Ein Lied für seinen Opa | 02.11.2026
Warum Antonelli plötzlich nicht mehr sprechen konnte
Erst weint Kimi Antonelli im Cockpit, dann vor versammelter Presse: Warum ausgerechnet das Lied "Nessun dorma" den neuen Weltmeister so sehr bewegt
Der 1. November 2026 ist ein Tag mit ganz vielen Gänsehautmomenten, aber einer wird Kimi Antonelli besonders in Erinnerung bleiben: Als er nach seinem dritten Platz beim Grand Prix von Mexiko mitten in der jubelnden Menschenmenge steht, als frischgebackener Formel-1-Weltmeister, und das Puccini-Musikstück "Nessun dorma" abgespielt wird, gesungen von Luciano Pavarotti.
Antonelli küsst seinen silbernen Mercedes, seine Augen sind feucht von den Tränen, die schon während der Auslaufrunde am Boxenfunk zu hören gewesen sind, und Pavarotti steigert sich in den Lautsprechern mit "Vincero! Vincero!" zu einem musikalischen Höhepunkt. Ins Deutsche übersetzt etwa: "Ich werde siegen! Ich werde siegen!"
Es könnte gar keinen passenderen Soundtrack geben, als sich der 20-Jährige sichtlich gerührt in eine italienische Flagge wickelt. Danach dröhnt mit "Sara perche ti amo" noch ein weiterer Italo-Klassiker durch das imposante Foro Sol in Mexiko-Stadt.
Gänsehautmoment in der Weltmeister-Pressekonferenz
Momente für die Ewigkeit - nicht nur im historischen Kontext. Seit Giuseppe Farina 1950 und Alberto Ascari 1952 und 1953 hatte kein italienischer Rennfahrer mehr eine Formel-1-WM gewonnen. Und in den italienischen Wohnzimmern dürften während der Live-Übertragung bei vielen Fans ebenfalls Tränen der Rührung geflossen sein.
Später, im Rahmen der offiziellen Weltmeister-Pressekonferenz, wird Antonelli auf genau diesen Moment angesprochen. Er habe sichtlich gerührt ausgesehen, hält der Journalist Nate Saunders fest, und Antonelli antwortet: "Das erste Lied war sehr emotional, denn das ist ein Lied, das mein Opa früher immer gehört hat. Es war etwas ganz Besonderes, das zu hören. Und ich denke, er ist ..."
An der Stelle bricht ihm die Stimme, und der sonst so coole Wuschelkopf aus Bologna zieht sich verlegen die Kappe vor das Gesicht - fast ein bisschen so wie Michael Schumacher im Jahr 2000 in Monza, als er die 41 Grand-Prix-Siege von Ayrton Senna eingestellt hat.
Antonelli beginnt zu weinen, und die Journalisten im Pressesaal klatschen ob des emotionalen Höhepunkts spontan Beifall. Dann sammelt sich der frischgebackene Champion wieder und beendet seinen Gedanken tapfer: "Ich denke, er wäre sehr stolz. Oh mein Gott, ich habe heute viel zu viel geweint! Aber das ist gut. Ja, ich war wegen meines Opas sehr emotional, und ja, ich habe mich auch für ihn gefreut."
Toto Wolff eiskalt: "Was stimmt nicht mit dir?"
Viel weniger emotional schien, zumindest bis zur Siegerehrung, Toto Wolff zu sein: "Ich hatte diesen merkwürdigen Moment", erzählt der Mercedes-Teamchef. "Ich sitze in der Garage, wie ich das immer tue, seit zwölf Jahren. Das Rennen nähert sich seinem Ende - und ich spüre null Emotion. Da habe ich mir innerlich gesagt: 'Was stimmt nicht mit dir? Jetzt, wo es immer näher rückt, solltest du doch irgendwas fühlen.'"
"Aber da war nichts. Absolut null. Schon das ganze Wochenende bis dahin: nichts. Wir waren alle in dem Modus, uns durch das Wochenende zu arbeiten und zu versuchen, den bestmöglichen Job zu machen. Es hat mich dann erst so richtig gepackt, als ich ihn da im Stadion gesehen habe. Da stand er, dieser junge Mann, der gerade auf dominante Art und Weise seine erste WM gewonnen hatte. Das war einfach schön."
"Bono" am Boxenfunk: So nüchtern kann nur ein Engländer sein!
Die ersten Tränen hatte Antonelli schon während der letzten Rennrunde geweint. Nach Überfahren der Ziellinie überbrachte sein Renningenieur Peter Bonnington dann die frohe Botschaft: "Get in there, Kimi. Champion of the World!" Als im TV-Broadcast dann der Originalton aus dem Cockpit zu hören war, hörten Millionen von Formel-1-Fans auf der ganzen Welt nahezu live das emotionale erste Schluchzen des neuen Weltmeisters.
"Das ist nur das erste Kapitel", so Bonnington - der nur Sekunden danach, Vollprofi wie er eben ist, wieder in den Arbeitsmodus umschaltete und so nüchtern, wie nur ein Engländer das kann, irgendwelche Anweisungen für die Auslaufrunde durchfunkte. Antonelli beendete kurz seinen Weinkrampf, um zu fragen: "Was hast du über die Drehzahl gesagt?" Und Bonnington antwortete ganz trocken: "Drehzahl 12, Kumpel, Drehzahl 12."
Besondere Augenblicke für die ganze Familie
Kaum war Antonelli dann ausgestiegen, war sein Vater Marco der erste Gratulant, gefolgt von Mama Veronica und seiner kleinen Schwester Maggie. "Ich bin sehr glücklich, dass wir diesen Moment alle gemeinsam erleben und teilen können, denn meine Familie hat unglaublich viele Opfer für mich gebracht und tut das auch heute noch", so Antonelli.
"Meine Familie hat unglaubliche Anstrengungen unternommen, um nur für diesen einen Tag hierherzukommen, weil mein Vater mit seinem Rallye-Team beschäftigt war. Er war in Mugello, und dann sind sie am Samstagmorgen losgeflogen und gestern Abend angekommen. Es war also ein enormer Aufwand für sie, hierherzukommen."
Besonders würdigt er seinen Vater: "Er war in diesem Jahr bei praktisch allen Rennen dabei, obwohl er mit seiner eigenen Arbeit, seinem eigenen Job, sehr beschäftigt ist. Deshalb war es enorm wichtig, eine solche Bezugsperson an meiner Seite zu haben. Vor allem war er derjenige, der dafür gesorgt hat, dass ich auf dem Boden geblieben bin, insbesondere nach großen Erfolgen."
"Aber er war auch immer derjenige, der für mich da war, wenn ich eine schwierige Phase durchgemacht habe oder mich vor einer Session oder einem Rennen nicht besonders gut gefühlt habe. Er hat also definitiv eine ganz entscheidende Rolle gespielt."

















