DTM-Rennen Norisring 1 | 04.07.2026
Thiim feiert ersten Aston-Sieg nach Horrorunfall
Nicki Thiim holt auf dem Norisring den ersten DTM-Sieg für Aston Martin, vor Maro Engel und Arjun Maini - Schwerer Unfall sorgt für lange Unterbrechung des Rennens
Nicki Thiim schreibt DTM-Geschichte: Der Däne gewinnt das erste Rennen auf dem Norisring und schenkt Aston Martin damit den ersten DTM-Erfolg der Historie. Der Comtoyou-Pilot hatte sich zuvor die Poleposition gesichert und ließ beim seinem Sieg, der von einem Horrorunfall überschattet wurde, nichts anbrennen.
"Wunderschön, also ich bin immer noch ein bisschen sprachlos", sagt Thiim, der seinen zweiten Sieg am Norisring feiert. "Hier braucht man ein bisschen dicke Eier. Das macht aber riesen Spaß und wir schätzen es sehr, dass wir immer hier hinkommen können. Jetzt wird ein bisschen gefeiert, aber morgen ist nochmal ein Rennen für wichtige Punkte."
Auf dem zweiten Platz landet Winward-Mercedes-Pilot Maro Engel, der in der Schlussphase zwar noch einmal an Thiim heranfahren, aber keinen ernsthaften Angriff auf den Dänen setzen konnte. "Ich habe alles gegeben, aber einfach keine Chance", gibt der AMG-Pilot. "Nicki hatte alles total unter Kontrolle, das war sehr beeindruckend, muss man sagen."
"Der zweite Platz war heute das Maximum und wird sind damit zufrieden", meint Engel, der seine Führung in der Gesamtwertung weiter ausbauen konnte. Arjun Maini (HRT-Ford) komplettiert als Dritter das Podium. Der Inder musste sich in den letzten Runden noch gegen Lucas Auer wehren, allerdings fand der Landgraf-Mercedes-Pilot keinen Weg vorbei.
Thierry Vermeulen (Emil-Frey-Ferrari) wird Fünfter, gefolgt von HRT-Ford-Pilot Finn Wiebelhaus und Jules Gounon im Winward-Mercedes. Mirko Bortolotti (Grasser-Lamborghini) landet auf dem achten Platz, während Thomas Preining (Manthey-Porsche) und Ben Dörr (Dörr-McLaren) die Top 10 komplettieren. Emil-Frey-Ferrari-Pilot Matteo Cairoli, der in diesem Jahr zwei Siege holen konnte, erreicht das Ziel auf dem elften Platz.
Schwerer Unfall sorgt für lange Unterbrechung
Das Rennen wurde kurz nach Halbzeit von einem schweren Unfall zwischen Kelvin van der Linde (Schubert-BMW) und Maximilian Paul (Grasser-Lamborghini) überschattet, der zunächst für einen großen Schreck und anschließend für eine lange Unterbrechung sorgte.
Offenbar verlor Paul beim Anbremsen auf die Grundigkehre die Kontrolle über seinen Grasser-Lamborghini und krachte zunächst auf der rechten Seite in die Leitplanken. Anschließend rutschte er unkontrolliert über die Strecke, ehe er mit hohem Tempo in den BMW des Südafrikaners einschlug - und zwar ausgerechnet auf Höhe der Fahrertür.
Nachdem der Gesundheitszustand beider Piloten zunächst unklar war, gab es später eine vorsichtige Entwarnung: Sowohl van der Linde als auch Paul waren ansprechbar, wurden allerdings zur weiteren Untersuchung ins Krankenhaus gebracht.
Lokalmatador Marco Wittmann mit frühem Ausfall
Der Start des Rennens verlief zunächst noch ohne größere Zwischenfälle: Engel versuchte in der ersten Kurve außen an Polesetter Thiim vorbeizugehen, der sich jedoch behauptete und die Führung verteidigte. Dahinter reihten sich Maini, Gounon und Auer ein.
Im Hinterfeld kam es zu kleineren Scharmützeln, bei denen sich Marco Wittmann einen Reifenschaden an seinem Schubert-BMW zuzog und zum frühen Boxenstopp abbiegen musste. Der Lokalmatador kehrte anschließend mitten im Feld auf die Strecke zurück und entschied sich wenig später dazu, das Auto endgültig abzustellen.
"Dadurch, dass wir hinten links einen anderen Reifen drauf gemacht haben, hast du natürlich einen Offset im Auto, musst den Reifen erst auf Temperatur bringen", erklärt Wittmann bei ProSieben. "Du hast eine blaue Flagge, bist quasi eine Runde zurück, die du nicht mehr zurückkriegst hier. Und somit ist das Rennen gelaufen."
