GP von Aserbaidschan: Qualifying | 25.09.2026
Nach Antonelli-Crash: Russell holt Baku-Pole
Während Max Verstappen und Kimi Antonelli auslassen, nutzt George Russell im Qualifying zum Grand Prix von Aserbaidschan 2026 die Gunst der Stunde
George Russell hat seine starken Trainingsleistungen bestätigt und sich am Freitagnachmittag die Poleposition für den Grand Prix von Aserbaidschan 2026 gesichert, der am Samstag um 13:00 Uhr deutscher Zeit stattfindet. Der Mercedes-Pilot fuhr auf dem Hochgeschwindigkeits-Stadtkurs in Baku eine Bestzeit von 1:42.526 Minuten und verwies damit Charles Leclerc (Ferrari/+0,837) und Oscar Piastri (McLaren/+0,838) deutlich auf die Plätze.
Russell legte in Q3 zunächst vor, in 1:43.037 Minuten. Das war knapp vier Minuten vor Schluss. Danach bissen sich seine Gegner die Zähne an seiner Bestmarke aus, einer nach dem anderen. Zuerst fuhr Leclerc auf P2, mit 0,435 Sekunden Rückstand. Nur Max Verstappen (Red Bull) hatte auch eine Minute vor dem Ende noch keine schnelle Zeit gesetzt und nur konsequent Reifen aufgewärmt.
Doch noch bevor die Konkurrenz attackieren konnte, schaffte Russell klare Verhältnisse, indem er nochmal eine halbe Sekunde fand. "Die Runde war unglaublich. Mit so einer Zeit hätte ich nie gerechnet", applaudierte Formel-1-Experte Mathias Lauda im Live-Kommentar von ServusTV. Und Lauda-Kollege Christian Klien sagt: "Acht Zehntel Vorsprung, das ist eine andere Welt. Er hat sich das ganze Wochenende wohlgefühlt, die Strecke passt ihm. Das Auto hat er auch dazu, und dass er es eigentlich kann, wissen wir ja."
Russell selbst spricht im Nachhinein von einer guten Runde - aber er hätte mehr Gegenwehr erwartet: "Max war das ganze Wochenende sehr schnell. Vielleicht hatte er am Ende eine gelbe Flagge, wegen Lando. Es wäre interessant zu sehen gewesen, was er hingelegt hätte. Für mich war es die perfekte Runde, und ich hatte auch noch ein bisschen Windschatten von Hadjar. Das hat nochmal ein, zwei Zehntel gebracht."
Isack Hadjar (Red Bull) belegte Platz 4, vor Lando Norris (McLaren). Der Weltmeister landete in der Runde, die seine schnellste hätte werden sollen, im Notausgang. Dabei sei das Qualifying "ganz gut" gelaufen: "Oscar ist P3. Ich glaube, P2 war drin. Ich wollte einfach ein bisschen zu viel, aber lieber sterbe ich, als nicht mehr auf Pole zu gehen. Das Auto ist nicht so schlecht, nur auf den Geraden verlieren wir viel Zeit. Besonders mit meinem Auto. Klar hoffe ich auf ein Podium. Aber mit meiner Höchstgeschwindigkeit wird das unmöglich sein", sagt Norris.
Sechster wurde Lewis Hamilton (Ferrari), Siebter Pierre Gasly (Alpine) und Achter Verstappen. Letzterer hatte sich nach seiner Bestzeit im Abschlusstraining sicher mehr ausgerechnet.
Die gelbe Flagge wegen Norris behinderte Verstappen. Das war aber nicht der einzige Grund, wie Red-Bull-Teamchef Laurent Mekies zugibt: "Wir hatten ein ziemlich großes Problem am Auto und deutlich weniger Topspeed auf den Geraden, als wir erwartet hatten. Wir müssen jetzt unbedingt herausfinden, was passiert ist. [...] Es gibt mehrere Folgeeffekte, wenn man diesen Speed nicht hat. Dann bekommt man auch große Probleme mit dem Einsatz der Energie. Genau das ist heute passiert."
Nur ein Qualifying-Segment lang dauerte die Session von Kimi Antonelli (Mercedes). Der WM-Leader crashte wegen eines Fahrfehlers in Kurve 1 und wäre zwar theoretisch als 15. für Q2 qualifiziert gewesen, konnte aber wegen des Schadens an seiner Vorderradaufhängung nicht weiterfahren.
