GP von Italien: Rennen | 06.09.2026
Antonelli siegt nach unfassbarer Aufholjagd!
Ein Thriller mit einem märchenhaften Ende: Kimi Antonelli demütigt George Russell und gewinnt den Grand Prix von Italien - Charles Leclerc übersteht Crash unverletzt
Den Tifosi, den italienischen Formel-1-Fans, wird der Grand Prix in Monza 2026 wohl noch lange in Erinnerung bleiben. Nicht wegen Ferrari, denn die heiß geliebte Scuderia erlebte einen Sonntagnachmittag wie in einem Albtraum. Sondern wegen Lokalmatador Kimi Antonelli, der nach Gridstrafe wegen Motorwechsel eine Aufholjagd historischen Ausmaßes hinlegte und sogar noch den Sieg feierte.
Antonelli fuhr von der ersten Runde an furios, lieferte sich zuerst ein Rad-an-Rad- und dann ein Fernduell mit seinem Teamkollegen George Russell, holte nach einem zusätzlichen Boxenstopp unter VSC-Gelb noch einmal auf - und triumphierte am Ende im Mercedes-internen Zweikampf um den Sieg mit 3,9 Sekunden Vorsprung.
Dritter wurde Max Verstappen (Red Bull), der dem Mercedes-Express nur in der ersten Rennhälfte ernstzunehmenden Widerstand leisten konnte. Platz 4 ging an Lando Norris, nach einem späten Überholmanöver gegen seinen Teamkollegen Oscar Piastri. Ein Duell, das von Piastris Seite hart geführt wurde und McLaren-intern möglicherweise noch für Diskussionsbedarf sorgen wird.
Lewis Hamilton kam als Sechster ins Ziel und rettete Ferrari beim Heimspiel damit zumindest ein paar WM-Punkte. Doch für die Scuderia sanken die Quoten schon in den ersten zwei Runden dramatisch: Erst fiel Hamilton nach Duell mit ausgerechnet Charles Leclerc in Kurve 1 auf Platz 10 zurück, dann flog Leclerc in einem heftigen Crash ab. Dass er dabei unverletzt blieb, war Glück im Unglück.
Polesetter Pierre Gasly (Alpine) konnte dem Druck der Topteams zu keinem Zeitpunkt standhalten, führte nur eine Runde lang und beendete das Rennen auf Rang 7. Achter wurde Arvid Lindblad (Racing Bulls), vor Franco Colapinto (Alpine) und Yuki Tsunoda (Racing Bulls).
Nico Hülkenberg fuhr eine Sekunde hinter seinem Audi-Teamkollegen Gabriel Bortoleto als Zwölfter über die Ziellinie.
Wie wurde Monza zum Desaster für Ferrari?
Für die Tifosi (403.666 Zuschauer am gesamten Wochenende) begann das Ferrari-Heimrennen wie ein Albtraum. Leclerc und Hamilton fuhren Seite an Seite auf die erste Kurve zu. Zunächst fädelten sie sich sauber ein, doch am Ausgang ging Hamilton neben seinem Teamkollegen der Platz aus. "Charles hat mich abgedrängt", funkte der siebenmalige Weltmeister - und fiel von Platz 4 auf Platz 10 zurück.
Aber: "Damit musst du rechnen, wenn du auf der Außenbahn bist", analysiert ServusTV-Experte Christian Klien und nimmt Leclerc in Schutz. Sky-Experte Ralf Schumacher sieht das genauso: "An der Ecke ist es einfach zu eng. Lewis hätte das vorher abbrechen müssen, als er gemerkt hat, dass Leclerc auf der Innenseite ist für die nächste Kurve."
Das sahen auch die FIA-Kommissare so: Zwar wurde der Zwischenfall zunächst notiert, eine formelle Untersuchung wurde aber nicht eingeleitet. Sehr zur Verwunderung von Nico Rosberg übrigens: Für den Experten der englischsprachigen Sky-Übertragung war die Situation "zu 100 Prozent" Leclercs Schuld.
Doch es kam noch schlimmer für die Scuderia. Am Ende der zweiten Runde geriet Leclerc unter Druck von Piastri. In der Alboreto-Kurve (ehemals Parabolica) hatte er innen plötzlich den McLaren neben sich. "Sehr mutig, in der Parabolica reinzustechen. Das macht man normalerweise an der Stelle nicht", findet ServusTV-Experte Patrick Friesacher.
Wie dem auch sei: Es kam nicht zu einer Berührung, und Leclerc schien die Oberhand zu behalten. Doch nach dem Scheitelpunkt der Kurve kam er ins Rutschen, und nach einem Gegenpendler ging es mit voller Wucht nach links in die Reifenstapel. Leclerc stieg aus eigener Kraft aus, setzte sich erstmal in den Rasen - und das Rennen wurde wegen der erforderlichen Streckenreparaturen mit der roten Flagge unterbrochen.
