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Formel 1: News

Lotus buhlt um Werksunterstützung

Der Wechsel Kimi Räikkönens zu Ferrari hat die finanziellen Probleme des Lotus-Rennstalls ins Scheinwerfer-Licht gerückt.

Der Finne argumentierte, er wechsle nur zur "Scuderia", weil sein aktuelles Team ihn nicht bezahlen könne. Eine schallende Ohrfeige für die Lotus-Bosse Gerard Lopez und Eric Boullier, die seit Monaten händeringend um einen Investoreneinstieg kämpfen.

Lopez, der mit seiner Firma Genii Capital Haupteigentümer des Rennstalls ist, soll nun im arabischen Raum fündig geworden sein. Ihm ist bewusst, dass der Status quo nicht mehr länger tragbar ist. "Wenn wir weiter an der Spitze mitkämpfen wollen, dann ist ein Investor unsere einzige Überlebenschance", sagt er gegenüber Auto Hebdo. "Wir können die Rolle von Zorro, dem maskierten Rächer, nicht länger spielen. Unsere Ergebnisse mit unserem Budget einzufahren, grenzt an ein Wunder."

Um konkurrenzfähig zu sein, ging Lotus große Risiken ein: Man gab deutlich mehr aus als man einnahm - in der Hoffnung, durch die sportlichen Erfolge Geldgeber anzulocken, die dann den Schuldenberg tilgen würden. Doch dieses Szenario ist bislang nicht eingetreten.

Lotus wünscht sich Herstellerunterstützung

"Die Firma hat genau 124 Millionen Euro Schulden", rechnet der Luxemburger vor. "97 oder 98 Millionen schuldet sie Genii Capital. Es sind also enorme Schulden, allerdings beim Eigentümer", versucht er, durch Transparenz die ständigen Negativschlagzeilen in den Griff zu bekommen. Er lässt einen Vergleich seiner Investment-Gesellschaft Genii Capital mit dem Energy-Drink-Konzern Red Bull folgen: "Wäre ich Red-Bull-Besitzer, dann würde ich keine Kredite vergeben, sondern das Team sponsern. Aber ich habe nichts Konkretes, was ich verkaufen kann."

Auch wenn die aktuelle Lage an Lopez' Nerven zehrt, hat er für die Zukunft Pläne, wie er das Team retten möchte. Neben Investoren hat er auch die Automobil-Industrie im Visier. "Im Idealfall müssten wir uns um die Unterstützung eines Automobil-Herstellers bemühen", sagt er. "Das würde uns in der politischen Arena der Formel 1 Gewicht verleihen - und außerdem bei den Beziehungen zu Investoren und Miteigentümern."

Lotus-Team braucht Geld, Renault Werbewirkung

Was der Genii-Boss plant: Er möchte den früheren Teambesitzer Renault dazu bringen, sich beim Rennstall aus Enstone wieder stärker zu engagieren. Ende 2009 stiegen die Franzosen als Werksteam aus, 2010 und 2011 fungierte man noch als Namensgeber, seit 2012 heißt das Team Lotus, auch wenn der Automobil-Hersteller nichts bezahlt.

Renault hat währenddessen das Problem, dass man zwar seit Jahren das Weltmeister-Triebwerk stellt, dies aber in der Öffentlichkeit kaum wahrgenommen wird. Dazu kommt, dass die Red-Bull-Autos mit den Logos von Renault-Nissans Premiummarke Infiniti versehen sind - beim Endverbraucher kommt also die Botschaft, es handle sich um ein Renault-Triebwerk, kaum an.

Grosjean als Renault-Lockvogel?

Lotus-Teamchef Boullier schlägt daher gegenüber Formula1.com ganz offen vor: "Ich glaube an das Konzept, dass Renault auf zwei Teams setzt - Red Bull und uns." Lopez könnte sich sehr gut vorstellen, das Team wieder in Renault umzubenennen, um die Franzosen marketingtechnisch zu unterstützen: "Mich würde eine Namensänderung nicht stören. Es ist doch egal, ob das Team Genii, Lotus, Renault oder anders heißt."

Kein Wunder also, dass Grosjean auch in der kommenden Saison für die Truppe aus Enstone an den Start geht. Er ist eng mit dem französischen Mineralöl-Konzern Total und mit Renault verbunden - so möchte man den Landsleuten aus Viry-Chatillon eine mögliche Rückkehr versüßen.

Fix ist, dass Räikkönen, um den Lotus in den vergangenen zwei Jahren aufgebaut wurde, dann nicht mehr Teil des Teams sein wird. Lopez macht kein Hehl aus seiner Verstimmung, weil Räikkönen die kritische finanzielle Lage des Teams öffentlich thematisiert und als Abschiedsgrund angegeben hat: "Ich dachte, Kimi ist nicht des Geldes wegen in die Formel 1 zurückgekehrt. Jetzt ist mir aber klar, dass eigentlich das Gegenteil der Fall war."

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