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GP von England: Qualifying George Russell feiert in Silverstone eine historische Poleposition
Motorsport Images

Drei Briten in den Top 3: Historisches Qualifying in Silverstone!

Nico Hülkenberg geigt einmal mehr groß auf, aber in die Geschichtsbücher tragen sich diesmal George Russell, Lewis Hamilton und Lando Norris ein

Historisches Ergebnis im Qualifying zum Grand Prix von Großbritannien 2024: Lokalmatador George Russell (Mercedes) sicherte sich die Poleposition vor seinem Teamkollegen Lewis Hamilton und Lando Norris (McLaren) - also dreimal Union Jack auf den ersten drei Plätzen! Und die Fans in Silverstone hatten trotz des anfangs schlechten Wetters plötzlich allerbeste Laune.

Es war ein Qualifying, das bis zur letzten Minute spannend war. Bereits nach dem ersten Q3-Run lagen (zum ersten Mal seit 1968) drei Briten auf den ersten drei Plätzen: Russell 0,006 Sekunden vor Norris und 0,172 Sekunden vor Hamilton.

Max Verstappen (Red Bull), zu dem Zeitpunkt Fünfter, kämpfte im Qualifying mit stumpfen Waffen. Er hatte sich bei einem Ausritt in Q1 den Unterboden beschädigt, sodass es ihm an Anpressdruck fehlte. Und zählte damit vor der alles entscheidenden Runde nicht zum engsten Favoritenkreis auf die Pole.

Im finalen Showdown ging Hamilton dank einer Zeitenverbesserung kurz an Russell vorbei, der konnte aber ebenfalls zulegen und holte sich die Poleposition zurück - mit einer Bestzeit von 1:25.819 Minuten und 0,171 Sekunden Vorsprung auf Hamilton. Und Norris wurde Dritter, sodass am Sonntag wirklich drei Briten auf den ersten drei Startpositionen stehen.

Ein historisches Ergebnis. Zum letzten Mal war das der stolzen Formel-1-Nation in Südafrika 1968 gelungen. Damals holte Jim Clark vor seinem Lotus-Teamkollegen Graham Hill (dem Vater von Damon) die Poleposition, und Dritter wurde Jackie Stewart auf Matra.

Verstappen steigerte sich indes mit seinem letzten Versuch auf 1:26.203 Minuten und eroberte damit Platz 4, hauchdünn vor Oscar Piastri (McLaren).

Nico Hülkenberg (Haas), am Freitag sensationell Vierter, war nach dem ersten Q3-Run nicht minder sensationell Sechster, vor einem Ferrari und beiden Aston Martins. Und fuhr dann sogar absolute Bestzeit im ersten Sektor!

Kurzzeitig schob er sich an Verstappen vorbei auf Platz 5, der amtierende Weltmeister ging aber wieder an Hülkenberg vorbei, sodass es bei Rang 6 blieb. Die Zeiten im zweiten und dritten Sektor waren für die ganz große Haas-Sensation dann doch nicht gut genug.

"Die letzte Runde war nicht ganz sauber. Da wäre noch ein bisschen mehr gegangen. Aber P6 ist schon okay", freut sich Hülkenberg und lobt das umfangreiche Update seines Haas-Teams: "Das Auto verzeiht jetzt mehr."

Carlos Sainz (Ferrari), Lance Stroll (Aston Martin), Alexander Albon (Williams) und Fernando Alonso (Aston Martin) rundeten die Top 10 ab.

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Ticker: Paddock live mit Ruben Zimmermann
Stream: Analyse live auf YouTube (23:00 Uhr)

Nächstes Perez-Aus in Q1: Hat das Folgen?

Christian Horner schüttelte am Red-Bull-Kommandostand den Kopf: Sergio Perez rutschte in Q1, an zehnter Stelle liegend und unmittelbar nach dem Wechsel von Intermediates auf weiche Slicks, bei Copse ins Kiesbett. "Ich stecke fest", seufzte er am Boxenfunk - und konnte es nicht glauben.

"Wir sind draußen, Checo", stellte sein Renningenieur fest. Perez wollte es nicht wahrhaben: "Die müssen mich doch nur zurückschieben. Dort ist ein Streifen Asphalt." Doch sein Renningenieur belehrte ihn: Sollten ihn Sportwarte anschieben, wäre das eine Inanspruchnahme unerlaubter Hilfeleistung. "Wir dürfen nicht mehr teilnehmen, Checo. Das war's!"

Doch die Session war für den in der Kritik stehenden Mexikaner beendet. Ein denkbar ungünstiger Zeitpunkt, verdichten sich doch Gerüchte, wonach er sein Renncockpit trotz des erst kürzlich unterschriebenen Zweijahresvertrags verlieren könnte.

Wohl kein Zufall: Am Donnerstag testet Liam Lawson im Zuge von Filmaufnahmen in Silverstone einen aktuellen RB20. Er könnte, heißt es, Perez im extremsten Fall sogar noch während der laufenden Saison ersetzen.

Perez stehe "unter Druck, das sieht man auch an seinen ganzen Gesten", sagt Red-Bull-Motorsportkonsulent Helmut Marko im Interview mit Sky. "Das hilft nicht, um aus diesem Tief herauszukommen. Gott sei Dank kann man ja halbwegs überholen. Aber von P19 sehe ich da kaum eine Chance, um in die Punkte zu kommen."

Trösten kann sich Perez damit, dass wenig später Verstappen an der exakt gleichen Stelle von der Strecke abkam. Der Niederländer verteidigt sich: "Ich war zur falschen Zeit am falschen Ort. Ich kam aus Kurve 7 und es hat auf meinem Visier geregnet, und alle anderen waren schon durch den kleinen Regenbereich durch. Ich habe versucht, noch etwas Speed rauszunehmen. Ich habe gelupft, aber es war nicht genug."

