ARC, Herbstrallye: Bericht | 25.10.2026
Die Herbstrallye 2026 schreibt Geschichte!
Mit dem spannenden Showdown auf der letzten Prüfung, dem ersten Sieg von Raimund Baumschlager seit 2017 schreibt die Herbstrallye 2026 Geschichte. Doch auch der zunächst verloren scheinende ARC-Sieg von Rene Kiehtreiber, seine Aufholjagd boten Rallyesport vom Feinsten. Und: Gerolf Schuller jubelt als neuer ARC-Clubmeister.
Die Herbstrallye 2026 wird den zahlreichen Rallyefans wohl noch lange in Erinnerung bleiben. Zum einen wegen des Rekord-Starterfelds in Zeiten wie diesen - zum anderen wegen der Dramatik, die bis zur letzten Sonderprüfung anhielt, und das nicht nur im Kampf um den Sieg. Der große Showdown war das eine, doch da gab es auch den großartigen Kampf von Rene Kiehtreiber um den schon verloren geglaubten ARC-Tagessieg und einiges mehr. Der neue Zieleinlauf vor dem Stadtsaal und die Siegerehrung in dem an große Theater erinnernden Bauwerk stellte eine willkommene Neuerung dar. Theater, Dramatik - passend zu dem, was da auf der letzten Sonderprüfung passierte…
Der große Showdown um Sieger Baumschlager
Mit seinen 66 Jahren wolle er das Tempo der Top3 der Rallye-Staatsmeisterschaft nicht mehr mitgehen, hat Raimund Baumschlager zuletzt des Öfteren erklärt. Schon bei der Grasl Rallye Horn hat der 14-fache Staatsmeister jedoch eindrucksvoll gezeigt, dass das zwar für einen Simon Wagner, einen Hermann Neubauer und einen Michael Lengauer gilt, allesamt im besten Alter und mit Titel- und Sieger-Ehren ausgestattet, nicht jedoch für alle anderen. Schon in Horn konnte Baumschlager den jungen Daniel Mayer in die Schranken weisen…
Bei der Herbstrallye war es erneut Daniel Mayer, der die Rallye mit einer Bestzeit eröffnete. Und wieder hat Baumschlager reagiert - mit einer Bestzeit und vor allem einem Vorsprung, der ihm trotz einer weiteren Mayer-Bestmarke die Führung in der Mittagspause sicherte. Am Nachmittag kamen die Angriffe des Tschechen Jan Cerny, der nach einem Jahr Rally2-Pause erst wieder in Fahrt kommen musste, am Nachmittag jedoch drei Bestzeiten in Folge in den Asphalt brannte, sodass der Vorsprung von Raimund Baumschlager auf lediglich 2,5 Sekunden schmolz. Die zahlreichen Fans bei der Herbstrallye starrten auf die Zeitentabellen ihrer Handtelefone und stellten nur die eine Frage: Wird sich der „Mundl“, wie ihn viele immer noch liebevoll nennen, so nah vor einem geschichtsträchtigen Sieg, dem ersten seit 2017, noch die „Butter vom Brot stehlen lassen“?
Die Antwort kam prompt: Baumschlager und sein Copilot Thomas Zeltner ließen ihren Skoda Fabia RS Rally2 über die letzte Prüfung fliegen und sicherten sich mit einer Bestzeit den sensationellen Sieg bei einer der wohl spannendsten Herbstrallyes der Geschichte.
In seiner jüngsten Kolumne auf motorline.cc berichtet der langjährige ORF-Reporter Peter Klein, dass ihm Baumschlager nach dem Sieg geschrieben hat: „Ich habe einfach wieder mal hingehalten, bin abgerückt vom unbedingten auf der Straße bleiben.“ So haben also Daniel Mayer und Jan Cerny quasi den früheren Baumschlager, den Seriensieger aus seiner „Teil-Pension“ geholt, seine alten Instinkte geweckt - womit alle miteinander für einen Showdown gesorgt haben, wie ihn sich Rallyefans stets wünschen.