"Ein Desaster für Ferrari. Das kann man nicht anders sagen", atmete Klien in der Live-Übertragung einmal durch. Und Leclerc gab in seinen ersten Interviews Entwarnung: "Der Nacken war okay. Nur im ersten Moment habe ich am rechten Auge ein bisschen verschwommen gesehen. Aber jetzt ist alles wieder gut."
Nach Quali-Sensation: Wie lange blieb Gasly in Führung?
Am Start waren naturgemäß alle Augen auf Überraschungs-Polesetter Gasly gerichtet. Der kam sehr gut von der Linie weg und führte das Feld durch die erste Runde - seine erste Führungsrunde seit der Formel-1-Saison 2020. Doch damit war das Alpine-Feuerwerk zunächst mal abgefackelt. Gasly rettete sich in Runde 1 noch als Leader über die Linie, wurde aber auf dem Weg zu Kurve 1 in einem Aufwasch zuerst von Russell und dann auch von Leclerc überholt.
Leclerc konnte Gasly gleich wieder auskontern, sodass er beim Neustart des Rennens hinter Russell an zweiter Stelle lag, vor Verstappen, Colapinto, Piastri, Norris, Lindblad und Hamilton. Antonelli, wegen eines Powerunit-Wechsels von hinten losgefahren, hatte sich zu diesem Zeitpunkt bereits auf Platz 12 vorgearbeitet.
Der erste Neustart musste dann zunächst abgebrochen werden, als sich alle Autos schon wieder am Grid eingefunden hatten. Yuki Tsunoda (Racing Bulls) stand schief in seiner Startbox, weil er zunächst links stehenbleiben wollte, aber eigentlich ein Platz auf der rechten Seite für ihn vorgesehen war. "Ganz ehrlich, sowas darf nicht passieren", kommentierte Friesacher in der ServusTV-Übertragung.
Den zweiten Neustart gewann dann Russell vor Gasly, und Colapinto konnte sich zunächst an Verstappen vorbeischieben. Doch ausgangs Lesmo 1 rutschte der Argentinier ins Aus und fiel auf Platz 16 zurück. Damit hatte Alpine ganz vorne nur noch ein Eisen im Feuer, und auch Gasly wurde mit Fortdauer des Rennens immer weiter nach hinten durchgereicht.
Es führte jetzt Russell vor Gasly, Verstappen und Hamilton, der mit einem Raketenstart beide McLarens überholt hatte. In Runde 7 ging dann zuerst Verstappen an Gasly vorbei, und etwas weiter hinten pflügte Antonelli durchs Feld, als gäbe es kein Morgen: Ende Runde 8 wurde der Lokalmatador schon als Sechster geführt, mit einem Rückstand von 4,8 Sekunden auf Russell.
Antonellis Aufholjagd: "Wie von einem anderen Stern"
Der wiederum verlor seine Führung in der zwölften Runde: Verstappen hatte davor schon den Druck erhöht, und nutzte die zusätzliche Power vor Kurve 1, um den Mercedes auszubeschleunigen. Zu dem Zeitpunkt war Antonelli bereits Vierter, und sein Rückstand auf die Spitze betrug nur noch 2,7 Sekunden.
Anfang der 13. Runde schnappte sich Antonelli auch noch Piastri, und Russell sah ihn jetzt schon im Windschatten. "Der fährt im Moment wie von einem anderen Stern", schwärmte ServusTV-Kommentator Andreas Gröbl. Es bahnte sich etwas Großes an in Monza.
In Runde 15 ging Russell dann - im zweiten Anlauf, nachdem er es auch schon in Runde 14 versucht hatte - nach der Curva Grande an Verstappen vorbei und übernahm wieder die Führung. So entging er zunächst der größtmöglichen Demütigung, von Antonelli trotz Gridstrafe so schnell überholt zu werden.
Aber Antonelli fackelte weiterhin nicht lange, und in Runde 16 war er an Verstappen vorbei und schickte sich an, seinen Teamkollegen zu jagen. "Hättest du gedacht, dass der so weit nach vorne kommt?", wollte Friesacher im ServusTV-Kommentar von Klien wissen. Der antwortete: "Nein, so schnell nicht. Der Speed ist phänomenal."
Ab Runde 18: Packendes Duell der Mercedes-Stars
Und so kam es, wie es kommen musste: In der 18. Runde ging Antonelli an Russell vorbei, unter frenetischem Jubel seiner italienischen Fans. Er hatte das Unmögliche möglich gemacht. Sofort absetzen konnte er sich aber nicht: In Kurve 19 fuhr das Führungstrio im allerengsten Windschatten auf die erste Kurve zu. Zunächst blieb die Reihenfolge unverändert, aber in Runde 20 schnappte sich Russell Antonelli wieder. Nur um ein paar hundert Meter weiter, ausgangs Curva Grande, gleich wieder ausgekontert zu werden.
