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Rechbergrennen 2026: Bericht Kogler
Foto: Kogler Motorsport

„Ciao Papa“ - Michael Koglers Ritt auf der WRC-„Kanonenkugel“

Ohne jeden Test hat Michael Kogler ein 350 PS starkes Ford Fiesta WRC beim weltberühmten Rechbergrennen pilotiert - in Gedenken an seinen Vater Gottfried, der vor exakt 30 Jahren das Gleiche tat. Das Projekt „Ciao Papa“ war eine Herzensangelegenheit…

Begonnen hat dieses schöne Kapitel im Leben des Michael Kogler im vergangenen November, an einem Kaffeehaustisch - mit Vater Gottfried Kogler, der nach einem langen Kampf gegen die unheilbare Krankheit ALS am 10. Jänner 2026 von uns gegangen ist. Michael erzählt: „Das Ganze war eigentlich die Idee vom Papa. Er hat mit feuchten Augen erzählt, wie sein erster Einsatz in einem bärenstarken WRC beim Rechbergrennen vor genau 30 Jahren abgelaufen ist. Dabei sagte er einen Schlüsselsatz: ‚Ich hab’s damals nicht derfahren - aber dir traue ich es zu!‘ Da hat er mir Mut zugesprochen - auch jenen Mut dafür, dass ich so ein Projekt auf die Beine stellen kann.“

Wohl ahnend, dass sein Vater Gottfried, ein Motorsportler aus Leidenschaft, die Umsetzung des Projekts nicht mehr miterleben wird, begann für Michael Kogler nun die erkenntnisreiche Vorbereitungszeit: „Es war mir ein Anliegen, auch ohne ihn unseren Motorsportgeist weiterleben zu lassen. Ich habe die letzten drei Monate wie man so schön sagt ‚Türklinken geputzt‘, um das Projekt auf gesunde Beine zu stellen. Denn den dafür nötigen Betrag hatte ich ganz sicher nicht in der Portokasse. Dabei ist mir erst richtig klar geworden, wie viel Energie mein Papa in unsere Projekte gesteckt hat. Wie viel man tun muss, um von der Idee bis hin zum Rennstart zu gelangen.“

Ford Fiesta WRC - 350 PS und 450 Nm

Der 38-Jährige wurde bei RM Racing Austria, dem Rallye-Team von Roman Mühlberger fündig. Das Ford Fiesta WRC (World Rally Car) leistet satte 350 PS bei einem Fahrzeuggewicht von lediglich 1.200 Kilogramm, ein sattes Drehmoment von rund 450 Newtonmeter wird hier freigesetzt. „Das WRC schiebt dermaßen an, dass dir kurz die Luft wegbleibt. Das ist definitiv das stärkste Rennauto, das ich jemals fahren durfte“, erklärt Michael, der 2004 seine Pilotenkarriere begann und als früherer Alpe Adria Cup- und Austrian Rallye Challenge-Meister auf viele erfolgreiche Einsätze, auch in der Rallye-Europameisterschaft zurückblicken kann.

Doch seit rund 1,5 Jahren saß Michael Kogler in keinem Rennauto mehr. Eine Testfahrt war nicht möglich, sodass also der erste Trainingslauf beim weltberühmten Rechbergrennen tatsächlich die erste Berührung mit dem „giftigen“ Boliden war. Michael erzählt: „Wir haben zunächst die Strecke besichtigt und es waren schon am Freitag irrsinnig viele Fans vor Ort. Sie haben das World Rally Car bestaunt und mir Zuspruch gegeben. Sie sagten, dass sie die Story cool finden - dass ich mich in Gedenken an meinen Vater dieses Auto ohne jeden Test zu bewegen traue.“

