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Frank Williams: Noten für die Piloten

Juan Pablo Montoya bekommt von Sir Frank einen römischen Einser, Ralf Schumacher´s Zeugnis fällt nicht ganz so gut aus...

Bernhard Eder

"Juan hat ein Gespür fürs Überholen!"

Erst kürzlich hatte sich Ralf Schumacher darüber beschwert, dass er bei Teamchef Frank Williams im Vergleich zu Juan Pablo Montoya nur die zweite Geige spiele. Dass der Deutsche keinesfalls unter Verfolgungswahn leidet, sondern Sir Frank tatsächlich eine besondere Vorliebe für Ralf´s kolumbianischen Teamkollegen hat, macht ein "Auto Motor Sport"-Interview deutlich, in dem Williams seine beiden Fahrer vergleicht.

"Montoya ist der Typ Rennfahrer, der im Cockpit für jeden sichtbar alles gibt. Ich liebe ihn", so der Teamchef über seinen 'Musterschüler'. Ralf Schumacher muss im Vergleich dazu ziemlich harte Kritik einstecken: "1999 fuhr Ralf die gesamte Saison exzellent. In den letzten zwei Jahren hat er aber vor allem in der zweiten Saisonhälfte nicht immer das gezeigt, was er kann."

Eine Ausrede für Ralf´s diesjährigen Rückfall ab Saisonmitte lässt Williams gelten: "Vielleicht hat ihn die bevorstehende Geburt seines Sohnes etwas abgelenkt. Es hat da wohl im Vorfeld ein paar Komplikationen gegeben, und Ralf nahm seine Vaterschaft sehr ernst."

Was Frank Williams an Montoya besonders schätzt, ist dessen tolles Einschätzungsvermögen bei Überholmanövern. "Du musst in einer Millisekunde beurteilen: Wie stark wird das Auto auf dem schmutzigen Teil der Strecke übersteuern? Wieviel Straße bleibt dir auf der Außenbahn, vor allem in Kurven, die man schlecht einsehen kann? Wie weit wird das Auto, das du überholst, nach außen getragen?"

Auf diesem Gebiet, so Williams, ist Montoya der Beste der F1. "Juan hat einfach ein Gespür dafür. Das hat nichts mit Mut zu tun, nach dem Motto: Augen zu und durch." Auch Michael Schumacher kann nach Meinung von Sir Frank dem Kolumbianer, was das Zweikampfverhalten beim Überholen betrifft, das Wasser nicht reichen.

"Michael wird oft in Situationen überholt, wo du sagst: unmöglich, dass der Hintermann da am ihm vorbeifährt. Montoya hat das erkannt und Michael in Brasilien überrumpelt. Ich kann mir nicht vorstellen, dass sich Michael beim Bremsen eine Blöße gibt. Er scheint ein Problem damit zu haben, abzuschätzen, wie weit der Hintermann weg ist."

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