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Rennen Abu Dhabi Max Verstappen hat den Grand Prix von Abu Dhabi 2023 souverän gewonnen
Motorsport Images

Rennen Abu Dhabi: Verstappen gewinnt, Mercedes erobert WM-Millionen!

Hochspannung im Kampf um Platz 2: Mercedes muss bis in die letzte Runde fighten, während Max Verstappen entspannt zu seinem 19. Saisonsieg cruist

Der dreimalige Weltmeister Max Verstappen hat die Formel-1-Saison 2023 im Stile eines großen Champions beendet und im 22. Grand Prix des Jahres seinen 19. Sieg gefeiert. Der Red-Bull-Pilot gewann das Flutlichtrennen auf dem Yas-Marina-Circuit in Abu Dhabi souverän vor Charles Leclerc (Ferrari) und George Russell (Mercedes).

Das größte Spannungselement in einem ansonsten überschaubar aufregenden WM-Finale war der Kampf um Platz 2 in der Konstrukteurswertung. Ferrari musste dafür vier Punkte auf Mercedes aufholen. Leclerc erledigte drei davon, denn für seinen zweiten Platz gab es 18, für Russells dritten nur 15 Punkte.

Doch weiter hinten kam Lewis Hamilton als Neunter ins Ziel, vor Carlos Sainz (18.), der nach einem extrem späten zweiten Boxenstopp stehenblieb, und damit war Platz 2 für Mercedes fixiert. Zwar läuft gegen Hamilton noch eine FIA-Untersuchung (Mechaniker hatten beim Boxenstopp das Helmvisier offen), dass diese aber eine Zeitstrafe ergeben wird, gilt als unwahrscheinlich.

Mercedes drohte bis kurz vor Schluss Gefahr von hinten, in Form von Sergio Perez (Red Bull), der Russell den dritten Platz vielleicht noch abnehmen hätte können. Perez hatte sich aber zuvor bei Kurve 6 mit einem holprigen Manöver an Lando Norris (McLaren) vorbeigebremst und kassierte dafür eine Fünfsekundenstrafe.

So fuhr Perez zwar als Zweiter über die Ziellinie, wurde aber nur als Vierter gewertet, sodass Mercedes die nötigen Punkte fixiert hatte. Norris wurde Fünfter, gefolgt von Teamkollege Oscar Piastri, Fernando Alonso (Aston Martin), Yuki Tsunoda (AlphaTauri), dessen beherztes Rennen mit Einstoppstrategie nicht reichte, um in der WM an Williams vorbeizugehen, Hamilton und Lance Stroll (Aston Martin).

Nico Hülkenberg (Haas) konnte seine achte Startposition nicht nutzen, fiel gleich in der ersten Runde aus den Top 10 raus und hatte danach keine Chance mehr, doch noch in die Punkteränge vorzustoßen. Er wurde 15. und schlug damit seinen Teamkollegen Kevin Magnussen, der als 20. und Letzter über die Ziellinie fuhr.

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Die Idee, Perez kampflos vorbeizulassen, damit dieser am Ende als Dritter gewertet wird, zwischen Leclerc und Russell, hatte Leclerc selbst. Wäre der Plan aufgegangen, hätte Ferrari die WM auf Platz 2 beendet, vor Mercedes.

Russell wurde am Ende 1,1 Sekunden vor Perez gewertet. "War eng mit Checo am Ende", sagt Russell. "Ich dachte, Charles würde mich in der letzten Runde aufhalten und einbremsen. Respekt dafür, dass er es sauber gespielt hat. Es war am Ende wirklich angespannt, die Reifen neigten sich dem Ende zu. Aber ich bin heilfroh, dass wir Platz 2 für das Team absichern konnten."

Leclerc schildert aus seiner Sicht: "Wir mussten Checo helfen, damit er trotz der Strafe vor Russell ins Ziel kommt. Ich habe ihm DRS und Windschatten gegeben, aber es hat leider nicht ganz gereicht. Ich bin trotzdem glücklich, denn es gibt nichts, was wir dieses Wochenende besser machen hätten können."