Aus der Ehrfurcht wurde der Drang zur persönlichen Höchstleistung

Am Samstag wurde es dann schließlich ernst: Der erste Trainingslauf stand auf dem Programm. Michael gibt ganz offen zu: „Ich war dermaßen nervös, dass mir richtig schlecht wurde - wie einst als Teenie mit 17, als ich zum ersten Mal in einem Rennauto saß. Doch rund zehn Minuten vor dem Start habe ich mich ins Auto gesetzt und es hat sich alles gelegt, die Nervosität verschwand. Die Geilheit, diese Kanonenkugel bewegen zu dürfen, hat überwiegt. RM Racing Austria Teamchef Roman Mühlberger hat mir die komplizierte Launch Control zum Wegfahren erklärt - das Team hat mir ein Top-Auto hingestellt und mich optimal betreut. Es war auch für das Team ein Prestigeprojekt - denn es war ihr erster Einsatz bei einem Bergrennen.“

Gleich auf den ersten Metern erlebte Michael Kogler, was viele erleben: Rennfahren kann man nicht verlernen. Michael nickt: „Ja, es ist wie beim Schifahren oder Schwimmen: Ich konnte auch nach 1,5 Jahren Abstinenz vom ersten Meter an wieder meine Sinne und Fähigkeiten abrufen. Aus großer Ehrfurcht wurde nun der Drang, meine persönliche Höchstleistung abzurufen.“

Tatsächlich konnte sich Michael Kogler mit jedem Lauf zwischen einer und zwei Sekunden weiter steigern. Beim ersten Training markierte Kogler eine Zeit von 2:23,689 Minuten, beim zweiten Rennlauf brannte er mit 2:18,793 Minuten seine persönliche Bestzeit in den Asphalt. In der Kategorie AMF 1, Gruppe 4 beendete Michael Kogler das Rennen auf Platz 14 von jenen 30, die es ins Ziel geschafft hatten. Ohne jeden Test und nach 1,5 Jahren Motorsport-Abstinenz konnte Michael mit dem ungewohnten bärenstarken Boliden also im Mittelfeld dieses Berg-Klassikers landen. Wichtiger war Michael jedoch: „Es ist ein Traum in Erfüllung gegangen und ich konnte die Idee von meinem Papa in die Tat umsetzen. Nach dem letzten Rennlauf sind dann die Emotionen hochgekommen und ich habe im Cockpit meiner Euphorie freien Lauf gelassen und einfach nur an meinen Papa gedacht.“

„Ciao Papa“ - wer aller mitgeholfen hat…

„Ciao Papa“, das Motto für dieses wunderschöne Projekt, war auch auf dem gelb-roten Boliden zu sehen. Hauptsponsor dieses besonderen Einsatzes war „Energie direct“. Michael: „Das ist ein langjähriger Begleiter unseres Teams und nicht nur eine werbetechnische Verbindung. Mit Oliver Jung von Energie direct Österreich habe ich auch auf menschlicher Ebene eine tolle Verbindung.“ Ebenfalls als Sponsor an Bord war der Fritz Klub von Stefan Fritz, bekannt als Betreiber des früheren Bollwerks und als Rallyepilot selbst ein Begriff. „Dazu kommt noch unsere Stammwerkstatt KFZ Kirchner und eine Handvoll weiterer Gönner, die im Hintergrund bleiben wollen. Bei ihnen allen möchte ich mich für die wunderbare Unterstützung dieses Projekts ganz herzlich bedanken.“

Doch da sind noch zwei ganz spezielle Menschen, die als langjährige Helfer von Kogler Racing an diesem Wochenende ebenfalls dabei waren: „Tom Stiegler war so oft schon bei uns dabei - mittlerweile ist er selbst ein Racing Rookie und bei verschiedenen Automobil-Slaloms und Bergrennen am Start. Und natürlich unser Fritz - Fritz Gallhuber - feiert heuer sein 40-jähriges Jubiläum bei Kogler Motorsport. Fritz war ein guter Freund meines Papas und es war schön, dass er auch bei diesem Projekt wieder dabei war, mit mittlerweile 78 Jahren. Uns alle verbindet die gemeinsame Leidenschaft: der Motorsport.“

Bleibt also nur noch die Frage, wann das nächste Projekt vom Stapel gelassen wird? Michael Kogler lacht: „Konkret kann ich dazu derzeit noch nichts sagen. Aber: Wer einen Kogler kennt, der weiß, dass ein Kogler niemals loslassen kann. Es wird also schon noch weitere Motorsport-Geschichten geben…“

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