F1-Rennen Ungarn | 26.07.2026
Norris triumphiert - Piastri fällt aus
Erster Saisonsieg für Lando Norris und McLaren - Verstappen und Antonelli auf dem Podium - Piastri erst mit Kollision, dann mit technisch bedingtem Ausfall
Lando Norris (McLaren) hat am Sonntag den Grand Prix von Ungarn auf dem Hungaroring, Rennen 11 der Formel-1-Saison 2026, für sich entschieden und damit seinen ersten Sieg als amtierender Weltmeister eingefahren .
Gestartet war Norris von der Pole, hatte die erste Hälfte des Rennens aber hinter seinem führenden McLaren-Teamkollegen Oscar Piastri verbracht. Die Vorentscheidung im Kampf um den Sieg fiel, als Piastri beim Überrunden von Williams-Pilot Carlos Sainz mit eben diesem kollidierte. Später fiel Piastri mit einem Getriebeschaden sogar ganz aus.
Als Zweiter hinter Sieger Lando Norris kam Max Verstappen (Red Bull) ins Ziel. Dritter wurde WM-Spitzenreiter Kimi Antonelli (Mercedes), der damit seine Führung in der Gesamtwertung weiter ausgebaut hat.
Bei knapp 30 Grad Celsius Lufttemperatur und Sonnenschein ging der Ungarn-Grand-Prix über eine Distanz von 70 Runden. WM-Spitzenreiter Kimi Antonelli und dessen erster Verfolger Lewis Hamilton (Ferrari) hatten sich im Qualifying am Samstag beide eine Gridstrafe eingefangen. Hamilton startete das Rennen nach Rückversetzung um drei Plätze von P5, Antonelli nach Rückversetzung um seinerseits drei Plätze von P7.
Piastri übernimmt Führung von Norris kurz nach dem Start
Beim Start kam Polesetter Lando Norris am besten weg. Er bog vor Teamkollege Oscar Piastri als erste in Kurve 1 ein. Nur ein paar Meter später aber war Norris die Führung los. Während er in Kurve 2 eine weite Linie fuhr, zog Piastri innen vorbei und übernahm die Spitze.
Max Verstappen kam nach einer leichten Berührung mit Lewis Hamilton als Dritter aus der ersten Runde zurück. Die Berührung trug sich ausgangs der Hamilton-Kurve (Kurve 2) zu. Hamilton selbst war nach dem ersten der 70 Runden Vierter, gefolgt von seinem Ferrari-Teamkollegen Charles Leclerc und von Kimi Antonelli.
Russell nach erster Runde nur auf P18
Leclerc hatte aus der ersten Reihe keinen guten Start, aber immerhin noch einen deutlich besseren als George Russell aus der dritte Reihe. Der Mercedes-Pilot war denkbar schlecht von seinem sechsten Startplatz weggekommen und wurde nach der ersten Runde nur als 18. notiert.
Was die Reifen im ersten Stint des Rennens betrifft, so hatten sich die Ferrari-Piloten Hamilton und Leclerc für die rot markierte Soft-Mischung entschieden, alle anderen in der Spitzengruppe für die gelb markierte Medium-Mischung.
Im gesamten 22-köpfigen Feld gab es sechs Fahrer, die das Rennen auf Soft-Reifen in Angriff nahmen. Abgesehen vom Ferrari-Duo waren es Gabriel Bortoleto (Audi), Carlos Sainz (Williams) sowie die Aston-Martin-Piloten Fernando Alonso und Lance Stroll.
Verstappen überrascht Hamilton kurz nach Boxenstopp
In der 13. Runde war Lewis Hamilton von Rang vier im Feld der erste, der zum Boxenstopp kam. Er ließ von den Soft-Reifen auf die weich markierte Hard-Mischung umrüsten. Als Neunter kam der siebenmalige Weltmeister auf die Strecke zurück, ging aber gleich in Kurve 5 (Mogyorod) an Rookie Arvid Lindblad (Racing Bulls) vorbei.
Auch Max Verstappen kam früh an die Box, nämlich in der 14. Runde. Damit fiel der viermalige Weltmeister vorübergehend hinter Hamilton zurück. Aber nur zwei Runden später schaffte es Verstappen, mit einem Überraschungsangriff in Kurve 1, Hamilton zu überholen. "Das war schon etwas ganz Besonderes", lobte Verstappens Renningenieur Gianpiero Lambiase über Funk.
