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Sportdirektor erinnert sich an ähnliche Situationen bei Ferrari McLaren-Pilot Lando Norris wurde in Sotschi zum tragischen Helden
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Ross Brawn verteidigt McLaren und Norris: Hamilton hatte es einfacher

Haben McLaren und Lando Norris den Sieg in Sotschi einfach weggeworfen? Ross Brawn nimmt Team und Fahrer in Schutz

Das Drama um Lando Norris bestimmte die Nachbetrachtung des Russland-Grand-Prix der Formel 1 in Sotschi. Wer trug die Schuld daran, dass der Brite viel zu spät auf Intermediates wechselte? Hätte Norris die Situation besser einschätzen müssen? Oder hat das Team im entscheidenden Moment versagt?

Für Formel-1-Sportchef Ross Brawn ist die Betrachtung im Nachhinein zu einfach. "In Sotschi war es besonders schwierig, weil nur die Hälfte der Strecke nass war. Selbst mit dem Radar wusste keiner so richtig, wie nass es sein würde", schreibt Brawn in seiner Kolumne auf der offiziellen Formel-1-Webseite.

Dass Lewis Hamilton und Mercedes früher an die Box kamen, sei auch darauf zurückzuführen, dass sie viel weniger zu verlieren hatten als McLaren. Denn bei Norris sei es um den Sieg gegangen, bei Hamilton "nur" um den zweiten Platz.

Brawn erinnert sich an Ferrari-Zeit zurück

"Wenn du das Rennen anführst, dann willst du das nicht aufgeben. Wenn du vorne bist, hat der Typ auf Platz zwei eine viel einfachere Entscheidung zu treffen, denn er hat nichts zu verlieren. Entweder, er bleibt draußen und macht das, was der Typ vorne macht oder er versucht etwas und ist vermutlich nicht schlechter dran als am Anfang", erklärt Brawn.

Er selbst habe die Situation zu seinen Ferrari-Zeiten auch bereits erlebt und dadurch gelernt, dass das Team nicht immer recht haben muss. "Ein gutes Beispiel ist der Sieg von Rubens Barrichello beim Deutschland-Grand-Prix 2000. Wir haben ihn dazu aufgefordert, an die Box zu kommen, aber er meinte nur: 'Auf keinen Fall!' Er hat durchgehalten und das Rennen gewonnen", blickt Brawn zurück.

In Sotschi blieb eine klare Ansage des Teams an Norris aber ohnehin aus, der 21-Jährige erklärte nach dem Rennen, er habe gar nicht alle Informationen darüber gehabt, wie sich das Wetter entwickeln würde. Er selbst ging davon aus, dass der Nieselregen ein solcher bleibt und nicht stärker wird.

Brawn überzeugt: Norris wird stärker zurückkommen

Für Brawn liegt die Verantwortung in solchen Situationen tendenziell eher beim Team. "Ein Fahrer ist in einer Blase. Er sieht nicht, was los ist. In diesem Fall liegt die Entscheidung 60/40 beim Team. Aber es ist wirklich schwierig, weil man die Führung nicht aufgeben will", hält er fest.

Brawn selbst könne sich gut in die Gefühlswelt bei McLaren hineinversetzen, als klar war, dass die Entscheidung falsch und der Sieg weg war. "Das mulmige Gefühl, das ein Fahrer oder ein Team bekommt, wenn sie merken, dass sie eine falsche Entscheidung getroffen haben und der Vorsprung vor ihren Augen schwindet, ist schrecklich", sagt er: "Sie haben mein Mitgefühl, aber genau diese Art von Drama macht die Formel 1 so fantastisch."

Norris, der auf seinen Slicks geradeso noch an die Box schlitterte, wurde am Ende Siebter und wartet weiter auf seinen ersten Sieg in der Formel 1. Brawn geht jedoch nicht davon aus, dass die Ereignisse von Sotschi nachhaltigen negativen Einfluss auf ihn haben werden.

"Er hat sich in den letzten Jahren sprunghaft entwickelt", meint Brawn. "Lando wird das hinter sich lassen und ein noch stärkerer Fahrer werden. Es gab so viel, was ihm durch den Kopf ging, einschließlich der Tatsache, dass er das Qualifying besser als alle anderen gemeistert hat. Ich verstehe, warum er bei seinem Team so hartnäckig war", so Brawn weiter.

Motorsport-Total.com

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