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Red Bull & Porsche: Deal geplatzt! Das Porsche-Logo wird dem Bullen in Milton Keynes nun doch keine Gesellschaft leisten
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Red Bull & Porsche: Die Pressemitteilung lag schon in der Schublade!

Helmut Marko hat am Sonntagabend in Zandvoort den Red-Bull-Deal mit Porsche abgesagt, und jetzt fragen sich alle: Was ist seit Spielberg wirklich passiert?

Am Sonntagabend hat Helmut Marko in Zandvoort eine Bombe platzen lassen: "Porsche wird kein Anteilseigner bei uns werden", sagte er dem Motorsportportal 'F1-Insider.com'. Inzwischen bestätigen mehrere voneinander unabhängige Quellen im Zuge von Recherchen von 'Motorsport-Total.com', dass der Deal, der schon zum Greifen nah schien, nicht zustande kommen wird.

Bei Porsche ist die Enttäuschung über den geplatzten Deal groß. Und viele stellen sich die Frage: Was wäre passiert, hätte die FIA das Motorenreglement für 2026 wie geplant früher abgesegnet? Red Bull und Porsche waren einig, die "Partnerschaft auf Augenhöhe" beim Red-Bull-Heimspiel in Spielberg offiziell zu kommunizieren. Die Pressemitteilung lag schon in der Schublade.

Denn bereits bevor im April der Aufsichtsrat des Volkswagen-Konzerns sowohl für Audi als auch für Porsche grünes Licht gab, in die Formel 1 einzusteigen, hatten Red Bull und Porsche einen sogenannten "Termsheet" unterzeichnet. Dieser sah einen Porsche-Einstieg mit Übernahme von 50 Prozent der Anteile am kompletten Red-Bull-Formel-1-Programm vor.

Was nach dem Grand Prix von Österreich passiert ist, darüber wird jetzt in der Branche spekuliert. Teamchef Christian Horner soll, so wird behauptet, wenig Freude damit gehabt haben, das Formel-1-Programm aus einer gemeinsamen Gesellschaft heraus zu leiten, mit einem gleichberechtigten, von Porsche nominierten Geschäftsführer an seiner Seite. Eine Version, die Marko bestreitet.

Sorge um Gesundheit: Wie geht es Dietrich Mateschitz?

Aus einer anderen Ecke des Paddocks hört man, dass das Platzen des Deals unter Umständen auch mit dem Gesundheitszustand von Red-Bull-Chef Dietrich Mateschitz zu tun haben könnte, der zuletzt nicht mehr so greifbar war wie zu Beginn der Verhandlungen.

Die hatten sich zunächst ganz unkompliziert gestaltet. Doch je länger die Verhandlungen dauerten und je tiefer es ins Detail ging, je mehr Porsche-Konzernmanager mit am Tisch saßen, desto größer wurden bei Marko und Horner die Zweifel.

Mit Max Verstappen hat man bis 2028 den besten Fahrer der Formel 1 unter Vertrag. Mit Adrian Newey den vielleicht besten Designer. Und man hat kurze Entscheidungswege: "Dietrich ist immer voll hinter uns gestanden, wenn Fahrer- oder strategische Entscheidungen zu treffen waren", unterstreicht Horner, "und das ist eine unserer inhärenten Stärken und Teil unserer DNA."

Honda, Hersteller des derzeit vielleicht besten Motors, hat sich das mit der Endgültigkeit des Ausstiegs offenbar auch anders überlegt. Signale, dass die Japaner ab 2026 wieder mit voller Werkspower weitermachen möchten, verdichten sich. Wozu also einen deutschen Automobilhersteller mit all seinen bürokratischen Strukturen an Bord holen und sich dreinreden lassen?

Horner: Das hat er am Sonntag in Zandvoort gesagt

Wer Horner nach dem Rennen in Zandvoort genau zugehört hat, der konnte aus seinen Aussagen bereits herauslesen, dass sich Red Bull zu dem Zeitpunkt längst gegen Porsche entschieden hatte. "Wir sind ein unabhängiges Team. Wir haben immer so gearbeitet, dass wir die Fähigkeit hatten, flexibel, schnell und effizient zu sein. Das ist Teil der DNA, die Red Bull ausmacht", sagte er da.

Je länger die Gespräche mit Porsche andauerten, desto mehr wurde Horner und Marko bewusst: Wenn wir in Zukunft ein neues Projekt anstoßen wollen, wird es nicht mehr mit einem Anruf bei Mateschitz getan sein. Sondern dann muss erstmal eine Präsentation vorbereitet und von Vorstandsgremien abgesegnet werden. Das dauert, und der Ausgang ist offen.

Darauf haben weder Horner, der vor Red Bull noch nie in einem großen Konzern gearbeitet hat, noch Marko Lust. Horner unterstreicht: "Unsere Position ist, dass das Team das weltweit größte Marketingtool für Red Bull ist. Und warum sollten wir dafür langfristig gesehen auf der strategischen Ebene Kompromisse eingehen?"

Marko: Porsche kann kommen - aber nur beim Motor!

Dabei ist eine Partnerschaft mit Porsche aus Markos Sicht noch nicht endgültig geplatzt. Sollte Porsche an einer Zusammenarbeit mit Red Bull Powertrains interessiert sein, wäre man dafür offen, hört man. Red Bull Racing werde aber nicht verkauft, sagt er. Wissend, dass so ein Szenario für Porsche nicht in Frage kommt.

