GP von China: Bericht | 15.03.2026
Antonelli feiert ersten Sieg - Debakel für Verstappen & McLaren
Andrea Kimi Antonelli gewinnt sein erstes Formel-1-Rennen vor George Russell und den erneut heiß kämpfenden Ferraris - Komplettes McLaren-Debakel ohne Rennstart
Andrea Kimi Antonelli hat sein erstes Formel-1-Rennen gewonnen und sich zum zweitjüngsten Grand-Prix-Sieger gekürt. Der Mercedes-Pilot fuhr beim Großen Preis von China einen ungefährdeten Sieg vor Teamkollege George Russell ein und setzte den perfekten Lauf der Silberpfeile fort.
Dahinter lieferte Ferrari wieder einmal die große Show im Kampf um das letzte Podium: Weil man nach vorne und nach hinten jeweils einen großen Abstand hatte, mussten sich Lewis Hamilton und Charles Leclerc wieder einmal mit einem teaminternen Duell begnügen, das erneut beinhart geführt wurde - mit dem besseren Ende für Hamilton.
Best of the Rest wurde Oliver Bearman im Haas mit einem starken fünften Platz. Dahinter konnten sich auch Pierre Gasly (6./Alpine) und Liam Lawson (7./Racing Bulls) über gute Punkte für ihre Teams freuen. Isack Hadjar (Red Bull) wurde Achter vor Carlos Sainz (Williams) und Franco Colapinto, der seinen ersten Zähler für Alpine holte. Nico Hülkenberg ging als Elfter für Audi leer aus.
McLaren konnte das Rennen aufgrund von technischen Problemen mit keinem seiner beiden Autos aufnehmen, und auch Alexander Albon (Williams) und Gabriel Bortoleto (Audi) waren nicht am Start. Max Verstappen musste seinen Red Bull nach 46 Runden in der Garage abstellen.
Warum nahmen nur 18 Autos das Rennen auf?
Statt 22 standen nur 18 Autos in der Startaufstellung. Während das bei Alexander Albon (Williams) aufgrund von Set-up-Änderungen geplant war, weil er nach Set-up-Änderungen aus der Boxengasse starten wollte, fehlten drei andere Fahrer unfreiwillig - darunter gleich beide McLaren.
"Wir hatten ein Problem auf der Elektronikseite identifiziert, weshalb wir den Unterboden entfernt und eine Reihe von Teilen überprüft haben", teilte McLaren in Bezug auf Lando Norris vor dem Rennen mit. "Wir glauben, dass wir das Problem behoben haben, und das Team befindet sich nun in den letzten Vorbereitungen für das Rennen."
Allerdings war es für Norris zu spät, um rechtzeitig vor dem Schließen der Boxengasse aus der Garage zu fahren, weswegen er seinen sechsten Startplatz nicht einnehmen konnte. Kurz vor dem Start wurde auch sein Teamkollege Oscar Piastri aus dem Grid in die Garage geschoben, sodass der Australier nach seinem Crash in Melbourne erneut nicht im Grid stand.
Auch bei ihm war es ein elektronisches Problem im Motor, das einen Start verhinderte - allerdings soll es sich laut McLaren nicht um das gleiche Problem wie bei Norris handeln.
Und auch Gabriel Bortoleto konnte seinen Startplatz nicht einnehmen: Auch sein Audi R26 wurde vor dem Start in die Boxengasse geschoben, sodass sich nur noch 18 Autos an der Startampel einreihten.
Keiner der vier fehlenden Fahrer konnte das Rennen am Ende überhaupt aufnehmen. Bei Albon verhinderte ein Hydraulikdefekt den Start.
Wie lief der Start?
Obwohl nur 18 Autos losfuhren, war der Start einigermaßen chaotisch. Wie zu erwarten war, übernahm Lewis Hamilton von Startplatz drei die Führung, dahinter versuchte sich auch Charles Leclerc die beiden Mercedes zu schnappen, wurde jedoch von Antonelli in Kurve 2 abgekocht, der diesmal einen recht guten Start erwischt hatte.