Was man von außen nicht sehen konnte: "Ich habe wahrscheinlich vielmal pro Runde gehustet", klagt Russell, der körperlich angeschlagen war. "Es ging mir wirklich nicht gut, und das hat nicht geholfen. Es ist eine Erleichterung, das Auto auf Platz 3 ins Ziel gebracht zu haben. Ich kann nicht glauben, dass es erst das zweite Podium der Saison für mich war. Aber ich bin froh, die Saison so zu beenden."

Warum könnte Perez Ärger mit der FIA kriegen?

Dass er für sein gescheitertes Manöver gegen Norris bei Kurve 6 mit einer Fünfsekundenstrafe belegt wurde, passte dem Mexikaner ganz und gar nicht. Am Boxenfunk fluchte er: "Die Kommissare sind ein Witz. Sie waren schon das ganze Jahr sehr schlecht. Aber das ist ein Witz. Das war wirklich ein Witz!" Eine Wortmeldung, die bei der FIA gar nicht gut ankam. Perez musste deswegen nach Rennende bei den Kommissaren vorsprechen. Urteil: Verwarnung.

Wer war der Verlierer des Starts?

Hülkenberg kam als 13. aus der ersten Runde zurück und verlor damit mehr Positionen als jeder andere Fahrer, nämlich fünf. Er lag damit in der Anfangsphase hinter Stroll, der bestplatzierte Fahrer, der auf harten Reifen gestartet war (neben Sainz und Valtteri Bottas). In Runde 2 fiel Hülkenberg dann auch noch hinter Sainz zurück.

"Ich bin einfach schlecht weggekommen", seufzt Hülkenberg, "und dann hat es sich so angefühlt, als ob jeder andere einen Superstart hatte, und die Autos sind an mir vorbei. Auch runter nach Kurve 5. Ich war irgendwie in so einer Negativdynamik drin und konnte mich irgendwie nicht befreien, musste gucken, dass ich mit keinem kollidiere."

"Das hat uns dann mehr oder weniger direkt in die Position versetzt, wo wir eigentlich hingehören vom Speed her. Von daher hat das nicht wirklich was gekostet heute. Die Position hätten wir so oder so verloren", sagt er. "Danach war es ein sauberes Rennen. Wir haben einfach nicht den Speed, um mitzugehen, was die Jungs vorn im Mittelfeld machen. Das hat sich heute nochmal bestätigt."

An der Spitze konnte sich Verstappen durchsetzen, allerdings nicht ohne sich wehren zu müssen. Gleich zweimal attackierte ihn Leclerc: einmal bei Kurve 6 innen, dann noch einmal bei Kurve 9 außen. Verstappen verteidigte die Führung aber und begann dann, sich abzusetzen. Nach zwei Runden hatte er Leclerc aus der DRS-Sekunde abgeschüttelt, und er konnte anfangen, sich aufs Reifenmanagement zu konzentrieren.

"Ich wollte natürlich in Führung gehen", erklärt Leclerc. "Aber wir wussten auch, dass wir langsamer waren. Selbst wenn ich Max überholt hätte, wäre er wahrscheinlich drei, vier Runden später wieder an mir vorbeigegangen. Und am Ende war unser einziges Ziel, Mercedes zu schlagen. Also wollte ich nicht zu viel Reifen schon gegen Max einsetzen."

Weiter hinten verlor Russell den vierten Platz am Start an Norris, und Hamilton machte zunächst drei Positionen gut. Allerdings wurde der Mercedes-Fahrer noch in der ersten Runde wieder von Perez überholt - in einem Duell, das optisch fast wie eine Neuauflage des Rad-an-Rad-Fights der beiden im Jahr 2021 aussah.

Indes konnte Piastri seinen dritten Platz nicht lang halten. Der McLaren-Pilot musste gleich in der Anfangsphase Norris durchlassen, und in Runde 11 konnte er sich auch gegen Russell nicht länger verteidigen. Ganz im Gegenteil: Kaum war Russell vorbei, fing von hinten auch Tsunoda zu drücken an. Auch Piastri somit einer der Verlierer der Startphase.

Wann begannen die Boxenstopps?

Vor dem Rennen war nicht ganz klar, ob man mit einer Einstoppstrategie durchfahren kann oder ob doch zwei Stopps schneller sind. Am Ende waren Tsunoda (8.), Esteban Ocon (12.) und Bottas (19.) die einzigen Fahrer, die die Einstoppstrategie wirklich durchzogen.

