Volvo EX90 im Test | 08.01.2026
Unter den Schwingen des coolen Nordlichts
Je größer die Familie, desto größer die Ansprüche. Das bedingt Wachstum auch beim Auto, wobei der Volvo EX90 im herbstlichen Sonnenschein seine Qualitäten bei Jung und Alt unter Beweis stellen kann.
Roland Scharf
Kinder, wie die Zeit vergeht! Hie wie da, wohlgemerkt. Colin wuchs die letzten Jahre fast schon zu einem kleinen Erwachsenen heran mit seinen neun Jahren. Und Moira erst: Mit drei rennt und springt und wuselt sie schon eifrig durch die Gegend, macht Monat für Monat riesige Schritte – auch in der Entwicklung. Gesund und glücklich und wirklich toll, das alles. Aber als Elternteil muss man da erst einmal Schritt halten. Ein paar Regenerationstage im Monat dürfen also sein, und wenn der Herbstwind dermaßen charmant die bunten Laubblätter in den Vorhof der Burg Liechtenstein bettet und die warmen Strahlen der Sonne die Wiesen rundherum in warmem Licht erleuchten lassen, dann spricht doch nichts gegen einen day off, ein Tag zu viert in der Natur, um die eigenen Akkus vor dem langen Winter noch einmal aufzuladen. Nur der Fünfte im Bunde, der hat das noch lange nicht nötig. Denn dieses Mal steht ein junger Schwede bereit, dem nicht so schnell die Puste ausgeht: der Volvo EX90.
Strahlen wie die Sonne
Volvos ultimative Antwort auf die Frage nach dem modernen SUV. Nach Platz, Leistung, Umweltfreundlichkeit. Denn das „E“ im Namen steht für Elektro und so schlummert tief in den Eingeweiden dieses 90ers ein 500 kW starker E-Motor mit 680 PS und souveränen 870 Newtonmetern Drehmoment, der seine Ampereschweinchen aus einem 106 kWh großen Stromspeicher bezieht. Das ist wirklich groß, Freunde! Und es reicht ganz locker für 624 Kilometer nach dem strengen WLTP-Prüfzyklus. Problemlos jedenfalls für den Trip zur Burg, thronend oberhalb des Königreichs Mödling. Eine Technik jedenfalls, die den Mann
im Haus, Hans-Christian, begeistern kann. Der kühle Stratege mag die skandinavische Herangehensweise: durchdachte Lösungen, schlichtes, funktionelles Design, die Genialität der Simplizität der Bedienung.
Unlogik passen weder zu Hans-Christian noch zum EX90, und auch beim zeitlosen Design des gewählten (Blech-)Kleids könnten sich die beiden die Hand reichen. Mann Numero due im Haus, Colin, hat inzwischen herausgefunden, wie man Quengeleien mit dem Schwesterchen aus dem Weg geht: Per Knopfdruck lässt sich die dritte Sitzreihe nämlich ruckzuck aufstellen, somit hat jeder seine eigene Rücksitzbank, ätsch! Und Mutter Carolina bleibt nicht nur deswegen tief entspannt. Denn auch bei voller Bestuhlung bleiben noch 384 Liter Kofferraumvolumen – mehr als genug für all die Jacken und Taschen, die man so mithat. Wobei – wirklich mag sie es ja flott. Man hat ja nichts zu verschenken, schon gar nicht Zeit! Von der Schule zum Kindergarten, all die Einkäufe noch, ein kurzer Besuch bei der Oma, gefolgt von Colins Gitarrenunterricht und Moiras Ballettstunden. Ach, wie sie das Tanzen liebt! Natürlich ist der Volvo groß. Aber die klassisch-kantige Grundform macht ihn dennoch easy zum Ein- und Ausparken, es gibt Sicherheitsfeatures in allen erdenklichen Formen, passiv wie aktiv.
Und die knappen 4,2 Sekunden für den Gardesprint auf 100 km/h fühlen sich mindestens so reizvoll an wie Hans-Christians Vorratskammer: Jede Menge, was da drin steckt! Aber man nimmt sich dann ja doch nur immer ein klein wenig heraus.
Wie instinktiv die Bedienung des EX90 ist? Fragen wir am besten die Unparteiischste in der Runde. Moira weiß sofort, wie das Lenkrad zu halten ist, wo es was auf dem großen Touchscreen zu finden gibt. Colins Suche nach dem nächsten Bedienknopf hat inzwischen den Frunk geöffnet. 37 Liter, das reicht nicht nur für die Ladekabel, auch kann man die schönsten Blätter und Kastanien hier in aller Ruhe sortieren, die man im Burgpark gerade gesammelt hat. Aber jetzt reicht’s erst einmal. Man ist ja nicht nur wegen des großen Nordlichts hier. Der Spielplatz ruft! Und sollte man sich zwischendurch ein wenig ausruhen wollen – die Fondsitze lassen sich im Nu auch wieder umlegen. Echte Familienautos sind auch dann gut, wenn man nicht damit fährt, oder?













