Berufungsgericht hat entschieden | 04.09.2026
Pierre Gasly verliert Monaco-Podium wieder!
Das internationale Berufungsgericht hat im Streit um das Monaco-Podium von Pierre Gasly entschieden: Strafen bleiben bestehen, Alpine-Pilot verliert den dritten Platz
Der internationale Berufungsgerichtshof (ICA) des Automobil-Weltverbands FIA hat im Streit um das Monaco-Podium von Alpine-Pilot Pierre Gasly eine Entscheidung getroffen: Die beiden Strafen gegen den Franzosen, die nach einem Einspruch von Alpine zunächst zurückgenommen wurden, bleiben nun doch bestehen!
Damit rutscht Gasly wieder vom dritten auf den siebten Platz zurück und verliert seinen Podestplatz, der nun wiederum Isack Hadjar (Rad Bull) zugesprochen wird. Sowohl Red Bull als auch McLaren hatten Protest gegen die Rücknahme der Gasly-Strafe eingelegt - und in der Berufungsverhandlung jetzt tatsächlich Recht bekommen.
Gasly war einer von mehreren Fahrern, die beim Großen Preis von Monaco vor drei Monaten wegen zu schnellen Fahrens in der Boxengasse bestraft wurden. Nach dem Rennen stellte sich allerdings heraus, dass dem Formula One Management (FOM) als offiziellen Zeitnehmer der Formel 1 ein Messfehler unterlaufen war.
Denn die Geschwindigkeit in der Boxengasse wird nicht durch eine klassische Radarfalle gemessen, sondern durch Zeitmessschleifen im Asphalt. Zwischen den ersten beiden Messschleifen bestand allerdings eine Abweichung von 77 Zentimetern - ein Fehler, der letztlich zu der ungewöhnlich hohen Zahl an Strafen führte.
Alpine beantragt Überprüfung - und bekommt erst Recht
Während Piastri und Russell Plätze verloren, weil sie ihre Strafen während des Rennens absitzen mussten (in Russells Fall wurde die Strafe falsch abgesessen, wodurch der Mercedes-Pilot eine Durchfahrtsstrafe erhielt), wurden Gaslys zwei Fünf-Sekunden-Strafen zu seiner Rennzeit addiert. Dadurch fiel er von Platz drei auf Platz sieben zurück.
Alpine konnte eine Überprüfung beantragen und bekam vor dem nächsten Rennen in Barcelona zunächst Recht: Die Strafen gegen Gasly wurden zurückgenommen und der Franzose erhielt seinen dritten Platz zurück. In der Folge fielen Hadjar und Piastri um jeweils eine Position zurück.
Beide Teams legten daher Berufung gegen die Entscheidung ein, mit Unterstützung von Racing Bulls, nachdem Arvid Lindblad und Liam Lawson ebenfalls je einen Platz verloren hatten. Das Berufungsgericht entschied am Freitag, dass die Strafen gegen Gasly nun doch Bestand haben. Er fällt damit wieder auf den siebten Platz zurück.
So lautet die offizielle Begründung des Berufungsgerichts
Der wichtigste Teil der Begründung des Gerichts war, dass Alpine nicht mit vollständiger Sicherheit nachweisen konnte, dass Gasly in der Boxengasse eine längere Strecke zurückgelegt hatte als die (ungenau) gemessene Strecke. Die kürzere Zeit zwischen den Zeitmessschleifen könnte daher auf "einen kürzeren Weg, eine höhere Geschwindigkeit oder eine Kombination aus beidem" zurückzuführen sein.
Das internationale Berufungsgericht (ICA) bestätigte jedoch, dass die Tatsache, dass andere Fahrer ihre Strafen bereits abgesessen hatten, "kein Hindernis für die Aufhebung einer unrechtmäßigen Sanktion sein kann, da diese Strafen nach Ermessen und auf Entscheidung des Teams abgesessen wurden."
"Das Gegenteil mit der Begründung zuzulassen, dass dadurch eine sportliche Ungerechtigkeit entstehen würde, wäre wiederum mit sportlicher Fairness unvereinbar."
So reagiert Alpine auf die Entscheidung der Berufung
Alpine hat auf den aktuellen Beschluss bereits reagiert und die Entscheidung mit deutlichen Worten bewertet. Das Team hält weiterhin daran fest, dass Gasly nichts falsch gemacht habe und deshalb auch keine Strafen verdient habe.