Der erste Topfahrer, der, an siebter Stelle liegend, an die Box kam, war in Runde 12 Alonso, der von Medium auf Hard wechselte und dadurch auf Platz 18 zurückfiel. Eine Runde später kam auch Piastri rein, sodass Tsunoda vorübergehend auf Platz 5 aufrückte. Piastri kam hauchdünn vor Alonso auf die Strecke zurück.

In Runde 14 kamen Norris und Russell rein, weil deren Crews gesehen hatten, dass Piastri und Alonso erstklassige Sektorenzeiten fahren konnten. Weil die Mercedes-Mechaniker schneller arbeiteten als jene von McLaren, tauschten Russell und Norris dabei die Plätze. Russell lag jetzt "virtuell" auf Rang 3 und auf der Rennstrecke auf Rang 13.

In Runde 15 kam Hamilton an die Box, nachdem er kurz zuvor Pierre Gasly (Alpine) beim Anbremsen hinten draufgefahren war, was ihn seine Frontflügelendplatte auf der linken Seite kostete. Gasly hatte sich in der Linkskurve verbremst, und Hamilton ließ sich davon möglicherweise irritieren. "Ich habe definitiv Vorderachse verloren", funkte Hamilton.

Hamilton wirkte dann phasenweise lustlos und lag zu Halbzeit des Rennens an achter Position. Teamchef Toto Wolff munterte ihn am Boxenfunk immer wieder auf, mit Funksprüchen a la: "Lewis, du bist das schnellste Auto auf der Strecke!" Was freilich meistens gar nicht stimmte ...

Wie ging's an der Spitze weiter?

Verstappen wechselte in Runde 16 von Medium auf Hard und fiel dadurch zunächst auf den siebten Platz zurück. Jetzt führte Leclerc, während Verstappen unmittelbar hinter Sainz auf der Strecke lag. In Runde 17 kam auch Leclerc rein, blieb aber deutlich hinter Verstappen. Abstand nach dem Boxenstopp: 3,4 Sekunden.

Jetzt führte Tsunoda den Grand Prix an, 5,6 Sekunden vor Stroll und 8,2 Sekunden vor Sainz. Die Top 3 hatten allesamt noch nicht Reifen gewechselt. Das dauerte bis Runde 22, als sowohl Tsunoda als auch Stroll an die Box kamen und Verstappen somit wieder die Führung übernahm, 4,4 Sekunden vor Leclerc und 6,5 Sekunden vor Russell. Tsunoda war durch den langen ersten Stint vorerst nur noch Zwölfter.

Wurde es für Verstappen nochmal gefährlich?

Als gegen Runde 35 die Serie der zweiten Boxenstopps losging, fühlte sich Verstappen offenbar schon ziemlich sicher. Er funkte an seine Crew: "Wenn ihr wollt, könnt ihr Checo vor mir reinholen!" Um dem Mexikaner dabei zu helfen, auf Platz 2 zu fahren - in der Annahme, dass er selbst so oder so gewinnen würde.

Perez kam in Runde 42 rein, um Reifen zu wechseln, und fiel vom zweiten auf den sechsten Platz zurück, 9,6 Sekunden hinter Leclerc auf P2 und 1,5 Sekunden hinter Tsunoda auf P5. Eine Runde später kam dann auch Verstappen rein - und blieb in Führung, 5,3 Sekunden vor Leclerc. Jetzt musste er den Sieg nur noch ins Ziel bringen, hatte er doch auch die um acht Runden frischeren Reifen.

"Die Auslaufrunde", sagt Verstappen, "war ein bisschen emotional. Es ist das letzte Mal, dass ich in diesem Auto gesessen bin, das mir so viel gegeben hat. Ich bin auch stolz, das letzte Rennen gewonnen zu haben, und möchte mich bei jedem bei Red Bull bedanken. Es war ein unglaubliches Jahr, und es wird schwierig, so etwas nochmal zu erreichen."

Warum wurde Alonsos Fahrweise untersucht?

Der Aston-Martin-Pilot kämpfte gerade mit Hamilton um Platz 11, als er, gerade aus der Box kommend und vor Hamilton liegend, vor der Haarnadel vom Gas ging. Offensichtlich wollte Alonso lieber hinter Hamilton sein, dafür aber DRS-Vorteil haben. Hamilton spielte nicht mit, bremste selbst ab und klagte an: "Er hat einen Bremstest mit mir gemacht!"