Max Verstappen kam wie im Sprint sehr schlecht weg und verlor einige Positionen, dafür gehörten die Alpines zu den großen Gewinnern.
Im Hinterfeld kam es zu einer teaminternen Kollision zwischen den beiden Cadillacs von Sergio Perez und Valtteri Bottas, als Perez in Kurve 2 innen angriff und seinen Teamkollegen dabei berührte und sich drehte.
In Kurve 11 schoss Oliver Bearman (Haas) etwas optimistisch auf Isack Hadjar (Red Bull) zu und fuhr kurz neben die Strecke. Daraufhin ließ er Hadjar in der langgezogenen Kurve vor der Geraden wieder passieren, doch Hadjar verlor die Kontrolle über seinen Red Bull und drehte sich, wobei er Bearman zum Ausweichen zwang. Hadjar musste für neue Reifen in die Box kommen.
Warum kam in Runde 10 das Safety-Car?
Wie in dieser Saison so häufig, war es ein Technikproblem, das eines der Autos befiel. In dem Fall war es das ohnehin schon stark gebeutelte Team von Aston Martin, das wieder einen Ausfall hinnehmen musste.
Lance Stroll rollte in Kurve 1 mit einem Batterieproblem aus und stellte seinen AMR26 neben der Strecke ab. Da das Auto geborgen werden musste, schickte die Rennleitung das Safety-Car heraus.
Das nutzten im Grunde fast alle Teams, um zum Reifenwechsel an die Box zu kommen. Die Gelackmeierten waren jene Fahrer, die in der Runde davor schon die Reifen gewechselt hatten: Max Verstappen und Liam Lawson, die sich dadurch außerhalb der Top 10 wiederfanden.
Wie lief das Rennen nach dem Re-Start?
Antonelli hatte Franco Colapinto (Alpine) und Esteban Ocon (Haas) als Puffer hinter sich, die nicht an die Box gekommen waren. Daher konnte der Italiener zunächst seine Führung verwalten, geriet aber bald unter Druck von Hamilton, der sich der beiden schnell entledigt hatte.
Sein Teamkollege Russell hatte ein paar Probleme mehr und musste Leclerc vorbeilassen. Währenddessen kämpfte Verstappen weiter hinten gegen die Mittelfeld-Autos und hatte alle Hände voll zu tun, sich gegen diese zu behaupten.
Die Top 4 konnten sich aber schnell vom Rest des Feldes absetzen, und Antonelli sich irgendwann von den Verfolgern, da sich die Ferraris nicht einig waren und wieder einmal einen harten Kampf gegeneinander fuhren. Gleich mehrfach wechselte der Vorteil zwischen beiden Piloten, die sich wirklich nichts schenkten.
Davon profitierte aber wiederum Russell, der beide Roten überholen konnte und sich in der Folge ebenfalls leicht absetzen konnte, während Antonelli vor ihm bereits acht Sekunden enteilt war.
Und während Mercedes in der Folge zum nächsten Sieg fuhr, ging der harte Kampf bei Ferrari um den letzten Platz auf dem Podium weiter.
Gab es sonst Vorfälle?
Nach dem Safety-Car lagen Colapinto und Ocon noch auf guten Positionen, doch nach deren Reifenwechsel kam es zu einer Kollision zwischen beiden. Colapinto war gerade aus der Box gekommen, als Ocon in Kurve 1 aufschloss und dann in Kurve 2 innen zu optimistisch war.
Es kam zur Berührung, bei der sich beide Autos drehten. "Das war mein Fehler", gab Ocon zu und musste in der Folge mit einem beschädigten Auto leben - und mit einer 10-Sekunden-Strafe, die er von den Kommissaren aufgebrummt bekam.
Fast zeitgleich stellte Fernando Alonso sein Auto in der Garage ab und machte nach 35 Runden den Doppelausfall von Aston Martin perfekt. Beim Spanier soll aber kein technisches Problem verantwortlich sein, sondern körperliches Unwohlsein von den Vibrationen.