Nachdem auch das McLaren-Duo Oscar Piastri und Lando Norris zum ersten Mal an der Box war und die teaminterne Reihenfolge dabei unverändert blieb, führte der von P7 gestartete Kimi Antonelli das Rennen ein paar Runden lang an.
Russell nach verpatztem Start mit längstem ersten Stint
Gleichzeitig arbeitete sich George Russell von seiner anfänglich 18. Position zügig nach vorn. Tabellenführer Antonelli bog nach 22 Runden zum ersten Mal an die Box, womit die Führung im Rennen wieder an Oscar Piastri überging.
Eingangs des zweiten Stints fuhr die gesamte Spitzengruppe auf Hard-Reifen. Piastri hatte eine knappe Sekunde Vorsprung auf Teamkollege Lando Norris. Max Verstappen war mit knapp fünf Sekunden Rückstand auf Piastri Dritter, gefolgt von Lewis Hamilton, Charles Leclerc, Kimi Antonelli und George Russell.
Russell hatte in den ersten gut 20 Runden 11 Positionen gutgemacht - teils durch eigene Überholmanöver, teils durch Boxenstopps der Konkurrenz. In der 27. Runde legte Russell an siebter Stelle fahrend als zeitlich Letzter seinen ersten Boxenstopp ein. Dabei verlor er nur zwei Positionen, und zwar an Isack Hadjar (Red Bull) und an Audi-Pilot Gabriel Bortoleto.
Auch beim zweiten Boxenstopp war Lewis Hamilton wieder der zeitlich Erste, der zum Service abbog, nämlich in der 30. von 70 Runden. Eine Veränderung an der Abstimmung wurde nicht vorgenommen, und auch was die Reifenmischung betrifft, gab es keine Veränderung: von den gebrauchten Hards ging es auf frische Hards.
Norris übernimmt Führung von Piastri, der mit Sainz kollidiert
Ganz vorne hielt Lando Norris direkten Kontakt zu seinem führenden McLaren-Teamkollegen Oscar Piastri. Gleichzeitig kam Max Verstappen von hinten immer näher an Norris heran. Nach gut 30 Runden lag der Red-Bull-Pilot weniger als zwei Sekunden hinter dem McLaren-Duo zurück. Das allerdings war hauptsächlich auf Verkehr zurückzuführen. In den folgenden Runden wuchs Verstappens Rückstand wieder deutlich an.
Spitzenreiter Piastri war in der 33. Runde der erste der zwei McLaren-Piloten, der zum zweiten Boxenstopp kam. Nach diesem Stopp reihte sich der Australier als Fünfter, direkt vor Hamilton, wieder ins Feld ein. Wenige Runden später gab es die mitentscheidende Szene im Teamduell.
Bei der Überrundung von Carlos Sainz hatte Piastri eine leichte Kollision mit dem Williams-Piloten. Sainz war ausgangs Kurve 2 direkt in die Spur von Piastri gefahren, der McLaren-Pilot konnte eine Berührung nicht vermeiden. Für Sainz gab es eine Zeitstrafe in Höhe von fünf Sekunden.
Lando Norris bog als Führender in der 39. Runde zum Boxenstopp ab. Und der Brite kam nach diesem Stopp direkt vor Teamkollege Piastri auf die Strecke zurück. Somit gab es in Reihen der McLaren-Piloten eine Positionsveränderung. Die Kollision mit Sainz hatte Anteil daran, dass Piastri in dieser Phase des Rennens wertvolle Zehntelsekunden verlorengingen.
Max Verstappen legte als vorübergehender Spitzenreiter seinen zweiten Boxenstopp in der 41. Runde ein und ließ auf Soft-Reifen umrüsten. Kimi Antonelli kam erst in der 53. Runde und ließ frische Hard-Reifen aufziehen. Zu diesem Zeitpunkt war er als (wieder) vorübergehender Spitzenreiter längst vom frisch bereiften Lando Norris auf der Strecke überholt worden.
