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Krimi in Mexiko Ein Siegerfoto für die Ewigkeit: Max Verstappen, Kimi Antonelli, Lewis Hamilton
LAT Images

Verstappen gewinnt - Antonelli Weltmeister!

Bei Ferrari fliegen in Mexiko die Fetzen: Lewis Hamilton ist außer sich und kündigt ernste Gespräche an, während Max Verstappen den Grand Prix gewinnt

Kimi Antonelli ist Formel-1-Weltmeister 2026, aber die Geschichte des Grand Prix von Mexiko 2026 haben an einem packenden Sonntagnachmittag andere geschrieben. Den Sieg sicherte sich Max Verstappen (Red Bull) - als Nutznießer eines Ferrari-internen Duells zwischen Lewis Hamilton (2.) und Charles Leclerc (4.), das zwischendurch zu eskalieren drohte und im Nachhinein sicher noch Wellen schlagen wird.

Grund für Hamiltons Zorn war zunächst ein Duell in der ersten Runde, in der Leclerc knallhart gegen ihn reinstach. Der Monegasse kassierte dafür zwar eine Fünfsekundenstrafe, lag aber in Führung und konnte sich einen Vorsprung aufbauen - was Hamilton ganz und gar nicht fair fand. Als das Rennen später wegen eines Unfalls im Hinterfeld unterbrochen wurde, stürmte Hamilton fuchsteufelswild an die Ferrari-Box und murmelte am Boxenfunk noch irgendwas von "großen, großen Problemen".

In seinem ersten Interview mit Nico Rosberg bemühte sich Hamilton um diplomatische Töne: "Wir hatten die Pace, um zu gewinnen, aber es hat nicht sollen sein. Jetzt nehmen wir das mal offline, und dann schauen wir, was wir besser machen können. Wir haben genau darüber im Fahrerbriefing diskutiert, dass man die Position zurückgeben muss. Ich habe dafür schon mal zehn Sekunden Strafe bekommen. Ich denke, darüber müssen wir ein paar sehr ernste Gespräche führen", kündigt er an.

Es war ein packender Grand Prix mit einer roten Flagge und mehreren Gelbphasen, den Hamilton, das war in jeder einzelnen Runde zu spüren, unbedingt gewinnen wollte. In den letzten zehn Runden konnte er Verstappen mit identischen Reifen aber nicht mehr ernsthaft attackieren, und so kam er als Zweiter ins Ziel - einen Platz vor Kimi Antonelli (Mercedes), der nach Überfahren der Ziellinie hemmungslos zu weinen begann.

Gänsehautmomente für die Ewigkeit - und: "Ein wirklich elitäres Podium. Fast kitschig", findet ORF-Experte Alexander Wurz über das Siegerfoto mit Verstappen, Hamilton und Antonelli, das insgesamt zwölf WM-Titel abbildet.

Antonelli jetzt jüngster Formel-1-Weltmeister

Mit dem heutigen Ergebnis ist die erste Entscheidung in der Formel-1-WM 2026 gefallen. Zwar hat Mercedes den Konstrukteurstitel noch nicht in der Tasche - der Titel für Antonelli, der sich schon seit Wochen abgezeichnet hatte, steht jetzt aber endgültig und hochoffiziell fest. Der Italiener ist heute 20 Jahre, zwei Monate und sieben Tage alt und sichert sich damit vorerst den Rekord als jüngster Champion der Formel-1-Geschichte.

Sebastian Vettel, der bisherige Rekordhalter, war bei seinem ersten Titelgewinn in der Saison 2010 exakt 23 Jahre, vier Monate und elf Tage alt. Antonelli unterbietet Vettels alten Rekord um mehr als drei Jahre. Gleichzeitig beendet der Italiener mit seinem Triumph eine sechsjährige Mercedes-Durststrecke. Zuletzt hatten die Silberpfeile den Fahrertitel in der Formel 1 in der Saison 2020 mit Hamilton gewonnen.

