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Formel 1: News

Farce um Pirelli-Vertragsverlängerung

Pirelli will den Vertrag als Reifenausrüster der Formel 1 bis 2018 verlängern, doch die Ausschreibung, zu der sich die FIA verpflichtet hat, droht zur Farce zu werden

Ende 2013 läuft der Dreijahresvertrag von Pirelli mit der FIA als alleiniger Reifenhersteller der Formel 1 aus. Die Italiener haben zuletzt immer wieder klargestellt, dass man das Engagement gerne verlängern würde - sogar bis 2018. "Wir würden gerne für mehr als drei Jahre verlängern, denn das ist der einzige Weg, dass sich die Investitionen wirklich auszahlen", meint Pirellis Motorsportchef Paul Hembery.

Mit Formel-1-Boss Bernie Ecclestone hat man sich bereits auf einen Vertrag für die Rennstreckenwerbung bis 2018 geeinigt. "Das ist ein sehr wichtiger Aspekt unseres Deals", sagt der Brite. "Die Streckenwerbung ist für uns sehr gewinnbringend, was die Wahrnehmung angeht." Nun hat Pirelli - ganz auf Transparenz bedacht - allen Teams gleichzeitig per Mail das neue Vertragsangebot von 2014 bis 2018 geschickt.

Derzeit zahlt jedes Team etwas mehr als eine Million Euro pro Jahr für das Reifenkontingent - Hembery verspricht für eine mögliche Vertragserneuerung, "dass die Kosten auf keinen Fall ansteigen werden." Er ist zuversichtlich, dass die Teams weiter mit Pirelli arbeiten wollen: "Bisher hatten wir nur positives Feedback. Alle Teams arbeiten gerne mit uns und sind glücklich mit dem, was wir für den Sport getan haben."

Warum die Teams den Pirelli-Vertrag nicht unterschreiben wollen

Doch in Wahrheit stößt die aktuelle Lage einigen Teams sauer auf. Sie kritisieren, dass sie nicht in die Vorverhandlungen mit Pirelli eingebunden waren, zudem fürchten sie, durch eine Unterschrift des Pirelli-Vertrags gegen das Sportliche Reglement der FIA zu verstoßen. Der Grund: Artikel 25,1 des Sportlichen Reglement für die Saison 2013 verpflichtet den Automobilweltverband, den neuen Reifenhersteller für die Ära nach 2013 mit einer offiziellen Ausschreibung zu ermitteln. Da die Teams durch ihre Nennung das Reglement 2013 akzeptiert haben, würden sie mit einer Unterzeichnung des Pirelli-Vertrags einer Ausschreibung vorgreifen und gegen das Reglement verstoßen.

Auch FIA-Rennleiter Charlie Whiting will an der Ausschreibung festhalten, schließlich würde man sonst gegen das eigene Reglement verstoßen und sich den Ärger der Europäischen Union zuziehen. Zudem könnte ein konkurrierender Reifenhersteller von Pirelli rechtliche Schritte gegen die FIA einleiten.

Ecclestone provoziert Todt

Dabei ist die Optik längst schief, denn durch den Vertrag von Pirelli mit Ecclestones FOM für die Rennstreckenwerbung würde sich ein Formel-1-Engagement für einen anderen Reifenhersteller kaum auszahlen - man darf also davon ausgehen, dass sich nur Pirelli bei der FIA-Ausschreibung bewerben wird.

Auch FIA-Präsident Jean Todt dürfte mit der aktuellen Lage alles andere als glücklich sein. Bereits bei der ersten Ausschreibung 2010 hätte der Franzose lieber seine Landsleute von Michelin als Sieger gesehen, doch am Ende setzte sich das Ecclestone-Lager und damit Pirelli durch. Dass der Brite nun mit dem Pirelli-Werbedeal die FIA-Ausschreibung zur Farce macht, darf auch als Provokation Ecclestones gegen Todt gewertet werden, denn hinter den Kulissen der Formel 1 tobt seit Jahren ein Machtkampf zwischen den beiden Intimfeinden.

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