Ein überglücklicher Raimund Baumschlager erklärte im Ziel: „Es war ein voll harter Fight mit Jan (Cerny), vor allem auf der vorletzten Prüfung hat er noch einmal richtig ausgeteilt - aber ja, Gott sei Dank ist es jetzt so ausgegangen. Ich habe mir nicht gedacht, dass ich in dem Alter noch einmal eine Rallye gewinnen darf.“
Jan Cerny wurde letztlich mit exakt vier Sekunden Rückstand Zweiter, auf der letzten Prüfung habe er einen Abzweig verpasst, sich gedreht, erklärte der Tscheche zerknirscht. Doch Baumschlager habe die Rallye verdient gewonnen, fügte Cerny hinzu. Schließlich gilt es, auf einer Schlussprüfung die Nerven zu bewahren. Baumschlager dazu: „Naja Nerven - weil ich halt auch immer sage: ‚Wenn ich nicht gewinne, gewinne ich halt nicht - dann hat einer etwas besser gemacht als wir!‘ Aber natürlich: Die Freude ist groß, das ist klar.“
Christoph Zellhofer stürmt auf das Podium
Während Daniel Mayer und sein Copilot Jürgen Klinger im Citroen C3 Rally2 zunächst mit einer Bestzeit Sieg-Ansprüche stellen und auf SP3 noch eine Bestzeit markieren konnten, verlief der Nachmittag für dieses Duo wenig erfreulich. In der Mittagspause schien es, dass Mayer auf Platz drei liegend, ganz knapp hinter Cerny, mindestens Zweiter wenn nicht gar Sieger werden könnte. Doch der Rundkurs (SP5 & 7) sei nicht seiner gewesen, gab er offen zu. „Auf der vorletzten Prüfung habe ich den Podestplatz weggeschmissen“,. ärgerte sich der Sohn von Walter Mayer. Denn dort konnte der immer besser in Fahrt kommende Christoph Zellhofer, dem in der Mittagspause noch 13,7 Sekunden auf Mayer fehlten, auf Platz drei vorstürmen. Zellhofer junior, der im Proto von ZM Racing heuer ORM2-Staatsmeister wurde, erklärte im Rallye Radio, dass er nun beginnen würde, auch mit dem ihm vergleichsweise noch weniger vertrauten Rally2-Auto zusammenzuwachsen: „Es ist doch ganz anders zu fahren wie ich es mit dem Proto seit Jahren gewöhnt bin.“
Auch Max Zellhofer, Teamchef und Vater von Christoph, zeigte sich zufrieden - er belegte mit dem Toyota GR Yaris Rally2 seines Teams und mit dem erfahrenen Beifahrer Gerald Winter hinter Jan Talas den guten sechsten Platz. Hinter dem Tschechen David Tomek belegten Philipp Kreisel und Jürgen Rausch in einem weiteren Toyota GR Yaris Rally2 Platz acht, gefolgt von dem Tschechen Karel Trneny und dem Deutschen Niki Schelle, der bei seinem erst zweiten Einsatz in einem Rally2 mit Melanie Kalinke Platz zehn erringen konnte.
ARC-Sieg: Großartiger Schlussangriff von Rene Kiehtreiber
Nicht nur an der Spitze gab es bei dieser Herbstrallye Dramatik pur - der Kampf um den ARC-Tagessieg war nicht minder dramatisch und wurde erst auf der letzten Prüfung entschieden.
Rene Kiehtreiber war bekanntlich fest entschlossen, nach seinen Siegen bei der OBM- und der Grasl-Rallye erneut den ARC-Sieg einzufahren und damit den Hattrick zu schaffen. In der Mittagspause lagen Kiehtreiber und sein Copilot Christian Eisenmagen auch schon über eine Minute vor Patrik und Verena Gaubinger - doch dann gab es auf SP5 ein Turboladerproblem am Mitsubishi Lancer Evo V. „Ein 10 Cent-Schaden“ erklärte Kiehtreiber frustriert im Rallye Radio. Aus über einer Minute Vorsprung wurde auf den Prüfungen 5 und 6 mit verringerter Leistung rund eine halbe Minute Rückstand. Doch dann legte Rene Kiehtreiber noch einmal sein ganzes Können in die Waagschale: „Wir haben auf SP7 alles gegeben, was nur geht. Vor der letzten Prüfung lagen wir 14 Sekunden zurück - ich hab gesagt: ‚Die müssen wir holen!‘. Wir sind dann wirklich komplett am Limit gefahren - wir waren in sechs oder sieben Kurven kurz vor dem Abflug und dann haben wir es tatsächlich noch geschafft.“ Kiehtreiber/Eisenmagen holten sich den ARC-Tagessieg mit 2,9 Sekunden Vorsprung auf Gerolf Schuller und Kathrin Redlingshofer-Milev auf einem Mitsubishi Lancer Evo VI.
Der neue ARC-Clubmeister Gerolf Schuller
Für Gerolf Schuller ging es in dieser Rallye darum, unbedingt ins Ziel zu kommen - denn der später Quereinsteiger („Eigentlich fuhr ich erst 2024 meine wirklich erste Rallye“), der mit 50 mit dem Rallyesport begonnen hatte, kam als Tabellenführender nach Dobersberg. Lediglich Hans Georg Lindner hatte ebenfalls noch Chancen auf die ARC-Clubmeisterschaft, hätte aber mit seinem schwächeren Ford Escort RS1600 vor Schuller die Rallye beenden müssen. Für Schuller war es jedoch wichtig, ins Ziel zu kommen.
