24h Daytona 2026: Bericht | 26.01.2026
24h Daytona 2026: Hattrick für Porsche #7, Riesen-Caution und GTD-Thriller
Dritter Sieg in Folge für den Penske-Porsche #7 in Daytona - Strategiefehler und starker Cadillac verhindern Doppelsieg - BMW holt überraschenden GT-Sieg
Felipe Nasr, Julien Andlauer und Laurin Heinrich sind die Sieger der 24 Stunden von Daytona 2026. Porsche wurde seiner Favoritenrolle beim 64. Rolex 24 gerecht, am Ende wurde es aber knapper als gedacht. Nur 1,569 Sekunden trennten den Action-Express-Cadillac #31 (Aitken/Bamber/Vesti/Zilisch) auf dem Zielstrich vom siegreichen Porsche #7.
Es ist der dritte Sieg in Folge für die #7 und damit auch von Porsche Penske Motorsport. Nasr war an allen drei Siegen beteiligt. Andlauer und Heinrich holten sich ihre erste Rolex ab, die es für den Sieger als Preis gibt.
Die Porsche 963 schienen zu Beginn dominant zu sein. Schon im ersten nennenswerten Stint fuhren die beiden Penske-Boliden einen Vorsprung von 20 Sekunden auf die Gegner heraus. Renger van der Zande warf bereits am Samstagabend Ortszeit die Flinte ins Korn.
Allerdings war der Action-Express-Cadillac durch seine Startplatzstrafe und eine Durchfahrtsstrafe für einen Frühstart zu dem Zeitpunkt noch nicht auf dem Radar, weshalb die Diagnose womöglich etwas zu früh fiel.
Natürlich wurden die Porsche durch die Cautions immer wieder eingefangen und gaben die Führung auch hin und wieder ab. Doch immer wieder fuhren sie sich nach vorn. Zum letzten Mal dreieinhalb Stunden vor Schluss, als sie den bis dahin führenden BMW #24, der vorher durch eine Caution die Führung erobert hatte, elegant beim Boxenstopp hinter sich ließen.
Der Cadillac war zu diesem Zeitpunkt noch immer nicht auf dem Radar, weil er sich durch eine saftige Strafe in der Nacht einen Rundenrückstand eingefangen hatte. Conor Zilisch war bei Rot aus der Boxengasse gefahren. Mehrere Gelbphasen brachten die #31 aber wieder in Schlagdistanz und letztlich an die führenden Porsche heran.
Strategiefehler und Beschädigung bei zweitem Porsche
In der letzten Caution machte Penske einen strategischen Fehler beim Porsche #6 (L. Vanthoor/Estre/Campbell; 4.). Die Gelbphase wurde nach nur einem Viertel des Stints seit dem letzten Stopp ausgerufen. Porsche splittete die Strategien und holte nur die #7 rein.
Die #6 blieb als einziges Fahrzeug draußen in einer Situation, die an den McLaren-Fauxpas in Katar 2025 in der Formel 1 erinnerte. Penske holte die #6 dann doch noch nachträglich unter Gelb rein, da hatten sich die anderen GTP-Fahrzeuge aber bereits am Ende der Schlange eingereiht. So fiel die #6 bis auf den siebten Platz zurück.
Penske korrigierte den Fehler schnell und holte die #6 zum anschließenden Stopp früher rein. Mit dem Undercut ging Laurens Vanthoor wieder bis auf den zweiten Platz nach vorn. Allerdings stand durch den Untercut noch ein längerer letzter Stopp an, den der Action-Express-Cadillac ausnutzte, um wieder vorbeizugehen. Kevin Estre kam im letzten Stint auch nicht mehr heran.
Das könnte daran gelegen haben, dass die #6 schon in der Anfangsphase durch eine Berührung mit einem LMP2 beschädigt wurde. Karosserieteile wurden getauscht, außerdem wurde in der Nacht unter Gelb der beschädigte Unterboden notdürftig repariert. Porsche bestätigte jedoch kurz nach dem Rennen, dass dies nicht der Grund dafür war, dass Estre zurückfiel.