Der Mercedes-Express bot Jojo-Racing in Reinkultur: In Runde 22 überholte Russell Antonelli erneut, und wieder kam es sofort danach zum Konter. Teamchef Toto Wolff beobachtete das Geschehen aus der Mercedes-Box und versuchte, sich seine Anspannung nicht anmerken zu lassen - auch nicht, als Russell in Runde 23 schon wieder in Führung ging. Und diesmal kam es vor der Seconda Variante nicht zum Konter.
Jetzt schaltete sich Antonellis Renningenieur Peter Bonnington ein: "Kimi, wir müssen mit dem Jojo-Racing aufhören." Doch der Italiener akzeptierte das erst nach einem weiteren Funkspruch: "George wurde mitgeteilt, einen Vorsprung auf Verstappen aufzubauen. Wenn er das nicht kann, drehen wir die Positionen um."
Verstappen lag in der 25. Runde 1,3 Sekunden hinter Russell an dritter Position und konnte sich im Windschatten halten, obwohl er am Boxenfunk - wie schon am Samstag - über das Fahrverhalten insbesondere seiner Heckpartie meckerte.
In Runde 26 verbremste sich Antonelli und musste geradeaus durch den Notausgang, doch abgesehen von ein paar Kieselsteinen auf seinen Reifen blieb das ohne Folgen. Weder konnte Verstappen ihn attackieren, noch verlor Antonelli nennenswert Boden auf Russell.
Strategie-Split: Wie ein VSC das Rennen neu durchmischte
In der 28. Runde dann eine virtuelle Safety-Car-Phase, wegen eines Sportwarts auf der Strecke in Sektor 1. Das leitete eine entscheidende Wende im Grand Prix ein: Denn obwohl Russell in Führung lag, fuhr Antonelli als Erster an die Box, während Russell draußen blieb - sodass der Italiener den Reifenwechsel (Hard auf Medium) zum "halben Preis" bekam. Genau wie Verstappen, der in Antonellis Windschatten ebenfalls abbog.
Zumindest im TV-Broadcast wurde kein großes Gemecker von Russell ausgestrahlt - ein Indiz dafür, dass der Brite den Versuch wagen wollte, die Renndistanz ohne weiteren Reifenwechsel durchzufahren. Nach Antonellis Stopp hatte er 17,1 Sekunden Vorsprung auf seinen Teamkollegen, der vorübergehend auf Platz 6 zurückgefallen war, aber die um 26 Runden älteren Reifen.
15 Runden vor Schluss war Antonelli schon wieder Zweiter, und seinen Rückstand hatte er auf 7,9 Sekunden reduziert. "Ich fahre so schnell ich kann", grummelte Russell, als ihm am Boxenfunk Antonellis Rundenzeiten durchgegeben wurden. Und es zog kurzzeitig Unheil auf: Wegen eines Vergehens unter gelber Flagge stand er im Visier der FIA-Kommissare. Urteil aber: no further Action - keine Strafe.
Kurz schien die Luft draußen in einem ansonsten so actionreichen Autorennen, aber das war nur die Ruhe vor dem Sturm. In Runde 48 (von 53) hatte Antonelli seinen Rückstand auf unter eine Sekunde gedrückt, und das entscheidende Überholmanöver war jetzt nur noch eine Frage der Zeit.
Vor der Alboreto-Kurve war Antonelli schon dran, und zu Beginn der 49. Runde setzte er zur Attacke an - die zunächst im Kiesbett der ersten Kurve endete! Antonelli war erst außen hatte Geschwindigkeitsüberschuss, doch Russell bremste innen spät und wurde weit geradeaus getragen. "Was zur Hölle?", regte sich Antonelli auf, als er durchs Kiesbett bretterte - aber Christian Klien findet: "Das war keine Absicht."
Antonelli schüttelte die Kieselsteine von den Reifen ab und zoomte sich schon in Runde 50 wieder heran. "Keep it clean", wurde ihm gefunkt. Und diesmal klappte der Führungswechsel ohne Komplikationen: Nach der zweiten Lesmo ging er an Russell vorbei in Führung. Bei Start und Ziel wurde er von frenetischem Jubel empfangen. Und sein Renningenieur funkte: "Kimi, kein Risiko."
Russell hatte in der Schlussphase mit den verbrauchten Reifen nichts mehr entgegenzusetzen und musste abreißen lassen. Allerdings hatte er nach hinten zu Verstappen genug Puffer, um zumindest den zweiten Platz sicher ins Ziel zu bringen. Verstappen wurde Dritter.
Dahinter lieferten sich die McLaren-Piloten noch ein heißes Duell. Am Ende behielt Norris die Oberhand, aber nicht ohne eine brenzlige Situation im ersten Sektor: "Er hat mich abgedrängt. Das war sehr gefährlich", ärgerte sich der amtierende Weltmeister über seinen Teamkollegen. Und am Boxenfunk wurde Piastri ermahnt: "Clean Racing!"
Hamilton kam als Sechster ins Ziel. Für Ferrari nach einem Albtraum-Sonntag ein schwacher Trost. Polesetter Gasly beendete den Grand Prix von Italien letztendlich als Siebter.

















