GP von Belgien: Qualifying | 18.07.2026
Red Bull spielt Windschatten - Antonelli eiskalt
Red Bull brachte Max Verstappen per Windschatten-Taktik auf Rang zwei, doch Kimi Antonelli zeigt sich unbeeindruckt und holt sich souverän die Pole
Kimi Antonelli (Mercedes) weiß, wie man das perfekte Geburtstagsgeschenk bereitet. Pünktlich zum 62. Geburtstags seines Vaters Marco schenkte der WM-Führende ihm die Poleposition beim Formel-1-Rennen in Belgien - es ist die sechste des 19-Jährigen in dieser Saison.
Der Italiener brauchte für seine schnellste Runde 1:44.361 Minuten und war damit drei Zehntelsekunden schneller als der Rest. Der wurde diesmal von Max Verstappen (Red Bull) angeführt, der jedoch die Unterstützung seines Teamkollegen Isack Hadjar bekam und von diesem im letzten Sektor gezogen wurde.
Rang drei ging an McLaren-Pilot Lando Norris, der nach dem ersten Q3-Versuch noch geführt hatte, im zweiten Run aber einen Fehler in Kurve 13 machte und sich mit Rang drei begnügen musste, der aufgrund seiner Strafversetzung um zehn Plätze zu einem 13. Startplatz werden wird.
Stattdessen rückt George Russell auf Position drei auf, der von seinem Teamkollegen wieder einmal um eine halbe Sekunde verblasen wurde. Die Ferraris von Charles Leclerc und Lewis Hamilton gehörten mit den Positionen fünf und sechs im Qualifying zu den Geschlagenen, genau wie Oscar Piastri (McLaren), der nicht über Rang sieben hinaus kam.
Best of the Rest wurde Arvid Lindblad (8./Racing Bulls) vor Gabriel Bortoleto (9.), der Audi in Q3 brachte. Sein Teamkollege Nico Hülkenberg scheiterte als 14. in Q2 und rollte mit einem Hydraulileck aus.
Was passierte in Q1?
Der Witz war in unserer Redaktion schnell erzählt: "Wenn Aston Martin mit dem Update zwei Sekunden findet, sind sie immer noch Letzter." Tatsächlich war die Pace von Aston Martin erneut erschreckend und die Aussage daher wahr.
Cadillac ist dem Team weit enteilt, das auf das Autoupdate in Ungarn und das Motorenupdate in Zandvoort setzt. Den Amerikanern fehlten diesmal nur 0,022 Sekunden auf das Auto davor, wobei Esteban Ocon schon stark gegenüber seinem Teamkollegen abfiel.
Im Grunde ging es zwischen Williams und Haas darum, wer neben den beiden Hinterbänkler-Teams ausscheiden würde - und beide teilten schiedlich friedlich. Allerdings wurde es knapp: Alexander Albon fehlten gerade einmal 0,007 Sekunden auf Oliver Bearman, der den Cut knapp schaffte.
An der Spitze holte sich Lando Norris (McLaren) in 1:45.865 Minuten die Bestzeit vor den beiden Red Bulls von Max Verstappen (+0,065) und Isack Hadjar (+0,197). Lewis Hamilton, dessen Ferrari rechtzeitig zum Start von Q1 repariert werden konnte, wurde Vierter.
Ausgeschieden: 17. Alexander Albon (Williams), 18. Esteban Ocon (Haas), 19. Valtteri Bottas (Cadillac), 20. Sergio Perez (Cadillac), 21. Fernando Alonso (Aston Martin) und 22. Lance Stroll (Aston Martin).
Was passierte in Q2?
Da alle acht Topautos locker die nächste Runde erreichten, ging es im Grunde nur darum, wer vom Rest den Sprung in die Top 10 schafft. Mit Arvid Lindblad, der im verbesserten Racing Bulls zwischenzeitlich auf Rang vier fuhr, war der erste logische Kandidat gefunden.