Die Rennleitung untersuchte den Zwischenfall anschließend wegen erratischer Fahrweise, kam aber zum Urteil: "No further action." Also keine Strafe. Alonso grinst: "Lewis ist offensichtlich sehr clever und versteht den Sport wirklich gut. Er hat viel Erfahrung. Aber ich habe mehr!"

Denn Hamilton ging auf der nächsten Gerade, ausgestattet mit dem DRS-Vorteil, zunächst an Alonso vorbei. Der hatte zu dem Zeitpunkt jedoch die frischeren Reifen, blieb an Hamilton dran, hatte zwei Runden später selbst DRS und nutzte diesen Vorteil zu einem erfolgreich exekutierten Konter.

Interessant: Etwas später gab's auch gegen Hamilton eine Untersuchung, wegen eines Vergehens beim Boxenstopp. Offenbar hatten nicht alle Mechaniker ihre Helmvisiere zugeklappt, was nach dem Rennen untersucht wird.

Dabei stellte sich heraus: Die Mercedes-Mechaniker waren nicht die einzigen, die es mit dem Schutz ihrer Augenpartie nicht so genau nahmen. Weswegen die Teammanager aller zehn Teams vorgeladen wurden, sich nach dem Rennen zu erklären. Strafen gab's keine. Die Teams wurden aber daran erinnert, das Thema Schutzkleidung nicht auf die leichte Schulter zu nehmen.

Wäre für Tsunoda mehr drin gewesen?

Tsunoda belegte letztendlich den achten Platz, für den es vier Punkte gibt. Zu wenig, um die sieben Punkte Rückstand auf Williams in der Konstrukteurs-WM aufzuholen. Ärgerlich, denn hätte der Kommandostand nicht stur auf einer Einstoppstrategie beharrt, wäre vielleicht zumindest Platz 7 möglich gewesen.

Teamchef Franz Tost ist "stocksauer, weil wir zu blöd waren, eine richtige Strategie zu wählen". Er habe "gleich erkannt", dass sich die Einstoppstrategie "wahrscheinlich nicht ausgehen wird. Und ich sage jetzt einmal: Ein siebter Platz war hundertprozentig realistisch für Yuki. Das haben wir vermurkst, weil die Herren Techniker, die stundenlang vor dem Computer sitzen, es nicht zustande gebracht haben, eine Strategie auszurechnen, die dann auch funktioniert."

Gibt's nach Rennende noch Formel-1-Content zu sehen?

Die Formel-1-Saison 2023 ist vorbei. Das nächste Rennen findet erst am 2. März 2024 in Bahrain statt . Die Fans, die sich auch nach Abu Dhabi über die Formel 1 informieren wollen, finden ihr Zuhause auf dem YouTube-Kanal von Formel1.de. Dort gibt's schon am Sonntagabend die ersten Highlights.

Denn um 20:00 Uhr steht die F1-Liveshow mit Host Kevin Scheuren und Chefredakteur Christian Nimmervoll auf dem Programm. Die beiden analysieren den Rennsonntag und liefern die interessantesten Stimmen von Fahrern und Teamchefs aus den Medienrunden vor Ort nach, die nach Ende der TV-Übertragungen gefallen sind.

Am Montag gibt's dann die Rennanalyse aus Daten- und strategischer Sicht, wie immer aufbereitet von Kevin Hermann mit den Tools unseres Technologiepartners PACETEQ. Die Datenanalyse wird als Video auf dem Kanal veröffentlicht. Und am Montag um 18:00 Uhr steht dann der Starting-Grid-Podcast auf dem Programm, der nach Abu Dhabi erstmals live gestreamt wird.

Für die Formel-1-freie Zeit im Winter sind auf dem Kanal weitere Highlights geplant. Etwa virtuelle Stammtische exklusiv für Kanalmitglieder mit Gästen wie Nick Heidfeld und Alexander Wurz , ein Jahresrückblick mit den Formel-1-Experten Ralf Schumacher und Marc Surer sowie Kommentare zu den wichtigsten Ereignissen hinter den Kulissen des Grand-Prix-Sports.

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