Leclerc entscheidet Duell gegen Norris für sich

Leclerc verteidigte seinen vierten Platz in der Schlussphase mit einem Bremsplatten und viel Mühe gegen Lando Norris (McLaren), der zuvor im Rennen bei einem langsamen Boxenstopp ein paar Sekunden verloren hatte. Sechster wurde George Russell (Mercedes), Siebter Oscar Piastri (McLaren), Achter Franco Colapinto (Alpine), Neunter Liam Lawson (Racing Bulls) und Zehnter Pierre Gasly (Alpine).

Isack Hadjar (12./Red Bull) holte keine Punkte, vor allem wegen einer Kollision mit Russell in der ersten Runde, die ihn weit zurückwarf. Und Lokalmatador Sergio Perez (17./Cadillac) legte über weite Strecken eine herausragende Leistung hin, fuhr letztendlich aber trotzdem als Letzter über die Ziellinie - unter anderem wegen einer Fünfsekundenstrafe wegen Geschwindigkeitsüberschreitung in der Boxenstraße.

Start: Leclerc im Visier nach Berührung mit Hamilton

Polesetter Hamilton gewann zwar den Start, kam aber dennoch nicht als Führender aus der ersten Runde zurück. Zunächst hatte er Russell im Schlepptau, der fiel aber nach den ersten Beschleunigungsmetern plötzlich ab (Wurz: "Der hatte irgendwie Deployment-Probleme"). So fuhr Leclerc, aus dem Windschatten heraus, Seite an Seite mit Hamilton in die erste Kurve.

Das erste Duell gewann Hamilton noch. Gegen Leclercs neuerliche Attacke in Kurve 4 konnte er sich aber nicht mehr wehren. Hamilton ließ sich weit nach außen treiben (außerhalb der Tracklimits), Leclerc fuhr noch weiter in die Wiese - und kürzte dabei die Strecke deutlich ab. Eine Situation, die von der Rennleitung untersucht wurde. Hamilton war offensichtlich nicht erfreut: "Ich wurde von meinem eigenen Teamkollegen abgedrängt!", beschwerte er sich am Boxenfunk. Und später: "Was passiert jetzt mit Charles?"

Inmitten des heißen Ferrari-Duells wäre dann beinahe Verstappen Nutznießer gewesen. Der Red-Bull-Pilot hätte sich von Leclerc ebenfalls ein anderes Verhalten erwartet: "Charles muss die Position zurückgeben", wunderte er sich am Boxenfunk als Beobachter aus nächster Nähe. Kein Wunder: Hätte sich Leclerc hinter Hamilton zurückfallen lassen, hätte er Platz 1 geerbt.

Verstappen sollte mit seiner Einschätzung richtig liegen: Weil Leclerc die Position gegen Hamilton nicht freiwillig zurückgab, wurde er wegen Verlassens der Strecke unter Erlangung eines Vorteils mit einer Fünfsekundenstrafe belegt, abzusitzen beim nächsten Boxenstopp.

Hamilton verärgert: "Kommissare schenken Charles den Sieg"

Nach fünf Runden hatte sich das Feld ein wenig sortiert. Leclerc führte jetzt 1,7 Sekunden vor Verstappen, 3,0 vor Hamilton, 4,7 vor Antonelli und 6,5 vor Russell. Der stand wegen Verursachens einer Kollision mit Hadjar im Visier der Rennkommissare - und kassierte etwas später zehn Sekunden Zeitstrafe. Hadjar war dadurch in Runde 1 auf Platz 19 zurückgefallen.

Es dauerte nur bis Runde 7, dann war das Rennen für Aston Martin beendet. Fast zeitgleich stellten beide Fahrer ihre Autos ab: Fernando Alonso an der Box, Lance Stroll auf der Strecke. Der Kanadier löste damit eine virtuelle Safety-Car-Phase (VSC) aus. Zu früh für einen Reifenwechsel: Keiner der Topfahrer nutzte die Gelegenheit für einen Boxenstopp.

Leclerc, wissend, dass er seine Strafe noch absitzen muss, zog dann das Tempo an. Nach 15 Runden hatte er 4,0 Sekunden Vorsprung auf Verstappen und 6,1 auf Hamilton. Als Hamilton über das Urteil der Rennkommissare informiert wurde, regte er sich über Leclerc auf: "Er hat clean Air, anders als wir andere. Er sollte einfach die Position zurückgeben. [...] Die Kommissare schenken Charles den Sieg."