Aus für Piastri mit Getriebeschaden an zweiter Stelle
Die Ausgangslage in den Top 5 lautete zu Beginn des dritten Stints: Lando Norris auf harten Reifen vor Oscar Piastri auf harten Reifen, Lewis Hamilton auf harten Reifen, Max Verstappen auf weichen Reifen, Charles Leclerc auf harten Reifen. Der ebenfalls hart bereifte Kimi Antonelli war nach seinem späten zweiten Boxenstopp Sechster.
Auffällig war, dass Piastri nach der Kollision mit Sainz bei weitem nicht mehr die Pace von Norris fahren konnte. 15 Runden vor Schluss waren die beiden McLaren-Piloten schon durch mehr als 12 Sekunden voneinander getrennt. Und es kam noch dicker für Piastri: In der 56. Runde rollte er mit Getriebeschaden aus. Damit erbte Hamilton für den Moment die zweite Position, Verstappen die dritte.
Weil es aufgrund des Ausfalls von Piastri eine virtuelle Safety-Car-Phase (VSC) gab, nutzten Lando Norris, Lewis Hamilton und Charles Leclerc die Gelegenheit zu einem dritten Boxenstopp. Der Rest der Spitzengruppe aber blieb auf der Strecke. Während Norris die Führung auch nach seinem dritten Boxenstopp behielt, rückte Max Verstappen auf die zweite Position nach vorn, Kimi Antonelli auf die dritte.
Hamilton kassiert späte Fünf-Sekunden-Strafe
Lewis Hamilton war eingangs des letzten Stints zwar Vierter hinter Norris, Verstappen und Antonelli. Aber es gab mal wieder eine Untersuchung gegen den Rekordweltmeister. In diesem Fall betraf es den Verdacht auf eine Überschreitung des Speedlimits in der Boxengasse. Das Ergebnis der Untersuchung: Fünf-Sekunden-Zeitstrafe.
Hamiltons Reaktion über Funk, als er von der Strafe erfuhr: "Sie verteilen Strafen wie am Fließband." Weil das Rennen bereits im letzten Stint lief, wurden Hamilton die fünf Sekunden auf seine Rennzeit aufgeschlagen. Ins Ziel kam er auf der Strecke als Vierter, fiel durch die Zeitstrafe aber hinter Teamkollege Charles Leclerc auf die fünfte Position zurück.
Ganz vorne ließ sich Lando Norris den ersten Saisonsieg für sich und McLaren nicht mehr nehmen. Max Verstappen kam als Zweiter ins Ziel. Kimi Antonelli hat es als Dritter seinerseits auf das Podium geschafft und hat damit seine WM-Führung weiter ausgebaut.
Erste WM-Punkte 2026 für Hülkenberg
Hinter den Top 5 - Norris, Verstappen, Antonelli, Leclerc, Hamilton - wurden die Top 10 komplettiert von Isack Hadjar, George Russell, Liam Lawson (Racing Bulls), Nico Hülkenberg (Audi) und Arvid Lindblad. Für Hülkenberg sind es die ersten WM-Punkte in der Saison. Damit sind jetzt nur noch Aston-Martin-Pilot Lance Stroll und das Cadillac-Duo Sergio Perez und Valtteri Bottas ohne Punkte.
Apropos Cadillac-Duo: Perez und Bottas waren am Sonntag abgesehen von McLaren-Pilot Oscar Piastri die einzigen, die nicht ins Ziel kamen. Am MAC-26 von Bottas gab es einen technischen Defekt, Teamkollege Perez strandete mit kollabierter linker Vorderradaufhängung.
In der Fahrer-WM der Formel-1-Saison 2026 hat Kimi Antonelli jetzt 59 Punkte Vorsprung auf Teamkollege George Russell. Lewis Hamilton ist mit nun 60 Punkten Rückstand auf Antonelli vom zweiten auf den dritten Tabellenplatz abgerutscht. Rennsieger Lando Norris ist WM-Fünfter, 10 Punkte hinter Charles Leclerc und 91 Punkte hinter Tabellenführer Antonelli.
Der Ungarn-Grand-Prix war im Formel-1-Kalender 2026 das letzte Rennen vor der Sommerpause. Weiter geht es mit Rennbetrieb am 23. August mit der vorerst letzten Auflage des Grand Prix der Niederlande in Zandvoort.

















