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Luca Waldherr im motorline-Talk
Fotos: Flatoutmedia

„Ein Meilenstein für Waldherr Motor Sport“

Waldherr Motor Sport feierte am Wochenende mit Timo Schulz den Titel in der JuniorERC - für Teambetreiber Luca Waldherr ist es der erste Euopameistertitel. Wir baten ihn zum Interview.

Noir Trawniczek

Vor dem Grande Finale der Rallye-Europameisterschaft in Portugal war bereits klar, dass ein Pilot des ADAC Opel Junior Rally Teams den Titel in der JuniorERC (auch in der ERC4) einfahren wird. Bekannt war bislang, dass die Einsätze des Opel Teams von Stohl Racing und Waldherr Motor Sport abgewickelt werden. Weniger bekannt war bislang, dass Stohl und Waldherr die Einsätze so aufgeteilt haben, dass Stohl Racing die Autos von Tom Heindrichs und Claire Schönborn, Waldherr Motor Sport den Opel Corsa Rally4 von Timo Schulz betreut haben.

Nachdem in Portugal auf SP3 ein Stein den Kühler am Corsa von Tom Heindrichs demolierte, war der Weg frei für den Deutschen Timo Schulz und seine Copilotin Maresa Lade. Deren Auto wurde von Waldherr Motor Sport betreut - für Luca Waldherr ist es also der erste Europameistertitel als Teambetreiber. Wir baten Luca zum Interview.

Luca, gratuliere zu deinem ersten Europameistertitel als Teambetreiber - Timo Schulz wurde mit dem ADAC Opel Junior Rally Team Junioren-Europameister, den Einsatz jedoch hat dein Team Waldherr Motor Sport (WMS) geleitet…

Genau. Es gab drei Fahrer, die mit dem ADAC Opel Junior Rally Team angetreten sind. Tom Heindrichs und Claire Schönborn wurden von Stohl Racing betreut und wir haben das Auto von Timo Schulz eingesetzt.

Gibt es da innerhalb dieser Teams, Stohl Racing und WMS, auch so etwas wie einen gesunden Konkurrenzkampf?

Natürlich. Wir stehen nebeneinander im Servicepark, wir machen auch vieles gemeinsam, wir haben das gleiche Catering - aber letztendlich sind es doch zwei getrennte Teams. Natürlich hilft man sich gegenseitig, etwa mit Ersatzteilen und so weiter. Lass es mich so formulieren: Es sind zwei getrennte Teams unter einem Dach.

Beim Finale war es ja schon klar, dass nur noch ein Fahrer des ADAC Opel Junior Rally Teams Europameister werden kann - das hat die Lage wahrscheinlich schon mal entspannt?

Klar. Wobei wir quasi im Spaß schon diesen Kampf zwischen den beiden Teams hatten, wer am Ende Europameister wird. Wobei ich sagen muss: Der Manfred (Stohl, Anmerkg.) und auch Opel Motorsportdirektor Jörg Schrott haben es uns vergönnt, dass wir Meister wurden.

Seit wann ist Waldherr Motor Sport in dem Projekt ADAC Opel Junior Rally Team involviert?

Da muss ich ein Bisschen ausholen. 2022 hat Manfred das Opel-Werksprojekt an Land gezogen, da bin ich persönlich auch zwei Rallyes gefahren. Auch der Fabian Zeiringer ist eine Rallye gefahren. 2024 ist Timo Schulz die erste volle ERC-Saison mit uns gefahren - auch unter dem Namen Opel, aber wir haben die Betreuung durchgeführt. Voriges Jahr konnte Timo nur eine Rallye fahren - da hat er darum gekämpft, dass er für heuer das Budget aufstellt. Dank der Unterstützung von Opel Deutschland und Jörg Schrott hat Timo heuer wie 2024 wieder das volle Programm fahren können. Unter dem Namen ADAC Opel Junior Rally Team - und wir haben den kompletten Einsatz abgewickelt.

Welche Rolle hat Manfred Stohl in diesem Projekt gespielt - er hat dich ja in gewisser Weise unterstützt auf deinem Weg als Teambetreiber?

Da Manfred als Leiter des Opel-Motorsportprojekts in der ERC fungiert hat, war das für mich natürlich super - er hat mir am Anfang den Timo zukommen lassen und er hat auch jetzt wieder den Ball zu mir gespielt, sodass Timo bei uns fahren konnte.

Wie schaut euer Teil des Projekts, also Waldherr Motor Sport, aus - wie viele Menschen dirigierst du bei so einem ERC-Einsatz?

Wir sind in der Regel zu viert bei einer Rallye - mein Team stellt drei Mechaniker plus mir selbst. Ich fungiere auch als Fahrerberater und bin quasi die Schnittstelle zu den Ingenieuren von Opel.

Und da hat dann jedes Team bzw. jeder Fahrer seinen eigenen Ingenieur bei Opel?

Genau. Du hast für jedes Team einen eigenen Car-Chief bzw. Einsatzleiter.

Wie viele Leute sind bei Waldherr Motor Sport angestellt?

