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Steiner über Schumacher Mick Schumacher ist seinem ehemaligen Teamchef zufolge kein Vorwurf zu machen
Penske Entertainment

Wer sofortige Mick-Siege erwartet, ist ein Träumer...

Günther Steiner findet, dass der Druck auf seinem Ex-Piloten Mick Schumacher in der IndyCar-Serie zu groß ist - Es seien unterschiedliche Disziplinen

Letzter der Vollzeitfahrer in der Tabelle und ein 16. Platz als bestes Resultat - das ist die Bilanz von Mick Schumacher in der IndyCar-Serie bei Saisonhalbzeit. Für seinen ehemaligen Haas-Formel-1-Teamchef Günther Steiner kommt diese Situation keineswegs überraschend, denn er hält die Erwartungen an seinen früheren Fahrer - auch von sich selbst - für völlig überzogen.

"Alle, die gesagt haben, Mick geht da hin und gewinnt, sind Träumer", stellt Steiner im Interview mit Motorsport-Total.com klar. Die Leistungsdichte an der Spitze der US-Serie sei enorm hoch. "Die Latte liegt hoch bei den guten Jungs da drüben. Und die machen das seit Jahren. Da kann niemand hinkommen und abräumen. Die Besten haben es probiert."

Nach Ansicht des ehemaligen Haas-Teamchefs wird der Wechsel zwischen den großen Motorsport-Kategorien von Außenstehenden oft banalisiert. Er vergleicht den Umstieg von der Formel 1 zu den IndyCars mit Leichtathletik-Disziplinen: "Es sind Motorsportarten, aber andere Disziplinen. Es ist wie 400 Meter Hürden oder 400 Meter Laufen. Das ist einfach so. Man muss sehen, wie er sich entwickelt."

Zu viel Druck im Umfeld

Ein Kernproblem für die ausbleibenden Spitzenresultate in Schumachers Debütsaison beim Team Rahal Letterman Lanigan Racing liegt laut Steiner daher auch an der mentalen Komponente. Die öffentliche Aufmerksamkeit in der Heimat sorge für zusätzlichen Druck beim Fahrer selbst.

"Ich glaube, er macht sich selbst im Moment zu viel Druck, weil eben die Erwartungshaltung so hoch ist", analysiert der Südtiroler. Schumacher hatte vor Saisonbeginn noch gesagt, er wolle nicht wie ein Rookie behandelt werden, weil er keiner sei.

Die aktuelle Saison verlaufe für den Newcomer zwar "ziemlich mühsam und schwierig", doch das liege absolut im Bereich des Erwartbaren. Für die Karriere des Deutschen sei es nun entscheidend, langfristig in Amerika Fuß zu fassen, anstatt nach den ersten Rückschlägen zu zweifeln.

"Ich würde sagen, hoffentlich fährt er nächstes Jahr noch mit", blickt Steiner voraus. Man müsse schlicht Geduld aufbringen und abwarten, wie sich Schumacher über die nächsten Jahre entwickelt. Schließlich war das auch in den unteren Formelklassen bei Schumacher der Fall. Die Formkurve stieg im zweiten Jahr rapide an.

Ära von Mansell und Andretti vorbei

Steiner holt aus: Selbst erfahrene Piloten täten sich in den USA nicht gerade leicht. Als Beispiel führt er Schumachers Haas-Vorgänger Romain Grosjean an, der weitaus mehr Formel-1-Erfahrung in die IndyCar-Serie mitbrachte und auch in seinem fünften IndyCar-Jahr noch keinen Sieg geholt hat.

Dass ein Wechsel auf Anhieb von absolutem Erfolg gekrönt ist, gehört laut Steiner der fernen Vergangenheit an. Zwar gelang es Nigel Mansell vor gut 30 Jahren, als amtierender Formel-1-Weltmeister direkt in seiner ersten Saison den IndyCar-Titel zu holen, doch diese Zeiten seien nicht mehr mit der Gegenwart vergleichbar. "Das war eine ganz andere Ära", winkt Steiner ab.

Damals sei es Ausnahmekönnern wie Mario Andretti noch möglich gewesen, in Sprintcars, IndyCars und der Formel 1 gleichermaßen zu siegen. Heute scheitern selbst die Besten der Moderne an dieser extremen Spezialisierung.

"Man schaue sich Fernando Alonso an", verweist Steiner auf die Versuche des zweimaligen Formel-1-Weltmeisters beim Indianapolis 500, der 2019 sensationell an der Qualifikation für das Rennen scheiterte. "Das ist einfach schwierig. Vor 30 Jahren war die Welt anders. Das sind einfach Disziplinen, auf die du dich konzentrieren musst."

IndyCar-Stars haben es in Europa ebenfalls schwer

Wie groß der Graben zwischen den Systemen ist, zeigt sich laut Steiner auch beim Blick auf den umgekehrten Weg von Amerika nach Europa. Selbst absolute Top-Piloten der US-Szene könnten nicht mal eben in den europäischen Formelsport einsteigen und dort dominieren.

Als Beispiel nennt er den mehrfachen IndyCar-Rennsieger Colton Herta, der im Zuge seiner Formel-1-Ambitionen mit den Hürden des europäischen Systems konfrontiert wurde und in der Formel 2 momentan auf dem 13. Gesamtrang festhängt.

Steiner zieht den Vergleich zur höchsten Nachwuchsklasse unterhalb der Formel 1: "Colton Herta tut sich in der Formel 2 schwer. Der hat IndyCar-Rennen gewonnen. Da darf man ihm auch keine Vorwürfe machen." Auch im europäischen Unterbau sei das Niveau schlicht enorm hoch. "Die Jungs sind nicht schlecht in der Formel 2. Das sind keine Pappenheimer."

Mick Schumacher hat beim Rennen in Elkhart Lake nun die Chance, auf einer weitläufigen Strecke, wie er sie aus der Formel 1 kennt, seine Bilanz aufzumöbeln.

Motorsport-Total.com

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