Letztlich musste Estre sogar noch den WRT-BMW #24 (S. van der Linde/D. Vanthoor/Frijns/Rast; 3.) vorbeilassen, der völlig überraschend beim WRT-Debüt in der GTP-Klasse ein Podium holte. Die BMW M Hybrid V8 waren viel konkurrenzfähiger als es sich in den Trainings abgezeichnet hatte. So landeten drei Hersteller auf dem Podium.
Aston von der Rolle, Motorschaden bei WTR-Cadillac
Hinter der #6 kam der Meyer-Shank-Acura #93 (van der Zande/Yelloly/Palou/Ohta; 5.) ins Ziel. Wie im Vorfeld angekündigt, hatten die Acura ARX-06 zwar die nötige Pace, aber nicht den nötigen Reifenverschleiß, um gewinnen zu können. Dass die #93 in einer Gelbphase in der Nacht auch noch ein Rad verlor und dadurch zwischenzeitlich die Führungsrunde verlor, half auch nicht weiter.
Neun GTP-Boliden kamen in der Führungsrunde ins Ziel. Der WTR-Cadillac #40 (J. Taylor/Deletraz/Herta) wurde als Sechster gewertet, gefolgt vom JDC-Miller-Porsche #85 (Pino/Frederick/van der Helm; 7.), dem WRT-BMW #25 (Marciello/Eng/Wittmann/Magnussen; 8.) und dem Meyer-Shank-Acura #60 (Blomqvist/Braun/Dixon/Allmendinger; 9.).
Der THOR-Aston-Martin #23 (Gunn/de Angelis/Riberas; 10. GTP) war lange Zeit der einzige GTP, der im Rennen größere Probleme hatte. Der Valkyrie blieb mehrfach auf der Strecke stehen und musste anschließend im Fahrerlager (im Fachjargon: "behind the wall") repariert werden.
Die Zuverlässigkeit war nicht das einzige Problem; der Aston Martin war auch vom Tempo her gegen die LMDh, die über den Winter allesamt Updates erhalten haben, überhaupt nicht konkurrenzfähig. Nach dem Podium beim Petit Le Mans 2025 war das Daytona-Debüt des einzigen LMH-Boliden in der IMSA eine Enttäuschung.
Allerdings blieb ihm die rote Laterne in der GTP erspart. Diese holte sich der WTR-Cadillac #10 (R. Taylor/Albuquerque/Stevens; DNF) mit einem Motorschaden zwei Stunden vor Schluss ab. Das Fahrzeug brannte sogar kurz, konnte aber in der Boxengasse gelöscht werden.
LMP2: Algarve Pro Racing siegt nach Rundenrückstand
Die LMP2 zog mit der massiven Startkollision, in die beinahe das gesamte 13 Fahrzeuge starke Feld verwickelt war, unfreiwillig sehr früh Aufmerksamkeit auf sich. Vier Fahrzeuge mussten zur Reparatur an die Box kommen, was alle die Führungsrunde kostete.
Nur eines kämpfte sich bis zum Ende wieder in die Führungsrunde zurück. Das war der APR-Oreca #04 (Kurtz/Quinn/Sowery/Jakobsen; 1. LMP2). Und der bestimmte von da an das Rennen.
Dieser setzte sich schnell wieder in die Spitze und bestimmte das Geschehen in den letzten Stunden. Die beiden Orecas von Inter Europol Competition konnten im Schlussspurt Alex Quinn nicht mehr abfangen. Es gab diesmal kein dramatisches Finish wie in vergangenen Jahren, Quinn kontrollierte das Geschehen von der Spitze aus.
Es ist eine Wiedergutmachung für die knappe Niederlage im Jahr 2023, als Algarve Pro Racing um 0,016 Sekunden im knappsten Zieleinlauf der Geschichte des Rennens den Sieg verpassten.
