F1-Pause: Wer profitiert | 07.04.2026
Neue Formel-1-WM ab Miami?
Die Formel 1 macht zwischen den Rennen in Japan und Miami eine fünfwöchige Pause: Welche Teams am meisten profitieren - und welche Teams darunter leiden
Die Formel 1 macht aufgrund des Nahost-Konflikts, der zur Absage der beiden Rennen in Saudi-Arabien und Bahrain führte, derzeit eine fünfwöchige Pause: Das nächste Rennen findet erst Anfang Mai statt, wenn der Große Preis von Miami im Terminkalender steht.
Im Unterschied zur klassischen Sommerpause, in der die Fabriken stillstehen müssen, bringt diese "Frühlingspause" jedoch kaum Entlastung. Denn für die Teams läuft die Arbeit mit unverändert hohem Tempo weiter: Die Daten des Saisonauftakts werden analysiert, um mögliche Upgrades für Miami und die darauffolgenden Rennen vorzubereiten.
Für einige Teams eröffnet die Pause damit die Chance, bestehende Schwächen gezielt auszumerzen. Andere hingegen hätten von zusätzlicher Streckenzeit profitiert. Unterm Strich bedeutet das: Während ein Teil des Feldes aus der Unterbrechung Kapital schlagen kann, geraten andere vielleicht noch weiter ins Hintertreffen.
Wer am meisten verliert: Mercedes
Naturgemäß hätte jenes Team am stärksten von einem durchgehenden Rennbetrieb profitiert, das aktuell die besten Siegchancen besitzt. Mercedes präsentierte sich bislang als Maßstab und hätte in Bahrain und Saudi-Arabien beste Aussichten gehabt, das Punktekonto weiter zu füllen.
Die Silberpfeile wären in der Lage gewesen, die Nahost-Rennen zu dominieren, bevor die Konkurrenz ein Zeitfenster für umfangreiche Updates erhält. "Ich denke, wir hätten uns vielleicht gewünscht, dass es mit den beiden Rennen im Nahen Osten weitergeht und wir noch ein paar Punkte mehr holen können", sagt Teamchef Toto Wolff.
Den aktuellen Vorteil betrachtet Mercedes keineswegs als Selbstläufer. In den kommenden Wochen und Monaten erwartet das Team ein intensives Entwicklungsduell, das den Vorsprung schmelzen lassen oder sogar egalisieren könnte. Hinzu kommt, dass die Kundenteams Fortschritte im Umgang mit den komplexen Antriebseinheiten erzielen.
"Die Leute haben jetzt gelernt, wie sie diese Systeme zu ihrem Vorteil optimieren können, und wir haben erste Hinweise darauf gesehen [in Suzuka]", ergänzt Wolff. "Was in den ersten beiden Rennen wie ein Selbstläufer für uns aussah, ist es nicht. Miami wird für mich ebenfalls ein Neustart sein."
Ein weiterer Aspekt: Die reduzierte Anzahl an Rennen vor Juni bedeutet zugleich weniger Zeit für die Mercedes-Kundenteams, bevor strengere Tests zum Verdichtungsverhältnis greifen. Diese gehen auf Bedenken der Konkurrenz zurück. Ob sich daraus ein signifikanter Nachteil ergibt, bleibt umstritten. Mercedes selbst sieht keinen entscheidenden Faktor.
Wer wohl am meisten profitiert: McLaren
Grundsätzlich profitiert jedes Team, das Mercedes jagt, von der Pause. McLaren sticht dabei besonders hervor, weil ohnehin geplant war, das erste größere Upgrade-Paket erst in Miami zu bringen, statt einzelne Komponenten vorzeitig nach Bahrain zu verlegen.
McLaren verliert also nichts durch das Auslassen der Nahost-Rennen und büßt stattdessen weniger Punkte auf Mercedes und vielleicht auch Ferrari ein. Der Saisonauftakt wurde allerdings durch Zuverlässigkeitsprobleme getrübt: Batteriebedingte Defekte verhinderten, dass Lando Norris und Oscar Piastri beim Großen Preis von China starten konnten.
In Japan deutete sich allerdings eine Trendwende an. Piastri überzeugte mit einer starken Leistung und schien seinen zweiten Platz nach einer frühen Führungsphase verdient zu haben. Norris kämpfte weiterhin mit Problemen, die seinen Freitag beeinträchtigten.
Dennoch gelingt es dem Team zunehmend, mehr Performance aus der Antriebseinheit von Mercedes und dem Energiemanagement zu extrahieren. "Ich denke, es gibt einige Anzeichen für Fortschritte in Bezug auf Leistung und Wettbewerbsfähigkeit", erklärte Teamchef Andrea Stella nach dem Qualifying in Japan gegenüber Sky.