Platz 9 ging an Carlos Sainz (Williams), Platz 10 an Franco Colapinto (Alpine). Nico Hülkenberg (Audi), der einzige Deutsche im Starterfeld der Formel 1, schied als 18. bereits in Q1 aus.
Q1: Antonelli mit "Kapitalfehler" in den Leitplanken
Q1 begann mit vier Minuten Verspätung, weil die Fahrbahn noch gereinigt werden musste. Im vorangegangenen Formel-2-Rennen hatte es eine rote Flagge und damit eine Verzögerung des regulären Zeitplans gegeben.
Die erste Richtzeit setzte Hadjar in 1:44.702 Minuten. Der Red-Bull-Pilot kehrt in Baku nach seiner Verletzungspause wieder in sein Stammcockpit zurück und verdrängt damit Liam Lawson zurück zu den Racing Bulls. Hadjar war damit um 0,155 Sekunden schneller als Hamilton, obwohl der einen top Windschatten erwischt hatte.
Indes gab es für zwei der großen Stars die ersten Probleme. Verstappen meckerte im ersten Run: "Das Auto setzt vorne wie verrückt auf. Ich kann nicht bremsen." Wenig später verbesserte er sich auf 1:44.279 Minuten. Und Norris funkte ebenfalls, zu dem Zeitpunkt an zwölfter Stelle liegend: "Da ist was gebrochen, denke ich."
Definitiv was gebrochen war bei Antonelli. Der WM-Leader hatte Kurve 1 etwas zu optimistisch angefahren und sich innen die Radaufhängung kaputt geschlagen. "Stell das Auto ab", funkte sein Renningenieur Peter Bonnington. Antonelli wollte das zunächst nicht akzeptieren: "Lasst es mich doch versuchen!" Letztendlich blieb er dann doch am Streckenrand stehen und gab auf, bevor er die Box erreichen konnte.
Seine bis dahin erzielte Zeit von 1:45.504 Minuten war immerhin schnell genug, um den Aufstieg ins zweite Qualifying zu schaffen. Das bedeutet am Samstag wahrscheinlich Startplatz 16. "Das war ein Kapitalfehler. Er war selbst schuld", sagt ServusTV-Experte Mathias Lauda. "Aber in Baku kann man gut überholen. Und er hat ja in Monza gezeigt, dass er auch von weit hinten aufholen kann."
Antonelli nimmt den Crash auf seine Kappe: "Der Grip wurde von Runde zu Runde mehr. Ich lenkte ein und hatte viel mehr Grip als in der Runde davor. Ein Fehler von mir, und ein total unnötiger noch dazu."
Am Ende wurde Antonelli in Q1 15., vor Lawson und den beiden Audi-Fahrern. Gabriel Bortoleto verpasste den Top-16-Cut um 0,264, Hülkenberg um 0,385 Sekunden. Eine Enttäuschung, hatte Audi doch ein Update zum Grand Prix von Aserbaidschan gebracht.
Mit den Audi-Updates habe das frühe Aus aber "überhaupt nichts" zu tun, versichert Hülkenberg: "Ich hatte in Kurve 15 eine gelbe Flagge. Dann haben die Autos vor mir ihren Run abgebrochen und ich hatte von Kurve 16 bis zur Linie keinen Windschatten. Das tut hier ganz schön weh, und das hat uns gekillt."
Die Q1-Bestzeit sicherte sich übrigens Russell (1:43.615 Minuten) vor Verstappen und Hadjar.
Q2: Williams-Update verhilft Sainz in die Top 10
Russell war dann auch in Q2 Schnellster, diesmal mit einer Bestzeit von 1:43.462 Minuten. Mit einer schnellen Runde ganz am Ende vergrößerte er seinen Vorsprung auf seinen ersten Verfolger Verstappen auf 0,244 Sekunden. Dahinter folgten Leclerc, Piastri und Hadjar, allesamt innerhalb von zwei Zehntelsekunden.
Verabschieden mussten sich in Q2 Oliver Bearman (Haas), Lawson, Alexander Albon (Williams), Esteban Ocon (Haas), Arvid Lindblad (Racing Bulls) und Antonelli. Für Lindblad endet damit übrigens eine Positivserie, denn er hatte sich zuletzt siebenmal hintereinander für Q3 qualifiziert.
Überraschend: Carlos Sainz (mit Williams-Update) und Franco Colapinto schafften als Neunter und Zehnter den Einzug in die Top 10. Colapinto hatte 0,092 Sekunden Vorsprung auf Bearman.

















