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Todt hadert mit dem Punktesystem

Ferrari-Teamchef Jean Todt beklagt, dass Michael Schumacher trotz zweier Siege in Folge nur vier Punkte auf Fernando Alonso aufholen konnte.

Nach den ersten drei Rennen der Saison hatte Michael Schumacher mit 17 Punkten bereits einen großen Rückstand auf WM-Spitzenreiter Fernando Alonso aufzuweisen. Obwohl der Ferrari-Pilot die vergangenen beiden Rennen in Imola und auf dem Nürburgring gewann, konnte er aufgrund des Punktesystems lediglich vier magere Pünktchen vom Vorsprung des Spaniers abknabbern, da dieser jeweils Zweiter wurde.

Sollte Schumacher von nun an jedes Rennen vor Alonso gewinnen, bräuchte der siebenfache Weltmeister bei nun noch 13 Punkten Rückstand noch sieben Rennen, um die Spitze in der WM-Gesamtwertung übernehmen zu können. Nach der alten Regelung, nach der ein Sieg ebenfalls mit zehn Punkten belohnt wurde, der zweite Rang aber nur sechs statt - wie derzeit - acht Zähler einbrachte, wäre Schumachers Rückstand nach dem Grand Prix von Australien zwar um zwei Punkte größer gewesen, allerdings wäre der Ferrari-Pilot durch seine beiden Siege bis auf elf Punkte an den Spanier herangerückt.

Punktesystem beweist, dass die FIA Ferrari nicht bevorzugt

Ferrari-Teamchef Jean Todt hadert mit dem System, das derzeit gegen sein Team arbeitet, findet sich jedoch notgedrungen damit ab. Eingeführt wurde die derzeitige Regelung, die zehn Punkte für den Sieger und acht Zähler für den Zweitplatzierten vorsieht, am Ende der Saison 2002, die Schumacher bereits viele Rennen vor Schluss für sich entschieden hatte.

"Das System ist ein Teil der Maßnahmen aus der Zeit, als Ferrari absolut dominierend war, so dass wir nicht bereits zur Hälfte der Saison einen Weltmeister haben würden", erklärte Todt gegenüber der Gazetta dello Sport. "Zu dieser Zeit war es das Ziel, die Saison so lange wie möglich offen zu halten."

"Wir haben es sportlich akzeptiert", berichtete er weiter. Dies sei jedoch zugleich ein erneuter Beweis dafür, dass der Automobilweltverband FIA keineswegs nur Regeln zu Ferraris Gunsten einführe, wie hinter vorgehaltener Hand vielfach gemunkelt wird: "Einige Leute sagen, dass die FIA ihre Entscheidung nach unserem Willen fällt, aber es sieht wohl so aus, als ob sie auch Dinge getan haben, die uns nicht favorisieren", sagte der Franzose.

Andere Teams und Fahrer könnten Zünglein an der Waage sein

Dennoch findet er sich - wenn auch widerwillig - mit den bestehenden Regeln ab: "So sind die Regeln, und wir müssen sie akzeptieren." Schließlich habe man ja noch viele Rennen vor sich, um selbst mit diesem System noch einmal an Alonso herankommen zu können. Dabei müsse man jedoch auch beachten, dass neben Ferrari und Renault auch noch andere Teams in die Entscheidung eingreifen könnten und somit Schumacher oder Alonso jeweils wichtige Punkte wegnehmen könnten: "Kimi Räikkönen hatte ein großartiges Rennen, es kämpfen also nicht nur wir und Renault."

Dass sich Ferrari nach dem problematischen vergangenen Jahr und den Schwierigkeiten in den ersten Rennen in dieser Saison derart erholt hat und nun wieder aus eigener Kraft um Grand-Prix-Triumphe kämpfen kann, sei überdies sehr wichtig für die Italiener, wie Todt betonte: "Die einzige Möglichkeit, wie wir all der Kritik, die von allen Seiten auf uns eingeprasselt ist, entgegnen konnten, war mit Fakten."

Erstarkung Ferraris aus zwei Gründen sehr wichtig

Man habe zwar schon seit Saisonbeginn gewusst, dass der 248 F1 ein konkurrenzfähiges Auto ist, doch umso "demütigender war es, nicht in der Lage zu sein, das mit Resultaten zu demonstrieren". Jedoch sei man sich von Anfang an sicher gewesen, "dass es nicht ein weiteres 2005 geben würde, und jetzt können wir alle überzeugen".

Doch nicht nur als Reaktion auf kritische Kommentare sei die Rückkehr an die Spitze von entscheidender Bedeutung gewesen. Auch für die in einigen Wochen anstehende Entscheidung Schumachers über eine weitere Fortsetzung seiner Karriere habe man gute Ergebnisse gebraucht: "Tage wie auf dem Nürburgring sind wichtig, um zu demonstrieren, dass Schumacher noch immer ein großer Champion ist, damit er selbst realisiert, dass er nach wie vor sehr stark ist, dass seine erreichten Leistungen hoch verdient sind und er noch immer viel erreichen kann", erklärte Todt abschließend.

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