Von der Startkollision abgesehen, lieferten die LMP2-Boliden diesmal ein sehr sauberes, fast schon unspektakuläres Rennen ab. Eine Ausnahme bildete ein übler Unfall, als der Adam Adelson im Wright-Porsche #120 (Adelson/Skeer/Sargent/Ilott; DNF) dem AF-Corse-Oreca #88 (Perrodo/Nielsen/Murry/Vaxiviere; DNF) nach einem Dreher von Dylan Murry nicht mehr ausweichen konnte. Beide Fahrer blieben unverletzt.
BMW setzt sich gegen AMG durch, Enttäuschung für Corvette
Corvette hatte das stärkste Paket, brachte es aber nicht zusammen. Lange Zeit deutete viel darauf hin, dass das spektakuläre Finish von 2016 wiederholt werden könnte, denn die beiden Corvette Z06 GT3.R bestimmten das Geschehen in der GTD Pro bis zum Ende der langen Caution.
Der Traum platzte eine Stunde nach der Gelbphase, als an der Pratt-Miller-Corvette #3 (Garcia/Sims/Kirchhöfer; 4.) der untere Querlenker der Radaufhängung hinten rechts brach. Die Reparatur dauerte eine Dreiviertelstunde. Somit musste es die #4 allein richten.
Das ging jedoch mächtig schief: Im Zuge der Kämpfe nach dem letzten Restart wurde die #4 vom Triarsi-Ferrari #033 (Calado/Agostini/Rovera/Molina; 8. GTD Pro) neben die Strecke gedrückt und verlor viele Plätze.
In die Bresche sprang der 75-Express-Mercedes #75 (Habul/Engel/Power/Mostert; 2. GTD Pro), der aber beim letzten Boxenstopp vom Paul-Miller-BMW #1 (Verhagen/de Phillippi/Hesse/Harper; 1. GTD Pro) abgefangen wurde.
Der BMW M4 GT3 Evo war im Rennen deutlich konkurrenzfähiger als in den Trainings. Gleiches galt auch für die Porsche 911 GT3 R (992), die aber anders als Paul Miller Racing hinten heraus etwas an Dampf verloren, als die Karten aufgedeckt wurden.
Maro Engel gab alles, um Dan Harper nach dem letzten Stopp einzuholen. Mehr als halbieren konnte er den Rückstand aber nicht, am Ende fehlten 2,023 Sekunden auf den BMW. Mit dem Winward-Mercedes #48 (Noble/Hart/Martin/Stolz; 3. GTD Pro) kam ein weiterer Mercedes-AMG GT3 auf das Podest.
Pratt Miller Motorsports wird mit dem vierten Platz nicht zufrieden sein, dahinter kam der Manthey-Porsche #911 (Preining/Bachler/Feller; 5. GTD Pro) bei seinem Daytona-Debüt ins Ziel. Der Grello führte das Rennen am Sonntagvormittag sogar an, konnte das Tempo ganz am Ende aber nicht mehr ganz mitgehen.
Für die andere Porsche-Ikone, Rexy, lief es schlechter: Harry King beging am Morgen die Mutter aller Restart-Frühstarts und musste zu einer 60-Sekunden-Strafe an die Box kommen. Danach verlor der AO-Porsche #77 (Tandy/King/Picariello; 9. GTD Pro) wie schon im Vorjahr die vordere Stoßstange.
Markeninterne Ferrari-Kollision
Pfaff Motorsport verabschiedete den Lamborghini Huracan GT3 Evo2 #9 (Caldarelli/Mitchell/Bortolotti/Hinchcliffe; 6. GTD Pro) mit einem durchwachsenen Ergebnis. Ab Sebring kommt der Nachfolger Temerario GT3 zum Einsatz.