Fix angestellt sind drei Leute - den Rest arbeite ich mit Freelancern, die quasi einen Werksvertrag mit mir haben.

Opel ermöglicht dieses Projekt - Opel ist sehr aktiv im Rallyesport…

Opel ist derzeit der einzige Hersteller, der eine Junior-Serie hat - früher mit dem elektrischen Opel Corsa Cup, jetzt mit dem Opel Mokka GSE Cup. Der Sieger des Mokka Cups gewinnt ja ein Jahr in der JuniorERC im Werksteam. Opel bemüht sich sehr um den Rallyesport - auch Opel Österreich unterstützt uns immer wieder, auch einzelne Fahrer. Da kann man Opel eigentlich nur in höchstem Maße loben für ihre Juniorenförderung. Allein im GSE Cup bzw. dem früheren Corsa Cup, in dem wir ja auch involviert sind, sind einige Talente hochgekommen und auch Europameister geworden.

Wie geht es nun weiter für dein Team? Timo Schulz wird ja seinen Titel nicht verteidigen…

Richtig, er kann als Junioren Europameister im kommenden Jahr in der Junioren-Weltmeisterschaft gratis fahren, in einem Ford Fiesta Rally3, der von M-Sport eingesetzt wird.

Das heißt, dass bei euch das Cockpit zu haben ist - wie stehen die Chancen, dass ein österreichischer Pilot mit euch in der JuniorERC fahren kann?

Prinzipiell stehen unsere Türen offen für einen österreichischen Piloten. Das ist natürlich immer auch eine Frage des Budgets. Wir standen mit Marcel Neulinger lange in Verhandlung - er hat sich dann aber für Baumschlager Rallye & Racing entschieden. Für 2027 sieht es so aus: Der Sieger des Opel Mokka GSE Cups wird in einem Auto von Stohl Racing fahren - bei mir sind prinzipiell zwei Cockpits frei, wobei wir bereits fleißig am Verhandeln sind mit einigen Piloten.

Diese zwei Cockpits laufen dann auch als ADAC Opel Junior Rally Team?

Das war ein spezieller Deal von Timo Schulz und Opel. Man kann es so sehen: Ich bin als Waldherr Motor Sport quasi ein Satellitenteam von Opel - wir haben vollen Zugriff zu den Daten, den Setups, wir haben das gleiche Material wie das Werksteam, wir können auf sämtliche Ressourcen zugreifen.

Es liegt dir also schon viel daran, in der Europameisterschaft diesen Titel zu verteidigen?

Ja. Für unser Team ist es schon ein Meilenstein. Über die Jahre haben wir mit unseren Technikern eine super Arbeit verrichtet. Wir konnten, was für ein österreichisches Team vielleicht ein Bisschen untypisch ist, sowohl auf Schotter als auch auf Asphalt dem Timo Schulz ein konkurrenzfähiges Auto hinstellen und da ist es für mich als Teamchef klar, dass wir als Waldherr Motor Sport diesen Titel verteidigen möchten.

Wenn jetzt ein Fahrer Interesse haben würde, müsste er ja ein Budget mitbringen. Von welcher Summe sprechen wir da? Oder kann man das nicht sagen?

Das kann man schon sagen. Je nach Ausmaß, je nach Testkilometern, die man fährt kostet so eine ERC-Saison im Rally4 mit sechs Rallyes zwischen 130.000 und 190.000 Euro. Das Problem ist dabei, dass die Burschen unter 25 Jahre alt sein müssen, wenn sie in der JuniorERC antreten wollen. Und es ist nicht leicht, in so einem jungen Alter ein solches Budget zu organisieren.

Ich gehe davon aus, dass nicht nur Österreicher bei euch anklopfen werden sondern auch internationale Piloten?

Bis jetzt hat kein Österreicher bei uns angeklopft - derzeit verhandeln wir nur mit internationalen Fahrern.

Es gibt auch noch den Fahrer Luca Waldherr, der immer noch sehr schnell ist, wie wir gesehen haben - wie geht es bei dir als Pilot weiter?

Als Fahrer habe ich heuer völlig zurückgesteckt. Als ich mit Timo die heurige Saison geplant habe, habe ich gesagt, dass ich mich heuer zurücknehme um mich zu hundert Prozent auf das ERC-Projekt zu konzentrieren. Ich war bei jeder Rallye dabei, habe Timo geholfen, wir haben viel getestet. Und das hat sich ausgezahlt, hier mit vollem Elan dabei zu sein, sodass wir eben Europameister geworden sind. Als ich dann in der Saisonmitte spontan entschieden habe, die Judenburg Rallye zu fahren - da hat es dann schon zu jucken begonnen. Doch das war heuer einfach nicht möglich - ich saß aber dennoch viel im Auto, bei den Tests habe ich das Auto selbst abgestimmt. Aber eines weiß ich schon: Dass ich im nächsten Jahr wieder eine Meisterschaft fahren möchte. Welche - das lasse ich noch offen. Es wird tendenziell die heimische Meisterschaft sein.

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