Boxenstopp bringt Wechsel an der Spitze

Oder, indirekt, Verstappen? In Runde 27 kamen Leclerc und Verstappen gleichzeitig an die Box. Der letzte gemessene Abstand vor dem Stopp war 4,5 Sekunden, und weil die Red-Bull-Crew schnell arbeitete und Leclerc seine Strafe absitzen musste, ging Verstappen beim Rausfahren an Leclerc vorbei. Eine Runde später wechselte auch Hamilton, der reihte sich aber hinter den beiden ein.

Verstappen war jetzt auf Soft, die Ferraris auf Medium. "Wir brauchen jetzt einen deiner magischen Mexiko-Stints, Max", kam danach am Boxenfunk. Denn klar war (zumindest zu dem Zeitpunkt), dass Verstappen die weichen Reifen über die Distanz tragen würde müssen. Ein zweiter Boxenstopp war im Rennplan nicht vorgesehen.

Es führte jetzt Antonelli vor Russell und Norris (Norris in Runde 35: "Meine Hinterreifen sind komplett hinüber") - ein Trio, das den ersten Boxenstopp noch nicht absolviert hatte und offenbar auf eine weitere Gelbphase hoffte, um den Reifenwechsel kostengünstig abzustauben. Dahinter lag Verstappen 1,7 Sekunden vor Leclerc und 3,8 Sekunden vor Hamilton.

Norris wartete bis Runde 39, ehe er Reifen wechselte, Oliver Bearman (Haas) kam in Runde 40 rein - und Antonelli lag immer noch mit seinem ersten Reifensatz in Führung. "Das machst du gut, Kimi, weiter so", wurde er vom Team angefeuert - vermutlich mit der Idee, den ersten Stint so lange wie möglich auszudehnen.

So lange wie möglich, das bedeutete konkret: Runde 43. Antonelli wechselte auf Medium, stand 4,3 Sekunden, und er fuhr als Vierter wieder auf die Strecke - 12,4 Sekunden hinter Hamilton, aber 6,1 Sekunden vor Norris, der bei seinem Boxenstopp die Position überschossen und Zeit verloren hatte.

Bottas-Crash: Nach roter Flagge eskaliert Hamilton

Dann crashte Valtteri Bottas (Cadillac) mit einem plötzlichen Bruch der Radaufhängung vorne links, und die Safety-Car-Phase, die kurz nach Antonellis Stopp folgte, brachte Würze in den Grand Prix. Denn Hamilton und Russell zockten und holten sich frische Reifen ab, und dadurch rückte Antonelli auf Platz 3 auf. Die Logik war klar: Hamilton hoffte, mit Reifenvorteil Jagd auf Verstappen und Leclerc machen zu können.

"Für Lewis gar nicht einfach, denn er ist hinter Antonelli zurückgefallen, der ja auch frische Reifen hat. Ob der Strategiezug clever war?", fragte sich Wurz im Live-Kommentar des ORF. Da folgte dann auch schon die nächste Entscheidung der Rennleitung, die Konsequenzen hatte: rote Flagge wegen notwendiger Reparaturen der TecPro-Leitplanken. "Das ist jetzt für Hamilton doppelt blöd gelaufen", analysierte Wurz.

Denn: Bei einer Rennunterbrechung dürfen per Reglement alle ihre Reifen wechseln, sodass jetzt die Streckenposition zählte. Und da führte Verstappen vor Leclerc, Antonelli, Hamilton, Norris und Russell. Der vermeintliche Reifenvorteil für Hamilton und Russell war dahin, und Hamilton war jetzt richtig wütend. Er stürmte in die Ferrari-Box, und am Funk drohte er noch: "Wir haben große Probleme. Große, große Probleme."

Während der Unterbrechung teilte dann die Rennleitung die Reihenfolge für den Neustart mit, und die kam für viele Zuschauer überraschend. Denn Verstappen sollte das Feld vor Leclerc anführen - aber Dritter war laut FIA nicht Antonelli, sondern Hamilton. Eine offizielle Erklärung dafür wurde zunächst nicht geliefert.

