Politische Formel-1-Bombe? | 26.05.2026
Audi und Ferrari blockieren Wunsch von Verstappen
Max Verstappens Formel-1-Zukunft hängt plötzlich an einem politischen Machtkampf zwischen FIA, Ferrari, Audi und den Motorenherstellern
Die Zukunft von Max Verstappen in der Formel 1 könnte plötzlich nicht mehr nur von Red Bull oder seinen eigenen Karriereplänen abhängen - sondern von einem erbitterten Machtkampf hinter den Kulissen zwischen FIA, Ferrari, Audi und den Motorenherstellern.
Eigentlich schien die Richtung zuletzt klar. Zwischen dem Miami- und Kanada-Grand-Prix hatte die FIA eine sogenannte "Grundsatzvereinbarung" angekündigt, um die umstrittenen Motorenregeln ab 2027 anzupassen. Ziel war es, die Balance zwischen Verbrennungsmotor und Elektroleistung wieder stärker zugunsten des klassischen Verbrenners zu verschieben.
Konkret sollte die Leistung des Verbrennungsmotors um 50 Kilowatt steigen, während der Anteil der elektrischen Energie entsprechend reduziert würde. Das Kräfteverhältnis würde sich dadurch von nahezu 50:50 auf ungefähr 60:40 verschieben.
Für Verstappen wäre genau das ein entscheidender Schritt gewesen. Der Niederländer hatte in den vergangenen Monaten mehrfach scharf gegen das Motorenreglement geschossen und die neue technische Formel sogar als "Anti-Racing" bezeichnet: Zu viel Lift-and-Coast, zu starkes Batteriemanagement und Rennen, die eher an Energiesparen als an Vollgas erinnern.
Entsprechend positiv reagierte Verstappen zunächst auf die FIA-Pläne. "Das geht definitiv in eine sehr positive Richtung", sagte der Weltmeister noch am Donnerstag in Montreal. "Das ist eigentlich das Minimum dessen, was ich mir erhofft hatte."
Verstappen stellt Zukunft indirekt infrage
Besonders brisant: Verstappen deutete offen an, dass die Entscheidung über die Motorenregeln direkten Einfluss auf seine eigene Zukunft haben könnte. "Es geht nicht darum, ob ich ein gutes Auto habe oder nicht", erklärt er. "Es geht um das Produkt."
Und genau dieses "Produkt Formel 1" müsse sich verbessern. "Wenn diese Änderungen kommen, wird der Spaß automatisch wieder größer", sagt Verstappen. Doch genau dieser Plan droht nun zu scheitern.
Denn während Mercedes und Red-Bull-Ford die Änderungen bereits ab 2027 unterstützen, stellen sich Ferrari, Audi und offenbar auch Honda gegen eine schnelle Umsetzung. Stattdessen bevorzugen sie eine Verschiebung auf 2028. Der Grund dafür ist ein explosiver Mix aus Kosten, politischem Einfluss und möglichem Wettbewerbsvorteil.
Denn eine stärkere Verbrennerleistung würde nicht nur Änderungen an den Power-Units selbst erfordern, sondern auch Anpassungen am Chassis, der Kühlung und dem Kraftstoffmanagement. Gerade für neue Hersteller wie Audi würde das zusätzliche Millioneninvestitionen bedeuten. Intern kursiert bereits eine Summe von rund zehn Millionen Dollar an zusätzlichen Entwicklungskosten.
Ferrari und Audi bremsen die FIA aus
Vor allem Audi soll sich massiv gegen eine Einführung ab 2027 stemmen. Der Werkseinstieg basiert auf den aktuellen Regeln - und zusätzliche Investitionen lassen sich intern offenbar nur schwer rechtfertigen. Zwar unterstützt Audi die grundsätzliche Richtung der FIA durchaus, lehnt aber den engen Zeitplan ab.
Doch auch Ferrari verfolgt offenbar eigene Interessen. Im Zentrum steht dabei das sogenannte ADUO-System der FIA - ein spezieller Aufholmechanismus für Motorenhersteller mit Leistungsdefiziten. Teams mit schwächeren Power-Units erhalten dabei zusätzliche Entwicklungszeit und Budgetspielraum.
Genau hier befürchtet Ferrari offenbar Nachteile gegenüber Mercedes. Die Scuderia betont seit Wochen öffentlich, wie groß der Rückstand auf Mercedes aktuell sei. Charles Leclerc ging in Kanada sogar so weit zu behaupten, dass selbst der Red-Bull-Motor mehr Leistung habe als Ferrari.
Innerhalb der FIA sorgt dieses öffentliche Lobbying inzwischen offenbar zunehmend für Frust. Denn die ADUO-Regelungen basieren auf klaren Leistungsdaten - nicht auf politischen Statements in den Medien.
Gleichzeitig steckt auch Honda in einem Dilemma. Öffentlich unterstützt der japanische Hersteller die geplante Richtung der FIA zwar grundsätzlich, intern wäre Honda aber ebenfalls dringend auf zusätzliche Entwicklungsfreiräume angewiesen.
FIA kämpft verzweifelt um Kompromiss
Während des Kanada-Wochenendes versuchte FIA-Formelsportchef Nikolas Tombazis deshalb offenbar intensiv, zwischen den Lagern zu vermitteln. Doch bislang ohne endgültigen Durchbruch. Denn ohne die notwendige Mehrheit können die Änderungen nicht umgesetzt werden.
Und genau das könnte weitreichende Folgen haben - auch für Verstappen. "Wenn alles so bleibt, wird nächstes Jahr sehr lang", warnte der Niederländer nach dem Qualifying in Montreal. "Mental ist das für mich absolut nicht machbar."
Eine Aussage des Weltmeisters, die erneut Spekulationen über seine langfristige Zukunft anheizt. Verstappen fordert deshalb ein härteres Eingreifen der FIA. "Manche Teams, die aktuell vielleicht einen Vorteil haben, machen es absichtlich schwierig", sagt er. "Aber wenn die FIA stark genug ist, dann muss sie das einfach durchziehen."
Das Problem: Die FIA kann Regeländerungen ohne Mehrheit nur dann erzwingen, wenn Sicherheitsaspekte betroffen sind. Bei rein sportlichen oder technischen Fragen reichen politische Machtspiele aus, um Projekte zu blockieren.
Formel 1 steht vor einer Grundsatzentscheidung
Inzwischen warnen immer mehr Teamchefs davor, dass die Formel 1 den Blick für das große Ganze verlieren könnte. McLaren-Teamchef Andrea Stella sprach in Montreal ungewöhnlich deutlich über die Gefahr, dass Eigeninteressen der Hersteller langfristig dem Sport schaden könnten.
"Wir gewöhnen uns zwar langsam an diese Motorenformel", so Stella. "Aber meiner Meinung nach braucht es Veränderungen an der Hardware." Besonders die FIA-Vorschläge zur Anpassung von Energierückgewinnung, Batterienutzung und Verbrennerleistung hält Stella für essenziell.
"Dieses Paket würde die Formel 1 besser machen", erklärt er. "Und dieses allgemeine Interesse sollte wichtiger sein als individuelle Vorteile einzelner Hersteller."
Denn am Ende gehe es um deutlich mehr als nur technische Details. "Wenn wir den Sport nicht attraktiv halten und den Wert der Formel 1 beschädigen, verlieren am Ende alle", warnt Stella.

