"Das Team bringt seine Enttäuschung und Frustration über das Ergebnis zum Ausdruck, zu dem das Internationale Berufungsgericht der FIA in Bezug auf das Ergebnis des Großen Preises von Monaco 2026 gelangt ist", hieß es in einer Stellungnahme des Teams.
"Auch wenn wir mit der Entscheidung nicht einverstanden sind und weiterhin uneingeschränkt davon ausgehen, dass Auto Nr. 10 zu keinem Zeitpunkt während des Rennens das Geschwindigkeitslimit in der Boxengasse überschritten hat, erkennt das Team die Entscheidung des Richtergremiums aus der jüngsten Anhörung in Paris an."
"Auch wenn das Ergebnis nicht das ist, was wir uns erhofft hatten, da wir der Meinung sind, ungerecht bestraft worden zu sein, konzentriert sich das Team weiterhin voll darauf, seine Leistung auf der Strecke zu verbessern, und befindet sich weiterhin in einem engen und sehr umkämpften Meisterschaftskampf."
"Dieses Ergebnis wird die Bemühungen und die Motivation des Teams nicht davon abhalten, seine Ziele bis zum Ende der Saison zu erreichen."
"Weder gut für die Formel 1 noch für den Zuschauer"
Die aktuelle Entscheidung des Berufungsgerichts sorgt auch im Fahrerlager von Monza für Diskussionen. "Sowas ist immer schwierig für die Formel 1", meint Sky-Experte Ralf Schumacher. Denn die mögliche Abkürzung in der Boxengasse von Monaco ist bereits seit Jahren bekannt. "Das haben wir auch immer gemacht."
"Das heißt, aus meiner Sicht hätte es nicht bestraft werden sollen", sagt der frühere Formel-1-Pilot. "Dann muss man halt die Boxengasse anders designen oder es anders rechnen. Aber das ist ja eigentlich dann auch wirklich Quatsch, ehrlicherweise."
"Ich fand es toll, dass man sich dazu bekannt hat und die Strafen weggenommen hat und er dann sein Pokal bekommen hat. Aber jetzt rein die Kartoffeln, raus aus den Kartoffeln - ich weiß nicht, weder gut für die Formel 1 noch für den Zuschauer. Ich weiß nicht, was das alles soll."
Schumacher räumt allerdings ein, dass das Berufungsgericht nach dem Protest von McLaren und Red Bull noch einmal darüber verhandeln und eine Entscheidung treffen musste. "Ja, das ist so, das muss man akzeptieren, aber es nicht gut für den Sport."
Weltverband will "Methodik und Zeitmesssystem überprüfen"
Der Automobil-Weltverband FIA betont unterdessen in einer Stellungnahme, dass ihre Kommissare nicht unbedingt dafür verantwortlich seien, eine falsche Entscheidung getroffen zu haben, obwohl der Verband zugesagt hat, seine Verfahren zu überprüfen.
"Die FIA nimmt die heutige Entscheidung des Internationalen Berufungsgerichts (ICA) im Zusammenhang mit der Anhörung vom Dienstag, dem 25. August (Fall ICA-2026-06-07-08-09), zur Kenntnis", heißt es in der Stellungnahme.
"Die Entscheidung des ICA gibt den Berufungen des McLaren F1 Teams und von Red Bull Racing gegen die Entscheidungen der Kommissare in Dokument 99 des Großen Preises von Monaco statt und hebt diese Entscheidungen damit faktisch auf."
"Die FIA überprüft die Methodik und den Betrieb des derzeitigen Zeitmesssystems der Formel 1 sowie die damit verbundenen regulatorischen Angelegenheiten. Sie wird außerdem weitere gerichtliche Verfahren und Abläufe überprüfen, darunter das Recht auf Überprüfung und die Berufungsverfahren."
"Die FIA unterstützt den Prozess der Kommissare sowie die Unabhängigkeit und Objektivität der vielfältigen Kommissarsgremien, die ein integraler Bestandteil des globalen Motorsports sind, voll und ganz."
"Die Entscheidungen der Kommissare werden in einem anderen Umfeld getroffen als die des Gerichts, während das Gericht Zugang zu umfangreicher zusätzlicher rechtlicher Beratung sowie zu Argumenten und Beweismitteln hat."
"Die FIA-Kommissare überprüfen ihre Verfahren fortlaufend und nehmen an umfangreichen Weiterbildungsmaßnahmen teil. Jede Entscheidung des ICA wird von den FIA-Kommissaren sorgfältig geprüft, um einen Prozess der kontinuierlichen Verbesserung sicherzustellen."

