Eine Formel-1-Powerunit zu bauen, das ist eine ganz andere Nummer als ein Chassis. Aber Red Bull hält inzwischen nicht mehr für ausgeschlossen, das Motorenprojekt komplett selbst zu stemmen. Selbstvertrauen getankt hat man durch die Tatsache, dass der erste Red-Bull-Motor kurz vor der Sommerpause auf einem der neuen AVL-Prüfstände in Milton Keynes gelaufen ist.

Zwar noch ohne Batterie, aber Horner betont, dass Red Bull Powertrains dazu in der Lage ist, eine komplette Powerunit selbst zu entwickeln und zu bauen: "Die Spezialisten, die wir haben, umfassen den gesamten Antriebsstrang, auch elektrisch und mechanisch."

Horner: Red Bull kann Motor auch ohne Partner bauen

"Wir sind für 2026 fest entschlossen. Wir haben für Red Bull Powertrains einige der besten Köpfe der Formel 1 rekrutiert, wir haben innerhalb von 55 Wochen eine Fabrik aufgebaut, wir haben voll kommissionierte Prüfstände, haben unseren ersten Prototypmotor für 2026 gebaut, und er ist vor der Sommerpause erstmals gelaufen."

"Wir befinden uns gerade auf einer wirklich aufregenden Umlaufbahn, und wir sind dabei nicht abhängig von außenstehendem Investment. Der Antriebsstrang ist, das ist klar, eine ganz andere Herausforderung", räumt er ein. "Wenn es einen Partner gibt, mit dem man am Antriebsstrang zusammenarbeiten kann, dann würde das logischerweise Sinn ergeben."

Porsche: Kein Plan B zu Red-Bull-Partnerschaft

Das wird aber nicht Porsche sein. Für den deutschen Automobilhersteller kommt ein Einstieg nur als Anteilseigner, aber nicht als reiner Motorenlieferant in Frage. Das steht auch so im Mandat des Volkswagen-Aufsichtsrats. Und weil Porsche alles auf die Karte Red Bull gesetzt hat, scheint der Formel-1-Einstieg der Marke insgesamt abgesagt zu sein.

Für Porsche ein herber Rückschlag. Die Zuffenhausener bereiten gerade ihren Börsengang vor. Eine Teilnahme am boomenden Milliardenbusiness Formel 1, das für seine Teams noch nie so profitabel war wie seit der Einführung der Budgetobergrenze (die ab 2026 auch im Motorenbereich kommt), wäre Porsche gerade jetzt gut zu Gesicht gestanden.

"Marokko-Leak" belegt: Deal war so gut wie durch

Immerhin muss man sich bei Porsche nicht den Vorwurf machen, es nicht versucht zu haben. Den Rückzieher hat Red Bull gemacht. Dass es einen "Termsheet" gegeben hat, in dem von einer 50-Prozent-Beteiligung die Rede war, belegen die Veröffentlichungen der marokkanischen Kartellbehörde, die inzwischen die Runde durch die Medien gemacht haben.

Dass die Kartellbehörden den bevorstehenden Deal bekanntmachen würden, war sowohl Red Bull als auch Porsche voll bewusst. Die Entscheider hatten damit aber kein Problem, denn zum Zeitpunkt der Veröffentlichung der Pläne über ein gemeinsames Joint-Venture würde man den Deal ohnehin bereits kommuniziert haben. Nämlich am 7. Juli in Spielberg.

Dass Formel-1-Teams mit Automobilherstellern verhandeln und diese Verhandlungen dann platzen, ist nichts Neues. Dass ein Deal so weit voranschreitet und eine Partei dann in letzter Minute doch noch einen Rückzieher macht, das ist in der Form allerdings hochgradig ungewöhnlich. Und lässt Porsche enttäuscht zurück.

Red Bull: Lust an der Herausforderung

Bei Red Bull hingegen blickt man der Zukunft optimistisch entgegen. Verstappen wird bald seinen zweiten WM-Titel gewonnen haben, Horner und Newey können weiterhin ohne Interventionen aus Deutschland ihr Ding durchziehen, und mit Honda hat man zumindest bis Ende 2025 Sicherheit auf der Motorenseite. Verlängerung nicht ausgeschlossen.

"Zu unseren Stärken gehört, dass Red Bull schon immer eine Marke war, die querdenkt, ein Team, das nie Angst davor hat, neue Herausforderungen anzunehmen", sagt Horner. "Zuerst sind wir in die Formel 1 eingestiegen, und jetzt bauen wir einen Motor. Die Art und Weise, wie wir arbeiten, ist ziemlich anders, und es gehört zu unserer DNA, dazu in der Lage zu sein, Großes zu bewegen."

Horner bestreitet Gerüchte um internen Machtkampf

Dass er selbst die treibende Kraft hinter dem Platzen des Porsche-Deals gewesen sein soll, angeblich aus Angst um seine Position, kommentiert Horner mit einem milden Lächeln. Erst im vergangenen Winter wurde sein Vertrag als Teamchef bis 2026 verlängert. Und in den hat er sich mutmaßlich reinschreiben lassen, dass die operative Leitung unter seiner alleinigen Kontrolle bleibt.

"Ich habe mich erst kürzlich langfristig an dieses Team gebunden", sagt er. "In den Verhandlungen haben wir darüber gesprochen, dass es eine Voraussetzung ist, dass die Managementstruktur so bleibt, wie sie ist. Das wurde immer vollumfänglich akzeptiert. Insofern, glaube ich, muss ich so wilde Spekulationen nicht kommentieren."

Motorsport-Total.com

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