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So will man Frauen im Formelsport helfen FIA-Präsident Ben Sulayem (r.) will sich für Frauen im Motorsport stark machen
Motorsport Images

FIA-Präsident Ben Sulayem: So will man Frauen im Formelsport helfen

Die Formel 1 will Rennfahrerinnen mit einer eigenen Serie fördern: Die FIA plant indes, technische Rahmenbedingungen für Chancengleichheit zu schaffen

Am Rande des Abu-Dhabi-GP am vergangenen Wochenende sorgte die Formel 1 mit einer Ankündigung für Aufsehen: Ab dem kommenden Jahr hat die Königsklasse mit der F1-Academy eine eigene Formel-Rennserie für Frauen im Rahmenprogramm.

Diese setzt auf Formel-4-Fahrzeuge und soll in keiner Konkurrenz zur W-Serie stehen. Doch die Kritik ist identisch: In der F1-Academy sind Rennfahrerinnen erneut unter sich, der Wettbewerb mit den männlichen Kollegen fehlt. Dabei misslingt schon der dreifachen W-Serie-Meisterin Jamie Chadwick der Aufstieg in die Formel 3 oder Formel 2.

Aus dem geschlossenen Kreis der W-Serie auszubrechen, das war bisher kaum möglich. Wie soll das mit der F1-Academy gelingen? Einige Maßnahmen hat die Königsklasse getroffen: Das Management übernimmt Formula Motorsport Limited, die Formel 2 und Formel 3 betreut. Teams aus diesen beiden Serien setzen die Fahrzeuge ein. Und ein Cockpit in der F1-Academy wird mit 150.000 Euro subventioniert.

Nicht zuletzt hat FIA-Präsident Mohammed Ben Sulayem seine Unterstützung zugesichert. "Das Talent kann an jedem Ort der Welt vorhanden sein. Aber hat er die Möglichkeit oder hat sie die Möglichkeit? Nein", sagte Ben Sulayem auf dem Business-of-F1-Forum, einer vom Motorsport Network und der Financial Times organisierten Veranstaltung.

FIA-Präsident fokussiert sich auf technische Belange

Bei der FIA hat man es dabei vor allem auf die technischen Voraussetzungen im Formelsport abgesehen, um Frauen auf der Rennstrecke die gleichen Chancen wie Männern zu ermöglichen. Ben Sulayem: "Wenn man ein F4-Auto hat, mag es für Frauen einfach sein, aber sobald man in die Formel 2 und F3 geht, ist es physisch schwieriger für sie. Was sollen wir also tun?"

"Das Problem liegt bei uns, also haben wir auch die Lösung dafür. Wenn ich mit unserer technischen Abteilung spreche, muss jeder einzelne Rennwagen für beide Seiten geeignet sein. Das ist keine Raketenwissenschaft. Es liegt an den Konstrukteuren der Chassis, und wir werden sie dazu zwingen, denn sonst haben wir keine Hoffnung."

Nachsatz von Ben Sulayem: "Wir brauchen die Vielfalt, und wir werden ihnen die Gelegenheit dazu geben." In technischer Hinsicht, auch wenn es der FIA-Präsident nicht erwähnt, steht die Einführung einer Servolenkung und Formel 2 und Formel 3 im Raum. Bislang verzichten die beiden Nachwuchsserien darauf - ein Nachteil für Rennfahrerinnen.

Wie sehr hilft Rennfahrerinnen eine Servolenkung?

Wie wichtig der Einbau einer Servolenkung zur Herstellung von Chancengleichheit ist, unterstreicht David Coulthard. Der Schotte, 13-facher Grand-Prix-Sieger und Formel-1-Vizeweltmeister 2001, engagiert sich in der More-than-Equal-Kampagne. Coulthard weiß aus eigener Erfahrung, wie wichtig eine Servolenkung im Boliden ist.

"Ein Grand-Prix-Auto erzeugt enorme G-Kräfte, die Nacken und innere Organe und so weiter belastet. Aber der eigentliche Prozess, das Lenkrad bei 320 km/h und 4G zu drehen, ist nicht schwierig, weil man eine Servolenkung hat", sagt er.

Coulthard erinnert sich an seine Anfänge in der Königsklasse: "Als ich Testfahrer bei Williams war, konnte ich das Lenkrad nicht so wie Nigel Mansell drehen. Ich war einfach nicht stark genug. Mein Limit war also, wie sehr ich das Auto steuern konnte."

Tatiana Calderon: Werden Frauen benachteiligt?

Die Rufe nach mehr Vielfalt und mehr Chancengleichheit im Motorsport, sie werden größer. Erst in der vergangenen Woche hat 'Motorsport-Total.com' dazu eine bemerkenswerte Geschichte mit Tatiana Calderon veröffentlicht. Die Kolumbianerin startete in diesem Jahr in der Formel 2 und in der IndyCar-Serie - den höchsten Klassen hinter der Formel 1.

Calderon berichtet davon, dass Frauen noch mehr als Männer um ihre Chance im Motorsport kämpfen müssen. Ihre Saison konnte sie erst dank der Unterstützung von Karol G, einem kolumbianischen Popstar, fortsetzen. Auch Ellen Lohr, die bislang einzige Rennsiegerin in der DTM, stellte eine besondere Stütze für Calderon dar.

"Sie weiß, was es braucht, sie weiß, wie hart dieses Umfeld manchmal ist. Jemanden wie sie zu haben, dem ich vertrauen kann, ist für mich ungeheuer wertvoll. Sie ist ein Vorbild", schwärmt Calderon über Lohr. Ob eines Tages eine Rennfahrerin über die FIA und Präsident Mohammed Ben Sulayem ähnlich sprechen wird?

Motorsport-Total.com

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