"Ich meine, wir haben einfach auch seit dem ersten Freien Training nicht die Leistung, um uns da irgendwie wieder zurückzukämpfen", räumt der BMW-Pilot enttäuscht ein. Während Thiim seine Führung anschließend leicht ausbauen konnte, bekam der zweitplatzierte Engel in der Anfangsphase sogar Druck von Ford-Pilot Maini.
AMG-Youngster Kalender sorgt für Safety-Car-Phase
Nach rund 20 Minuten sorgte Tom Kalender (Landgraf-Mercedes) für die erste Safety-Car-Phase des Rennens. Der Youngster krachte in die "Wall of Champions" und beschädigte sich dabei die hintere Radaufhängung. Kalender fuhr zunächst noch weiter, stellte seinen Landgraf-AMG wenig später allerdings mitten auf der Strecke ab.
Aufgrund der Gelbphase verzögerte sich die Öffnung des Boxenstoppfensters. Beim folgenden Restart gab es zwar keine Positionsveränderungen, allerdings war Engel wenig später der erste Pilot aus der Spitzengruppe, der zum vorgeschriebenen Reifenwechsel kam.
Der Winward-Mercedes-Pilot kam direkt vor Spitzenreiter Thiim zurück auf die Strecke und versuchte, den Führenden etwas aufzuhalten. Mit kalten Reifen war das allerdings kaum möglich, sodass der Däne schnell vorbeikam und sich anschließend entscheidend absetzen konnte.
Dann kam auch der Drittplatzierte Maini zum Stopp, wobei der Reifenwechsel nicht perfekt verlief und der HRT-Pilot dadurch wertvolle Sekunden verlor. Nach dem Boxenstopp zog Auer deshalb zunächst am Inder vorbei, der sich die Position mit einem harten Manöver in der Dutzendteichkehre allerdings zurückholte.
Nicki Thiim bringt ungefährdeten Sieg ins Ziel
Polesetter Thiim kam als einer der letzten Piloten zum Reifenwechsel, wobei der Boxenstopp bei der Comtoyou-Mannschaft perfekt lief. Der Däne, der schon am Lausitzring beinahe gewonnen hätte, kam deshalb wieder vor Engel auf die Strecke zurück und schaffte es trotz kalter Reifen, seine Position zu behaupten.
Der AMG-Pilot war zu diesem Zeitpunkt allerdings der schnellste Fahrer im Feld und arbeitete sich langsam an Thiim heran, ehe die Aufholjagd durch den Unfall und die anschließende Unterbrechung zunächst für rund 50 Minuten gestoppt wurde.
Nach zwei Runden hinter dem Safety-Car wurde das Rennen für die letzten 15 Minuten plus drei Runden wieder freigegeben: Thiim verteidigte seine Führung vor Engel und Maini, während Thomas Preining zunächst auf dem vierten Platz lag.
Der Manthey-Porsche-Pilot musste sich in den Schlussrunden gegen die Attacken der Konkurrenz wehren, die ihn reihenweise überholte: Zunächst ging Auer vorbei, dann zogen auch Vermeulen, Wiebelhaus, Gounon und Bortolotti vorbei. Preining wurde am Ende Neunter und fand nach dem Rennen deutliche Worte über die Einstufung von Porsche.
Für Ex-Formel-1-Pilot Timo Glock setzt sich das Drama der vergangenen Wochen auch am Norisring fort: Während der Unterbrechung wurde ein Defekt an seinem Dörr-McLaren festgestellt, der mit einem Ölverlust am Getriebe einherging. Wahrscheinlich ist sogar, dass dieser Ölverlust zum Abflug von Paul und dem schweren Unfall führte.
Thiim feiert den zweiten DTM-Sieg seiner Karriere, und zwar erneut auf dem Norisring. Bereits vor zwei Jahren gelang dem Dänen auf dem Stadtkurs sein Premierensieg, damals noch im Lamborghini Huracan GT3 Evo2 von SSR Performance. Mit seinem Erfolg schreibt Thiim nun ein weiteres Kapitel DTM-Geschichte.
Er ist erst der 15. Fahrer in der mehr als 40-jährigen Historie der Serie, der Rennen mit verschiedenen Marken gewinnen konnte. Die kuriose Pointe: Einer dieser 15 Piloten ist ausgerechnet sein eigener Vater. Kurt Thiim feierte DTM-Siege sowohl für Rover, BMW als auch Mercedes. Ein Kunststück, das Thiim nun zumindest im Ansatz wiederholte.

