Verstappen blieb aber nicht im Kiesbett stecken, sondern konnte weiterfahren. Zu dem Zeitpunkt hatte er noch keine Rundenzeit mit Trockenreifen absolviert - und lag an 15. Position. Erst mit seiner nächsten Runde schob er sich sicher ins Q2 rein, als Elfter. Perez belegte P19.

Wie wirkten sich die Wetterkapriolen in Q1 aus?

Obwohl der Regen rechtzeitig aufgehört hatte, begann die Session zunächst auf feuchter Strecke - und in Q1 mit Intermediates. Nach sieben Minuten war Leclerc der Erste, der mit weichen Slicks rausfuhr.

Der Ferrari-Pilot hatte auf Intermediates eine persönliche Bestzeit von 1:38.039 Minuten aufgestellt. Seine erste Rundenzeit auf Slicks musste er wegen der roten Flagge (Perez) abbrechen. Nach neun Minuten Pause war die Strecke aber noch trockener. Jetzt nahm niemand mehr den Intermediate.

Allerdings hingen dunkle Wolken über der Strecke, und es schien nur noch eine Frage der Zeit zu sein, bis es wieder anfangen würde zu regnen. Eine heikle Phase für viele, inklusive Topfavorit Verstappen. Es blieb jedoch, auch während der Pause bis Q2, bei ein paar Tropfen.

Letztendlich waren es dann Valtteri Bottas (Sauber), Kevin Magnussen (Haas), Esteban Ocon (Alpine), Sergio Perez (Red Bull) und Pierre Gasly (Alpine), die in Q1 auf den Positionen 16 bis 20 ausschieden. Bottas hatte eine halbe Sekunde Rückstand auf P15 (Hülkenberg). Und Ocon ärgerte sich: "Unglaublich. Die einzige Runde, in der ich pushen musste, war die Runde, in der es nass war!"

Lance Stroll (Aston Martin) handelte sich in Q1 übrigens eine Untersuchung durch die Rennkommissare ein. Weil er trotz roter Ampel aus der Box gefahren war. Als Zwölfter schaffte er aber zumindest den Q2-Cut.

Hatte Verstappen in Q2 ein technisches Problem?

Als Q2 begann, hatten sich die dunkelsten Wolken wieder verzogen. Die FIA meldete auf dem offiziellen Timingschirm: "normale Gripverhältnisse". Und die 15 verbliebenen Fahrer setzten geschlossen auf weiche Slicks. Nur neben der Ideallinie war es stellenweise noch feucht.

Durch die berechenbareren Verhältnisse setzten sich die Favoriten jetzt souveräner durch als noch in Q1. Verstappens erste Runde, knapp vier Zehntelsekunden hinter der provisorischen Bestzeit von Norris nach fünf Minuten, wurde vom Kommandostand gelobt: "Keine schlechte erste Runde für den Lastverlust, den du hast." Womöglich ein beschädigter Unterboden, nach dem Kiesbettritt in Q1.

Marko bestätigt: Unmittelbar nach dem Ausritt haben "100 Punkte" Anpressdruck gefehlt. Das konnte bis zum letzten Qualifying auf "20 Prozent" reduziert werden, mit Reparaturarbeiten und anderen Flügeleinstellungen. "Dafür ist der vierte Platz am Ende sensationell", lobt der Österreicher.

Als Verstappen seine letzte Runde mit persönlichen Zwischenbestzeiten begann, lag er nur noch an zwölfter Stelle. Ihm gelang jedoch eine Verbesserung auf Platz 6, 0,237 Sekunden hinter Norris' Q2-Bestzeit. Und hatte damit ein vorzeitiges Ausscheiden abgewendet.

Drei Minuten vor Schluss lag Hülkenberg (am Ende Achter) in Führung, und von den "Big Names" war Russell als Zwölfter in der Gefahrenzone. Eine Minute später hatte sich die Mercedes-Angst schon wieder verflüchtigt: Russell und Hamilton hatten Hülkenberg jetzt von der Spitze abgelöst und waren damit sicher eine Runde weiter.

Am Ende erwischte es mit Charles Leclerc (Ferrari), dem 0,159 Sekunden auf P10 (Stroll) fehlten, einen der Mitfavoriten auf ein Topergebnis. Gemeinsam mit Leclerc schieden auch Logan Sargeant (Williams), Yuki Tsunoda (Racing Bulls), Guanyu Zhou (Sauber) und Daniel Ricciardo (Racing Bulls) aus.

Wo kann man den Grand Prix von Großbritannien live sehen?

Vorweg: Silverstone gehört nicht zu den Rennen, die von RTL im deutschen Free-TV übertragen werden. Eine der besten Möglichkeiten, auf dem Laufenden zu bleiben, ist daher die tägliche F1-Show auf dem YouTube-Kanal von Formel1.de, in der Kevin Scheuren und Christian Nimmervoll jeden Abend um 23 Uhr analysieren, was passiert ist. Unterstützt von einem mehrköpfigen Journalistenteam vor Ort an der Rennstrecke.

Die späte Sendezeit für den Livestream, um 23 Uhr, ist bewusst so gewählt, damit Sportfans noch in Ruhe die Spiele der Fußball-EM schauen können, ehe sie zur Formel-1-Analyse auf YouTube rüberwechseln.

Der britische Grand Prix findet am Sonntag statt. Startzeit ist um 16 Uhr deutscher Zeit. Ab 15:30 Uhr steigt die Watchparty auf dem YouTube-Kanal von Formel1.de, mit Kevin Scheuren und Dennis Lewandowski und ihrem alternativen Live-Kommentar.

Motorsport-Total.com

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