In Runde 46 war dann das Rennen von Max Verstappen vorbei: Der Niederländer fuhr in Schleichfahrt um den Kurs und stellte seinen Boliden schließlich in der Box ab.
War Antonellis Sieg noch in Gefahr?
Eigentlich nicht, allerdings unterlief dem Italiener wenige Runden vor Schluss ein Fehler, als er sich in der Haarnadel verbremste und geradeaus fuhr. "Da wollte ich ihm schon einen wieder geben. Das war so klar", scherzt Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff nach dem Rennen bei Sky.
Doch der Vorsprung auf seinen Teamkollegen war so groß, dass der Fehler keine Auswirkungen hatte, sodass Antonelli schließlich als zweitjüngster Grand-Prix-Sieger über den Zielstrich fuhr. Er ist der erste Debütsieger in China seit Nico Rosberg 2012 (ebenfalls für Mercedes) und der erste Italienische Formel-1-Sieger seit Giancarlo Fisichella fast auf den Tag genau vor 20 Jahren.
Antonelli war nach der Zieldurchfahrt besonders emotional und hatte bei den Interviews Tränen in den Augen. "Ich bin sprachlos und heule gleich los", sagte er.
"Ich bin super glücklich. Ich habe gestern gesagt, dass ich Italien unbedingt wieder ganz nach oben bringen will, und das haben wir heute geschafft - auch wenn ich mir gegen Ende mit einem Bremsplatten selbst fast einen kleinen Herzinfarkt verpasst hätte, aber es war ein gutes Rennen."
Warum holte Nico Hülkenberg keine Punkte?
Elfter im Qualifying in Australien, Elfter im Qualifying in China, Elfter im Sprint-Qualifying in China - natürlich musste Nico Hülkenberg auch im Rennen heute Elfter werden. Denn ein anderes Ergebnis hat der Deutsche dieses Jahr noch nicht eingefahren.
Immerhin konnte er im Gegensatz zum Grand Prix in Australien und dem gestrigen Sprint das Rennen diesmal aufnehmen und sogar beenden. Eigentlich hätte es für ihn für Punkte reichen müssen, doch ein schlechter Boxenstopp kostete den Audi-Piloten jede Chance.
16 Sekunden stand Hülkenberg bei seinem Reifenwechsel in Runde 36 an der Box und kam nur als 16. und Letzter wieder auf die Strecke. Zwar konnte er sich noch nach vorne arbeiten, am Ende fehlten aber 8,7 Sekunden auf die Top 10.
"Insgesamt erstmal gut, das Rennen beendet zu haben", sagt er bei Sky. "Die Kilometer, die Infos sind viel wert. Natürlich gibt es einiges anzuschauen, einiges zu verbessern und auszumerzen, aber das war jetzt mal der Start und wir werden das alles analysieren, verdauen und uns in Japan dann wieder neu aufstellen."
Was bedeutet das Rennen für den WM-Stand?
George Russell behält die WM-Führung mit 51 Punkten, hat aber nur noch vier Punkte Vorsprung vor seinem Teamkollegen. Dahinter ist es zwischen den beiden Ferrari-Piloten so eng wie auf der Strecke: Leclerc (34) und Hamilton (33) trennt nur ein einziger Punkt.
Oliver Bearman ist mit 17 Punkten überraschender Fünfter der WM vor Lando Norris, der 15 Punkte auf dem Konto hat. Max Verstappen liegt mit acht Punkten nur auf Rang acht, Oscar Piastri nach seinem zweiten Nicht-Grand-Prix mit seinen drei Punkten aus dem Sprint auf Rang zwölf.
Weiter geht es in zwei Wochen beim Großen Preis von Japan in Suzuka, bevor nach der Absage der beiden Rennen von Bahrain und Saudi-Arabien ein rennfreier April wartet, der erst Anfang Mai in Miami endet.

