Im Rallye Radio konnte man die große Anspannung von Regrouping zu Regrouping spüren: „Natürlich hört man viel mehr in das Auto hinein, welche Geräusche es von sich gibt. Natürlich willst du dir da auch ja keinen Fehler erlauben.“ So war die Erleichterung am Ende groß, als Gerolf Schuller mit dem zweiten Platz der ARC die Clubmeisterschaft gewinnen konnte. Während ihm Freunde und Verwandte gratulierten, sagte Schuller: „Wir können es noch gar nicht realisieren. Jetzt ist eine große Last von meinen Schultern gefallen - es war schon eine Belastung, ständig auf die Zieldurchfahrt zu achten. Natürlich sind wir jetzt überglücklich.“
Traussnig gewinnt bei Rally3-Premiere die RC3
In der Klasse RC3 gewann Thomas Traussnig bei seinem ersten Einsatz in einem Rally3-Boliden - gemeinsam mit Bianca Marina Stampfl konnte er im Renault Clio Rally3 die Rallye 28,4 Sekunden vor Markenkollege Manuel Wurm beenden, im Gesamtklassement belegte Traussnig Platz 15.
In der ARCP für Proto- und Produktionsfahrzeuge konnten Traussnig/Stampfl den Sieg einfahren, knapp vor Markus Steinbock und Harald Bachmayer im Hyundai New Gen i20.
In der Klasse 8, in der die Protos zuhause sind, gewannen Markus Stockinger und Klaus Schwingshandel im von Race Rent Austria eingesetzten Mazda 2 Proto.
Riccardo Holzer schnellster RC4
In der zweiradgetriebenen RC4 waren Riccardo Holzer und Tobias Unterweger das Maß der Dinge - als Gesamt-17. konnten sie mit 22,9 Sekunden Vorsprung den Klassensieg vor Lukas Dirnberger und Lukas Martinelli einfahren.
Auch in der Austrian Rallye Trophy 2 (ART2) für moderne Fahrzeuge mit Zweiradantrieb konnte Holzer damit den Sieg einfahren - Lukas Dirnberger reichte der zweite Platz, um den Jahressieg in der ART2 dingfest zu machen.
Kiehtreiber gewinnt ARCH 4WD
Bei den Historischen konnte Rene Kiehtreiber den Tagessieg der ARCH 4WD einfahren und sich damit in Abwesenheit des bisherigen Tabellenführers Alexander Strobl auch den Jahressieg sichern. In der ARCH 2WD siegten Michael Franz und Manfred Schneider auf einem VW Golf III Kitcar - Hans Georg Lindner und Gina Schütter belegten in ihrem Ford Escort RS1600 Platz vier - in der Jahres-Auszugswertung ARCH 2WD stand Lindner schon vor dem Finale als Sieger fest.
Abschied von Helmut Schindelegger
Für Emotionen sorgten schon am Freitagabend Lukas und Helmut Schindelegger - Helmut, der Vater von Lukas, früher selbst erfolgreicher Rallyepilot, erklärte, dass die Herbstrallye sein vorletzter Einsatz als Copilot sein werde. Doch eine Zielankunft war dem Sohn/Vater-Duo nicht vergönnt: Nach einem Schaden am Auspuff mussten sie wegen Brandgefahr abstellen. Jetzt steht für die beiden noch das Finale der neuen Schotter-Europameisterschaft auf dem Programm.
Offizielles Endergebnis Herbstrallye 2026
Die Klassensieger
6.1: Roman Burgert/Krystina Smrckova (CZ/CZ, Skoda 120 S)
6.2: Johann Georg Lindner/Gina Schütter (A/A, Ford Escort RS1600)
6.3: Patrik Gaubinger/Verena Gaubinger (A/A, Audi Quattro Gr.4)
6.5: Christian Maier/Erna Pichler (A/A, VW Golf II GTi 16V)
6.6: Günther Königseder/Stefanie Stütz (A/A, Lancia Delta Integrale 16V)
7.1: Gerald Bachler/Peter Medinger (A/A, Mitsubishi Lancer Evo VI)
7.2: Vit Nemec/Jakob Kunst (CZ/CZ, BMW E36 M3)
7.3: Mario Friesenecker/Manuel Otter (A/A, Ford Fiesta ST M1)
8: Markus Stockinger/Klaus Schwingshandel (A/A, Mazda 2 Proto)
10.1: Vladimir Tomek/Jan Beranek (CZ/CZ, Skoda 135)
10.2: Robert Zitta/Petra Steinmetz (A/A, Subaru Impreza GC8)
10.3: Michael Franz/Markus Schneider (A/A, VW Golf III Kitcar)
RC2: Raimund Baumschlager/Thomas Zeltner (A/A, Skoda Fabia RS Rally2)
RC3: Thomas Traussnig/Bianca Marina Stampfl (A/A, Renault Clio Rally3)
RC4: Riccardo Holzer/Tobias Unterweger (A/A, Opel Corsa Rally4)
RC5: Lukas Obrucnik/Richard Lasevic (CZ/CZ, Opel Adam Cup)

















