachdem so viele Fehler und hinterfragungswürdige Entscheidungen gefällt werden, ist sicher großer Handlungsbedarf. Jetzt kommt ja ein Präsident, also der möchte als erstes hier ansetzen", forderte Marko. Der Nachfolger von FIA-Präsident Jean Todt wird am 17. Dezember gewählt. Er ist nicht zu beneiden.

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