KTM auf Wolke sieben | 20.09.2026
"Endlich!": Pedro Acosta bejubelt ersten MotoGP-Sieg, KTM auf Wolke sieben
Nach dem ersten Grand-Prix-Sieg von Pedro Acosta in der Königsklasse sprechen er selber, Pit Beirer und Crewchief Paul Trevathan über die Tragweite dieses Erfolgs
Pedro Acosta ist ein MotoGP-Rennsieger! Auf diesen Satz hat der 22-jährige Spanier länger warten müssen als es er selber und viele im Fahrerlager erwartet hatten. Ausgerechnet im Grand Prix von Österreich 2026 in Spielberg und damit beim letzten Heimspiel für KTM, das Acosta selber für den Hersteller aus Österreich bestritten hat, ist ihm nun der erlösende erste Sieg in einem Sonntagsrennen der Königsklasse gelungen.
Nach den WM-Titeln in der Moto3-Klasse (2021 als Rookie) und der Moto2-Klasse (2023) stieg Acosta zur Saison 2024 in die MotoGP-Klasse auf. Seine Rookie-Saison fuhr er für das KTM-Satellitenteam Tech3, das damals aus Marketinggründen unter der Bezeichnung Tech3-GasGas firmierte. Schon damals arbeitete Acosta mit Crewchief Paul Trevathan. Zur Saison 2025 wechselte Acosta gemeinsam mit Trevathan ins KTM-Werksteam.
Bis vor dem Spielberg-Wochenende 2026 hatte es Acosta in der Königsklasse an Sonntagen 14 Mal auf das Podium geschafft, aber nie nach ganz oben. Ein Sprint-Sieg ist ihm gelungen, nämlich beim Saisonauftakt 2026 in Buriram (Thailand). Am Samstag auf dem Red-Bull-Ring in Spielberg fuhr Acosta auf Kurs zu einem zweiten Sprint-Sieg, warf diesen aber drei Runden vor Schluss weg, als er abgelenkt war und gestürzt ist.
Wie Acosta aus seinem Fehler vom Samstag gelernt hat
24 Stunden später hat Acosta im Grand Prix erfolgreich Wiedergutmachung betrieben. Mehr als 1.000 Tage nach seinem zuvor letzten Grand-Prix-Sieg (Moto2-Rennen 2023 in Mandalika) hat er nun auch in der Topklasse einen solchen geschafft und ist verständlicherweise überglücklich.
Nach seinem ersten Grand-Prix-Sieg als MotoGP-Pilot sagt Acosta: "Endlich!" Etwas später fügt der KTM-Pilot hinzu: "Die Art und Weise, ich ich es gestern verbockt habe, war gewaltig. Und heute Morgen habe ich gleich nochmal Mist gebaut, als ich mein Rennmotorrad zerstört habe."
Damit spricht Acosta auf einen Sturz an, der ihm in der letzten Runde des nur 10-minütigen Warm-up am Sonntagmorgen in der Rindt-Kurve (Kurve 9) passiert ist. "Daraufhin habe ich mir regelrecht in die Hosen gemacht, denn einen weiteren Fehler vor der Haustür von KTM wollte ich unbedingt vermeiden", so Acosta. Im 28-Runden-Rennen am Nachmittag blieb er fehlerfrei und triumphierte.
"Mit dem Rennen heute bin ich sehr zufrieden. Jorge [Martin] war zu Beginn sehr schnell, aber ich war in der Lage aufzuholen", denkt der Sieger zurück. In der neunten von 28 Runden kam Acosta im Windschatten von Martin besser aus Kurve 1 heraus.
Beim Anbremsen der Schikane - also genau dort, wo er am Samstag in Führung liegend gestürzt war - lag der KTM-Pilot vorn. Und von diesem Moment an gab er die Führung nicht mehr ab. Im Ziel hatte Acosta eine Sekunde Vorsprung auf Martin und damit seinen ersten Grand-Prix-Sieg in der Königsklasse im Sack.
"Ich habe versucht, aus meinem Fehler von gestern zu lernen", sagt Acosta und erklärt: "Ich habe versucht, den Vorsprung nicht größer als notwendig werden zu lassen. Ich habe versucht, immer ungefähr 0,5 bis 0,7 Sekunden vorne zu bleiben und habe über die gesamte Distanz den Spritverbrauch im Auge behalten, denn der war nicht ganz einfach zu managen. Jetzt bin ich natürlich sehr glücklich."
Acosta kann KTM "gar nicht dankbar genug sein"
Rückblickend darauf, wie seine Karriere in der Motorrad-WM bis zum Sonntag in Spielberg verlaufen ist, erklärt Acosta: "Ihr erinnert euch sicherlich, wie ich in die WM gekommen bin und sofort Moto3-Rennen gewonnen habe als wäre es einfach. In der Moto2-Klasse hatte ich ein bisschen mehr zu kämpfen, aber im zweiten Jahr war ich Weltmeister. In der MotoGP-Klasse hatte ich ich dann deutlich größere Schwierigkeiten. Deshalb bedeutet mir dieser Sieg jetzt hier viel mehr als die anderen, keine Frage."
