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Im Auftrag von FIA und Pirelli Ferrari-Testfahrten mit verkleideten Regenreifen in Fiorano 2024
Alessandro Stefanini

Im Auftrag von FIA und Pirelli: Ferrari testet Formel-1-Reifenverkleidung

Der Auftakt der Ferrari-Testfahrten in Fiorano: Was es mit der neuen Reifenverkleidung auf sich hat und wer die Formel-1-Autos fährt

Die ersten Bilder zu den Ferrari-Testfahrten auf der hauseigenen Strecke in Fiorano bei Maranello sorgen für Aufsehen. Denn Ferrari-Nachwuchsfahrer Arthur Leclerc (der Bruder von Stammfahrer Charles Leclerc) steuert einen Ferrari SF-75 aus dem Jahr 2022, der auf nasser Fahrbahn mit fast vollverkleideten Regenreifen unterwegs ist.

Das geschieht im Auftrag von Formel-1-Reifenlieferant Pirelli und Automobil-Weltverband (FIA) und knüpft an ähnliche Probefahrten an, die vergangenes Jahr in Silverstone absolviert worden sind. In beiden Fällen geht es um die Frage, wie sich die Bedingungen im Regen so verbessern lassen, dass die Fahrer nicht zu sehr sichtbehindert werden beim Hinterherfahren. Deshalb die (Teil-) Verkleidung der Reifen.

Und deshalb fährt in einem aktuellen Ferrari SF-24 mit normal freistehenden Rädern Oliver Bearman hinter dem Vorjahresauto her, um erste Eindrücke aus der Cockpitperspektive zu sammeln. Bislang aber haben sich die Beteiligten noch nicht öffentlich zu ihren Tests geäußert.

Was neu ist an der Reifenverkleidung

Der aktuelle Test in Fiorano lässt sich jedoch nur bedingt mit den Silverstone-Tests aus dem Vorjahr vergleichen. Denn 2023 hatten Mercedes und McLaren das Hinterherfahren bei Regen noch mit ganz anderen technischen Mitteln simuliert: Die Anbauteile zur (teilweisen) Reifenverkleidung waren damals deutlich kleiner ausgefallen - und nicht zur Zufriedenheit der FIA.

FIA-Formelsport-Leiter Nikolas Tombazis sagte nach dem Silverstone-Test: "Das Experiment war vielleicht zu optimistisch angesetzt. Die Verkleidung hat zu wenig vom Rad abgedeckt. Ich hatte mir schon gedacht, dass wir deshalb keine relevanten Ergebnisse kriegen würden."

Was in Fiorano anders ist als in Silverstone

Nun also ein neuer Anlauf unter anderen Vorzeichen und mit neuen Kohlefaser-Reifenverkleidungen, die in der Seitenansicht gut drei Viertel der Räder verdecken. Nach oben und nach hinten sind die Verkleidungen komplett verschlossen. Einzig nach vorne sind zwei größere Öffnungen erkennbar.

Laut Informationen von it.motorsport.com, einer Schwesterseite von Motorsport-Total.com und Formel1.de im Motorsport Network, lassen sich die Öffnungen in den Verkleidungen manuell anpassen und können damit größer oder kleiner eingestellt werden. Auch weitere Änderungen an der Form erscheinen möglich.

Das Ferrari-Testprogramm sieht demnach vor, unterschiedliche Konfigurationen und deren Auswirkungen auszuprobieren. Kernfragen sind: Wie gut verdrängen die Regenreifen mit der jeweiligen Verkleidung das Wasser auf der Strecke? Und welche Konsequenzen ergeben sich daraus für die Gischt und die Sicht des Fahrers im nachfolgenden Fahrzeug?

FIA und Pirelli haben für Ferrari einen entsprechenden Testplan mit mehreren Versuchen erstellt. Es wird erwartet, dass im Tagesverlauf auch einer der Ferrari-Stammfahrer das Folgefahrzeug übernimmt, weil die Stammfahrer bereits über Formel-1-Erfahrung beim Fahren im Regen verfügen.

FIA begründet erweiterte Testfahrten

Die neuerlichen Probefahrten sind erforderlich geworden, weil die bisherigen Lösungen als unzureichend verworfen worden sind, wie Tombazis auf Nachfrage erklärt: "Es ist nicht so einfach, als dass wir etwas ans Auto schrauben und los geht's und es passt."

Man habe in der Entwicklung der Reifenverkleidungen viel Wert darauf gelegt, möglichst wenig Leistung zu opfern. "Wir wollten auch nicht zu sehr in die Aerodynamik eingreifen", sagt Tombazis, "aber teilweise ist das natürlich unausweichlich. Zumal eine Komplettverkleidung ziemlich hohe Werte generiert. Die Stützen müssen entsprechend stabil sein, damit sie bei 300 km/h nicht abfliegen."

Wie wird dieser Testtag gewertet?

Und weil Ferrari für diesen Erkenntnisgewinn im Auftrag von FIA und Pirelli unterwegs ist, fällt der Testtag in Fiorano nicht unter die Testbeschränkungen, wie sie im Sportlichen Reglement zur Formel-1-Saison 2024 notiert sind: Die Regeln erlauben praktisch keine privaten Probefahrten der Teams. Ausnahmen aber gibt es ausdrücklich für Reifentests, und um eine genau solche Ausnahme handelt es sich hierbei.

Am Freitag (10. Mai 2024) lässt Ferrari einen weiteren Testtag in Fiorano folgen, dann allerdings unter anderen Vorzeichen: Das Formel-1-Traditionsteam absolviert ein sogenanntes Promo-Event und darf deshalb 200 Kilometer im aktuellen SF-24 bestreiten.

Hauptanlass für diesen Filmtag ist der neue Ferrari-Titelsponsor Hewlett-Packard, dessen Logos seit Miami auf den beiden Ferrari-Rennautos zu sehen sind. Diese Partnerschaft will Ferrari mittels Foto- und Videoaufnahmen für kommerzielle Zwecke in Szene setzen. Dafür verbraucht das Team sein zweites und damit letztes Promo-Event in diesem Jahr.

Praktischer Nebeneffekt: Die beiden Ferrari-Stammfahrer Leclerc und Sainz können bei dieser Gelegenheit schon mal die für Imola geplanten technischen Updates am SF-24 ausprobieren und erste Eindrücke zur Korrelation zwischen (digitaler) Entwicklung und Rennstrecke sammeln.

Motorsport-Total.com

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