Der Multimatic-Ford #65 (Mies/Vervisch/Priaulx) rettete ein desaströses Rennen für den Ford Mustang GT3 beim Debüt des Evo-Pakets. Die drei anderen Fords schieden allesamt aus, am spektakulärsten der Multimatic-Ford #64 (Barker/Olsen/Rockenfeller; DNF), der mit einem kapitalen Motorschaden ausschied und ein Ölbad auf der Strecke hinterließ. Das war der Auslöser für die letzte Caution.
Ein weiteres Opfer in den letzten Stunden war der GetSpeed-Mercedes #69 (Bartone/Götz/Gounon/Schiller), der mit Elektronikproblemen "behind the wall" musste und drei Runden verlor.
Auch der RLL-McLaren #59 (Esterson/N. Johnson/Vips/MacDonald) kam bei seinem ersten Rennen nicht ohne Probleme über die Distanz. Schon nach zweieinhalb Stunden musste der 720S GT3 Evo ebenfalls mit Elektronikproblemen "behind the wall". 21 Runden gingen verloren, danach fuhr die unerfahrenste Crew im Rennen - Max Esterson war mit einem Rennen der erfahrenste IMSA-Pilot auf dem Auto - ohne Probleme durch.
Zu einem wahren GAU kam es im Ferrari-Camp: Die beiden Ferrari 296 GT3 kollidierten, als Daniel Serra im Risi-Ferrari #62 (Serra/Rigon/Pier Guidi; DNF) im dichten Verkehr von der Piste abkam und den Triarsi-Ferrari #033 Volley nahm. Dieser hatte zuvor schon ein Feuer in der Boxengasse überstanden, das aber ohne Folgen blieb. Für den Risi-Ferrari war das Rennen damit gelaufen.
Keine Rolle im Rennen spielte der Vasser-Sullivan-Lexus #14 (Hawksworth/Barnicoat/Kirkwood; 10. GTD Pro), der bei seinem wahrscheinlichen Abschied aus Daytona nie konkurrenzfähig war.
GTD: Irres Duell Ellis vs. Thiim
Für das spektakulärste Finish in diesem Rennen sorgte die GTD-Klasse. Philip Ellis im Winward-Mercedes #57 (Ward/Ellis/Dontje/Auer; 1. GTD) und Nicki Thiim im Magnus-Aston-Martin #44 (Potter/Pumpelly/Thiim/Snow; 2. GTD) lieferten sich ein Duell am, vielleicht sogar über dem Limit.
Höhepunkt war eine Berührung bei 280 km/h auf dem Zielstrich, bei dem Ellis beinahe abgeflogen wäre. Ihm wurde die "incident responsibility" für den Vorfall zugesprochen, er kam aber mit einer Verwarnung davon.
Thiim versuchte es weiter mit allen Mitteln, fand aber keinen Weg mehr vorbei am Meisterfahrzeug, das den dritten GTD-Sieg in fünf Jahren einfuhr.
Thiim hatte zuvor bereits ein hartes Duell mit Mattia Drudi im Heart-of-Racing-Aston-Martin #27 (Robichon/Drudi/Barrichello/Gamble; 3. GTD), bei dem er Drudi in die Wiese drängte. Das brachte ihm seinerseits eine Verwarnung ein, die letztlich dazu geführt haben dürfte, dass er sich im Kampf mit Ellis etwas zurücknehmen musste.
Das Rennen wird für die längste Caution in Erinnerung bleiben, die es in dem Event je gegeben hat. Ab 0:45 Uhr Ortszeit gab es eine Gelbphase von genau sechs Stunden, 33 Minuten und 25 Sekunden beziehungsweise 120 Runden wegen Nebels. Eifel-Stimmung in Florida. Außerdem gab es einen neuen Zuschauerrekord, die IMSA publiziert aber keine exakten Zahlen.
Die IMSA SportsCar Championship 2026 wird am 21. März mit den 12 Stunden von Sebring fortgesetzt.