Dass ihm der erlösende erste MotoGP-Sieg noch in Diensten von KTM gelungen ist, bevor er zur Saison 2027 zu Ducati wechseln wird, das freut Acosta umso mehr: "Es ist natürlich eine extrem emotionale Sache, weil es sowohl das Heimrennen von KTM als auch von Red Bull ist. Ich freue mich tierisch für sie und ich freue mich tierisch für mich selber. Wir hatten stark zu kämpfen und sie hatten stark zu kämpfen, im vergangenen Jahr sogar, um überhaupt in der Weltmeisterschaft bleiben zu können."
"Wie sie es geschafft haben, diese Krise zu überwinden und es uns ermöglicht haben, das Potenzial unseres Motorrads wiederherzustellen, das ist wirklich bemerkenswert", lobt Acosta die erfolgreichen Rettungsmaßnahmen im Hause KTM und fügt hinzu: "Ich kann ihnen gar nicht dankbar genug sein. Ja, es war ein langer Weg bis hierhin, aber diesen Erfolg werden wir jetzt natürlich umso mehr genießen."
Pit Beirer: "Bin der glücklichste Mensch auf diesem Planeten"
KTM-Motorsportchef Pit Beirer gesteht nach Acostas Sieg am Sonntag in Spielberg "große Emotionen", die er wie folgt beschreibt:
"Wenn ich daran zurückdenke, wie schwierig es Ende '24 und '25 für uns bei KTM war, wie sich das Unternehmen anschließend zurückgekämpft hat, und wir dann im Sommer diesen Jahres die Probleme mit den Motoren hatten, dann ist das Zurückschlagen wirklich erstaunlich. Zweiter in Aragon, Dritter in Misano und jetzt der Sieg beim Heim-Grand-Prix. Davon hätten wir vor ein paar Wochen nicht zu träumen gewagt."
"Ich bin wirklich der glücklichste Mensch auf diesem Planeten", sagt Beirer und spricht seine Danksagungen aus: "Vielen Dank an das Team! Vielen Dank an KTM! Vielen Dank an Pedro! Pedro ist ein unglaublicher Fahrer. Was er heute geleistet hat, noch dazu nach den Schwierigkeiten von gestern, das zeigt, was für ein Kaliber er als Fahrer ist. Danke Pedro!"
Crewchief Paul Trevathan erklärt, was Acosta so besonders macht
Auch Crewchief Paul Trevathan, der Acostas MotoGP-Karriere vom ersten Moment an aus nächster Nähe verfolgt hat und der nun passenderweise auch bei dessen Premierensieg für die Abstimmung des Motorrads verantwortlich zeichnete, ist überglücklich. Im Interview für MotoGP SEG, den Nachfolger von Dorna Sports, sagt Trevathan direkt nach Acostas Spielberg-Sieg: "Mal abgesehen vom Gewinn eines WM-Titels ist das die ultimative Errungenschaft, die man als Team erreichen kann."
"Es jetzt geschafft zu haben, nachdem ich Pedros Fortschritte über einen Zeitraum von drei Jahren gesehen habe und weiß, wie sehr er daraufhin gearbeitet hat, das bedeutet mir und dem Team einfach alles. Dieses Team ist durch die Hölle gegangen", spricht auch Trevathan auf die extrem kritische Phase Ende 2024 und Anfang 2025 in der Unternehmensgeschichte von KTM an.
Im MotoGP-Werksteam von KTM hat Trevathan vor seiner Zusammenarbeit mit Acosta mit Pol Espargaro und mit Miguel Oliveira gearbeitet. Acosta aber ist auch für ihn ein ganz besonderes Kaliber: "Jedes Mal, wenn er auf das Motorrad steigt, ist er fest entschlossen. Er ist anders als andere."
"Er will nicht mit dem Fahrrad trainieren, er will Motorrad fahren. Und er will schnell Motorrad fahren. Das ist alles, woran er denkt. Dafür tut er alles und holt sich die richtigen Leute um sich herum. Das ist seine Bestimmung. Dass sein Traum jetzt in Erfüllung gegangen ist, das ist einfach nur fantastisch", so Trevathan.
Bei einer Frage aber tut sich der erfahrene Crewchief schwer mit einer Antwort. Es ist die Frage von MotoGP-Reporter Jack Appleyard, wie viel mehr Pedro Acosta in Zukunft noch erreichen könne. "Diese Frage macht mir Angst, denn in diesem Moment kann ich das gar nicht sagen", so Trevathan. "Was ich sagen kann, ist: Wie dieser Kerl lernt, wie sich dieser Kerl an die Gegebenheiten anpasst, ist unfassbar. Er hat immer etwas Neues in seinem Hinterkopf, das er einbringt."
"Seit der Sommerpause agiert er auf einem anderen Level. Ja, ich habe das auch schon bei anderen großartigen Fahrern gesehen, aber normalerweise dauert das einen ganzen Winter", sagt Trevathan und weiter: "Pedro hat den Reset im Sommer geschafft und hat damit das ganze Team angespornt. Das ist einfach unglaublich. Also ja, um die Frage zu beantworten: Er wird seinen Weg gehen, denn dieser Weg ist noch nicht zu Ende."













