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Formel-1-Einstieg von BYD? Der chinesische Autohersteller BYD liebäugelt mit einem Formel-1-Einstieg
Getty Images AsiaPac

Formel-1-Einstieg von BYD? Warum die Chinesen kein eigenes Team brauchen

Der chinesische Autohersteller BYD liebäugelt mit einem Formel-1-Einstieg: Warum das aber nicht zwingend heißen muss, dass der Konzern bald ein eigenes Team hat

Rund um den Saisonauftakt in Australien verdichteten sich die ersten Anzeichen: Der chinesische Autohersteller BYD denkt offenbar ernsthaft über einen Formel-1-Einstieg nach. Derzeit werden verschiedene Möglichkeiten geprüft - von der Übernahme eines bestehenden Teams bis hin zum Titelsponsoring.

Dass es sich dabei nicht nur um ein Gerücht handelt, scheint mittlerweile klar. Denn BYD-Vizepräsidentin Stella Li besuchte im vergangenen Dezember bereits den Großen Preis von Abu Dhabi und war am Wochenende auch beim Großen Preis von China vor Ort.

Li gilt als Schlüsselfigur für die globale Expansion des chinesischen Herstellers und wurde 2025 sogar zur "World Car Person of the Year" gekürt - als erste Frau und erste Vertreterin einer chinesischen Marke, der diese prestigeträchtige Auszeichnung verliehen wurde.

Und doch bleibt derzeit eine Frage: Warum sollte ein Hersteller, der sich fast ausschließlich auf vollelektrische Fahrzeuge konzentriert, an einer Rennserie mit Hybridantrieb interessiert sein? Die Antwort lässt sich vor allem mit der aktuellen Reichweite begründen.

Legt BYD den Fokus bald auf Hybridfahrzeuge?

Die Formel 1 genießt derzeit eine unübertroffene globale Präsenz: Ihre Medienplattform ist einzigartig, Reichweite und Fan-Engagement bewegen sich auf einem außergewöhnlich hohen Niveau. Es überrascht daher kaum, dass beim Formel-1-Rennen in Shanghai auch eine Delegation von Great Wall Motors anwesend war.

Berichten zufolge könnte BYD einen anderen strategischen Pfad einschlagen als viele europäische Hersteller: Nachdem das Unternehmen im Bereich der Elektrofahrzeuge eine führende Position erreicht hat, rückt nun offenbar auch ein intensiver Einstieg in das Segment der Hybridfahrzeuge in den Fokus.

In diesem Kontext würde die Formel 1 für BYD sowohl ein ideales technologisches Testfeld als auch eine hochwirksame globale Bühne bieten. Sollte sich dieser Ansatz bestätigen, bestünde kaum noch Zweifel daran, dass die Königsklasse für den chinesischen Konzern eine äußerst attraktive Plattform darstellt.

Die Gerüchte über das Formel-1-Interesse von BYD wurden bereits mit möglichen Szenarien für den Einstieg verknüpft - von der Übernahme eines bestehenden Teams bis zu einer Bewerbung als zwölfter Teilnehmer, womit die im Concorde-Agreement festgelegte Höchstzahl erreicht wäre.

Welche Möglichkeiten BYD beim Formel-1-Einstieg hat

Doch ist das tatsächlich der einzige Weg? Das übergeordnete Ziel bleibt die Nutzung der globalen Plattform der Formel 1 - und dafür existieren mehrere Einstiegsoptionen, die nicht zwangsläufig die Gründung oder Übernahme eines eigenen Teams erfordern.

Ein Blick auf aktuelle Beispiele zeigt die Bandbreite: Audi hat sich für einen direkten und umfassenden Einstieg mit eigenem Team und eigener Antriebseinheit entschieden. Toyota hingegen agiert zurückhaltender und konzentriert sich derzeit auf eine Partnerschaft mit Haas, die bereits interessante Marketingerfolge verzeichnet.

Ergänzend dazu steht das Beispiel von Alfa Romeo, das 2018 eine Kooperation auf Basis eines Titelsponsorings begann und den Markennamen in die offizielle Teambezeichnung integrierte - eine Strategie, die sich sowohl kommunikativ als auch kommerziell als effektiv erwies und über sechs Jahre Bestand hatte.

Diese Form des Engagements, meist als Haupt- oder Titelsponsoring bezeichnet, ist auch für die Geely Holding Group von Interesse - jenen Konzern, zu dem Marken wie Volvo, Proton, Polestar und Lotus gehören. Das Engagement von Geely in der Formel 1 ist dabei eng mit dem Relaunch der Marke Lotus verknüpft.

Weltverband FIA würde BYD-Einstieg wohl begrüßen

Vor einigen Jahren unternahm Geely bereits den Versuch, ein Team zu übernehmen, was jedoch scheiterte. Die Alternative eines Titelsponsorings bleibt für BYD zwar bestehen, ist inzwischen jedoch alles andere als kostengünstig.

Der aktuelle Popularitätsschub der Formel 1 hat die Einstiegskosten steigen lassen: Vieles hängt vom jeweiligen Team ab, doch die begrenzte Verfügbarkeit entsprechender Partnerschaften treibt die Preise zusätzlich nach oben. Branchenkenner berichten, dass es selbst für ein Mittelfeldteam schwierig ist, unter 50 Millionen Dollar pro Saison zu bleiben.

Fest steht jedoch: Sollte BYD den Einstieg ernsthaft vorantreiben, dürfte die Unterstützung durch den Automobil-Weltverband FIA nahezu sicher sein. "Ich träume schon seit zwei Jahren davon, dass die großen Länder in der Formel 1 vertreten sind", hatte FIA-Präsident Mohammed bin Sulayem bereits im Frühjahr 2025 im Gespräch mit Le Figaro betont.

"Die USA kommen mit General Motors. Der nächste Schritt wäre, einen Hersteller aus China zu haben", sagte bin Sulayem - und dürfte sich über die aktuellen Entwicklungen freuen. Denn mit BYD steht nun tatsächlich ein chinesischer Hersteller vor der Formel-1-Tür.

Motorsport-Total.com

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