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„Früher wurde wenigstens am Anfang überholt!“

Der neue Modus sei schuld an fehlenden Überholmanövern in der Startphase – da die Autos relativ zum spritmengenbedingten aufgestellt Speed losbrausen...

Michael Noir Trawniczek

In den letzten Rennen sah man oft das gleiche Bild – schon nach wenigen Runden setzten sich die Fahrzeuge voneinander ab, Überholmanöver gab es, wenn es welche gab, eher im weiteren Verlauf des Rennens. Dass dies einen bestimmten Grund habe, stellte Ferrari-Technikchef Ross Brawn im Rahmen der FIA-Pressekonferenz vom Freitag fest. Der neue Qualifikationsmodus mit dem Tankverbot vor dem Rennen sei schuld an der Misere...

Brawn erklärt: „Entscheidend ist die Tatsache, dass man im Qualifying bereits mit Spritmenge für das Rennen anzutreten hat. Ich bin kein Befürworter dieses Modus, denn früher hatten wir wenigstens am Beginn eines Rennens noch Überholmanöver, weil die Autos auf verschiedenen Strategien unterwegs waren. Jetzt stehen die Autos schon beim Start in der Reihenfolge ihres relativen und von der Spritmenge her vorbestimmten Speeds.“

Das klingt logisch - wenn man Brawns Gedanken fortsetzt, könnte man also sagen, dass man aufgrund der Rundenzeiten des 2. Qualifyings ausrechnen kann, wie groß die jeweiligen Abstände der Autos nach beispielsweise drei Runden sein werden. Die „Spannung“ entsteht dadurch, dass manche Piloten dann eben ein wenig früher an die Box kommen müssen. Die Intention des neuen Modus war aber, die Rennen an sich spannender zu gestalten...

Brawn sagte auch: „Man wollte mit dem neuen Modus den kleinen Teams zu Highlights verhelfen, indem sie mit weniger Sprit bei der Qualifikation antreten. Aber wie man sieht, passiert das nicht. Denn diese Teams sind clever genug, zu erkennen, dass dies nur ein Kurzzeiteffekt ist und ihnen im Rennen nichts bringt. Ich habe das Einzelzeitfahren am Anfang sehr begrüßt, doch mittlerweile bin ich mir da nicht mehr so sicher. Klar erhalten die kleinen Teams mehr TV-Präsenz, aber ob das Spektakel dadurch besser wurde, bezweifle ich.“

Brawn fügt noch hinzu: „Ein Problem ist auch, dass die neue Regel das Design der Autos beeinflusst hat, die Tanks werden immer kleiner. Ist das einmal geschehen, kann man nur schwer wieder von diesem Konzept loskommen. Es ist wirklich zu hinterfragen, ob das Einzelzeitfahren ein Erfolg ist. Die Regel mit der Spritmenge bedingt zudem ein Einzelzeitfahren...Daher müssen wir uns nun ernsthaft fragen, ob dieser Modus wirklich funktioniert und ob wir ihn behalten wollen. Denn wenn man eine diesbezügliche Entscheidung trifft, werden dadurch gewisse Türen verschlossen.“

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