"Dieser Fortschritt kommt daher, dass wir etwas mehr aus dem Chassis über das Set-up herausholen. Vor allem aber holen wir mehr aus der Power Unit heraus." Nun setzt McLaren darauf, die starke Entwicklung aus der Saison 2023 zu wiederholen und in Miami einen deutlichen Schritt nach vorn zu machen - wohl wissend, dass die Konkurrenz dieselbe Zielsetzung verfolgt.
Wer ebenfalls einen Nachteil hat: Aston Martin
Für Aston Martin ist die Pause ein zweischneidiges Schwert. Einerseits verschafft sie Motorenpartner Honda zusätzliche Zeit, um auf den enttäuschenden Saisonstart zu reagieren und weitere Zuverlässigkeitsverbesserungen umzusetzen. Für Miami wird bereits ein nächster Entwicklungsschritt erwartet.
Andererseits hätte Aston Martin durch zusätzliche Rennen kaum etwas zu verlieren gehabt. Stattdessen fehlt nun wertvolle Streckenzeit, um den AMR26 nach den bisherigen Rückschlägen und den Problemen besser zu verstehen und gezielt weiterzuentwickeln.
Als einziges Honda-Team ist jede zusätzliche Datensammlung von besonderer Bedeutung. "Wir können in fünf Wochen keine Wunder vollbringen", sagt der leitende Streckeningenieur Mike Krack. "Es ist ein kontinuierlicher Prozess."
"Wir haben bei unseren Problemen seit Barcelona gesehen, dass wir durch harte Arbeit über zwei bis drei Monate die Zuverlässigkeit zumindest so weit verbessern konnten, dass wir fahren und Rennen bestreiten können. Ich denke nicht, dass wir den Rückstand bis Miami aufholen werden, aber wir werden alles versuchen, ihn zu verkleinern."
Wer ebenfalls einen Vorteil hat: Williams
Neben Aston Martin zählt auch Williams zu den Enttäuschungen dieser neuen Regelära. Das Fahrzeug ist zu schwer, generiert zu wenig Abtrieb und leidet unter grundlegenden Balanceproblemen, die kurzfristig nur schwer zu beheben sind. Zudem hat das Team noch Schwierigkeiten, die Mercedes-Antriebseinheit optimal auszuschöpfen.
Das Resultat: In bislang vier Qualifyings, einschließlich des Sprintwochenendes in China, gelang keine bessere Startposition als Rang 15. Teamchef James Vowles bezeichnete das frustrierende Japan-Wochenende als "Linie im Sand", während Alex Albon die zweite Rennhälfte als Testeinheit nutzte.
Durch Anpassungen am Frontflügel-Set-up am Sonntag konnte zumindest ein kleiner Fortschritt erzielt werden, der die Entwicklungsarbeit im Werk in Grove unterstützt. Parallel laufen Programme zur Gewichtsreduktion des FW48 sowie zur aerodynamischen Optimierung.
"Es ist natürlich für alle gleich, aber für uns bedeutet es vielleicht mehr als für die anderen", sagt Albon. "Wir arbeiten intensiv an diesem Upgrade für Miami, um es rechtzeitig fertigzustellen. Im Grunde werden wir in diesen Wochen jede Woche in der Fabrik sein."
Carlos Sainz ergänzt: "Das ist genau das, was wir gebraucht haben. Eine Art Reset, um einen neuen Plan zu entwickeln, nachdem alles, was wir bisher von 2025 in Richtung 2026 gemacht haben, offensichtlich nicht funktioniert hat - wir müssen den Reset-Knopf drücken."
Der Spanier bleibt zuversichtlich, aber dennoch vorsichtig: "Ich kann nicht garantieren, dass wir in Miami deutlich konkurrenzfähiger sein werden, aber diese fünfwöchige Pause kann uns im weiteren Verlauf der Saison viel Performance bringen."
WM 2026
1 ANTONELLI Andrea Kimi (I/Mercedes) 72
2 RUSSELL George (GB/Mercedes) 63
3 LECLERC Charles (MC/Ferrari) 49
4 HAMILTON Lewis (GB/Ferrari) 41
5 NORRIS Lando (GB/McLaren-Mercedes) 25
6 PIASTRI Oscar (AUS/McLaren-Mercedes) 21
7 BEARMAN Oliver (GB/Haas-Ferrari) 17
8 GASLY Pierre (F/Alpine-Mercedes) 15
9 VERSTAPPEN Max (N/Red Bull Racing) 12
10 LAWSON Liam (Nsl/Racing Bulls) 10
1. Mercedes 135, 2. Ferrari 90, 3. McLaren 46, 4. Haas 18

