Neustart: Hamilton strotzt vor Aggressivität

Beim Neustart sah man Hamilton den innerlichen Zorn dann richtig an: Der siebenmalige Weltmeister kam super weg, zog an Leclerc vorbei - und ließ sich dann, obwohl er den Teamkollegen im Windschatten hatte, nicht auskontern. Hamilton zuckte immer dorthin, wo Leclerc die Nase reinhalten wollte, hart an der Grenze des Reglements. Aber Wurz findet: "Hat er stark gemacht, da richtig Paroli zu bieten."

Hamilton wollte dann in Kurve 1 aufs Ganze gehen und setzte sich auch noch neben Verstappen, zog in dem Duell aber den Kürzeren. Es kam zu einer leichten Berührung, doch die Rennkommissare entschieden: keine Untersuchung. Dritter war jetzt Antonelli, der sich Leclerc in der zweiten Runde nach dem Neustart gekrallt hatte.

FIA nimmt Verstappens Neustart ins Visier

Zwischendurch musste Verstappen kurz um seine Führung zittern, weil die Rennleitung notierte, dass er sich beim Neustart möglicherweise außerhalb seiner Startbox befunden haben könnte. Eine Prüfung ergab jedoch, dass das nicht der Fall war, und die Angelegenheit wurde nicht weiter untersucht. Unglücklich war Verstappen aus einem ganz anderen Grund: "Die Motorbremse ändert sich total", funkte er.

Dafür gab's zehn Sekunden Strafe gegen Nico Hülkenberg (Audi), weil er Bearman beim Neustart von hinten angeschubst und umgedreht hatte. Für Bearman war das Rennen damit beendet, für Hülkenberg waren alle Chancen auf Punkte dahin.

Weiteres Safety-Car wegen Kollision Lindblad-Piastri

Verstappen und Hamilton konnten sich jetzt vom Rest des Feldes absetzen, Antonelli fuhr auf P3 seinem WM-Titel entgegen, und dahinter lieferten sich Leclerc und Norris ein Duell um den vierten Platz. "Der Ferrari ist stark auf der Bremse", fiel Wurz auf, obwohl sich Leclerc am Funk über fehlenden Grip von den Reifen beklagte.

Für die nächste Safety-Car-Phase sorgte dann eine Kollision zwischen Piastri und Arvid Lindblad (Racing Bulls) in Kurve 1, die Lindblad die linke Hinterradaufhängung kostete. "Da ist einfach zu wenig Platz, dass zwei Autos nebeneinander reinfahren", lautete die erste ORF-Schnellanalyse von Wurz.

In Runde 63 von 71 wurde das Rennen wieder freigegeben, und Hamilton konnte den Windschatten von Verstappen nicht für eine Attacke in der ersten Kurve nutzen. So setzten sich Verstappen, Hamilton und Antonelli vom Rest des Feldes ab, während dahinter Leclerc mit einem Bremsplatten alle Hände voll zu tun hatte, seine Position zu verteidigen.

Emotional wurde es dann noch am Ende, als Antonelli, bis dahin vermeintlich cool und gelassen, am Boxenfunk hemmungslos zu weinen begann und sich von seiner Mercedes-Mannschaft feiern ließ. Bevor es dann aufs Podium ging, mit drei großen Champions auf dem Siegerfoto: Verstappen, Hamilton - und jetzt auch Antonelli.

Aus Sicht von Verstappen war es ein "ziemlich hektisches" Rennen: "Ich glaube, der erste Start war für mich rennentscheidend. Ich hatte einfach eine sehr gute erste Runde, sagen wir es mal so", analysiert er. "Danach hatten wir eine etwas andere Strategie. Ich glaube schon, dass uns ein bisschen die Pace gefehlt hat. Aber wir sind drangeblieben und haben zum richtigen Zeitpunkt die richtigen Entscheidungen getroffen."

"Dann kam natürlich noch die Strafe gegen Charles dazu, die uns in Führung gebracht hat. Und danach konnte man sehen, dass sie die ganze Zeit an mir dranblieben. Es war also hart. Am Ende bin ich ganz schön ins Schwitzen gekommen, weil ich natürlich versucht habe, Lewis hinter mir zu halten", sagt Verstappen.

Motorsport-Total.com

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