Sainz und Bearman hatten in ihren Autos keine Chance, und auch die beiden Alpines waren nicht schnell genug. Am Ende entschied es sich zwischen Gabriel Bortoleto (Audi) und Liam Lawson (Racing Bulls) im letzten Versuch. Lawson fuhr über die Linie und scheiterte um 0,038 Sekunden an der Zeit des Brasilianers.
Und Nico Hülkenberg? Der bekam von seinem Teamkollegen sechs Zehntel übergebrachten, schien aber auch ein technisches Problem zu haben. Zumindest musste er sein Auto auf der Inlap mit einem Hydraulikleck abstellen.
Die Bestzeit von Q2 ging in 1:45.142 Minuten an Kimi Antonelli von Charles Leclerc, dem bereits 0,255 Sekunden fehlten und Norris.
Ausgeschieden: 11. Liam Lawson (Racing Bulls), 12. Pierre Gasly (Alpine), 13. Franco Colapinto (Alpine), 14. Nico Hülkenberg (Audi), 15. Carlos Sainz (Williams) und 16. Oliver Bearman (Haas).
Was passierte in Q3?
Zunächst gab es die dicke Überraschung durch Lando Norris, der sich im ersten Versuch auf Platz eins setzte und auch die Zeit von Antonelli um 0,039 Sekunden unterbot. Dahinter lauerten Leclerc, Verstappen und Hamilton, während Russell zunächst nur Sechster war.
Bevor aber die zweiten und entscheidenden Versuche gefahren wurden, hielt die Rennleitung die Session erst einmal an: Wie im zweiten Training am Freitag musste die Strecke in Kurve 14 vom Kies gesäubert werden, den diesmal Oscar Piastri dorthin befördert hatte.
Als es dann wieder losging, legte Max Verstappen vor. Vor ihm war Teamkollege Hadjar rausgefahren, der aufgrund einer Motorenstrafe jedoch für das Ergebnis ohnehin keine Rolle gespielt hatte. Daher war der Franzose dazu da, Verstappen im letzten Sektor Windschatten zu geben, was diesen zunächst auf Rang eins führte.
Doch Antonelli konnte sofort kontern und die Bestzeit um drei Zehntel nach unten schrauben. Russell gelang das nicht: Er musste sich hinter Norris auf Rang vier einsortieren, während die Ferraris noch dahinter blieben.
Doch was war mit Norris? Konnte er noch einmal wie im ersten Versuch nachlegen? Nein! Ein Fahrfehler in Kurve 13 raubte ihm alle Chancen, wobei der Brite ohnehin nie eine Chance auf die Pole hatte, da er aufgrund eines Motorenwechsels zehn Startplätze nach hinten muss. Dem McLaren-Piloten war das Gleiche passiert wie zuvor Pierre Gasly und Lewis Hamilton - er schlug jedoch nicht ein.
Hat Red Bulls Windschattenspiel etwas gebracht?
Glaubt man Max Verstappen, dann ja: "Das hat mir definitiv geholfen", sagt er. "Sonst würde ich nicht hier stehen, sonst wäre ich vielleicht Sechster oder so."
Hadjar hatte in Kurve 14 auf Verstappen gewartet und ihn dann den ganzen Weg bis durch Blanchimont durch gezogen. Dabei sah es zunächst so aus, als ob Hadjar sich verschätzt hätte und seinen Teamkollegen aufhalten würde, da er sehr nah im Heck hing.
Der Franzose erklärt die Schwierigkeit: "Es ist schwierig einzuschätzen, was der Motor dir liefert. Denn sobald man nach Kurve 14 anhält und dann die Leistung abrufen will, ist der Motor ein bisschen durcheinander, weil man ohne Grund angehalten hat, und die Software ist verwirrt", schildert er. Beim ersten Versuch in Q3 hatte er daher zu viel Leistung und zog Verstappen weg.
"Und beim zweiten Versuch hatte ich nicht genug Leistung. Wenn überhaupt, hat er also auf mich aufgeholt, und ich konnte ihm nicht den gesamten Weg über Windschatten geben - das war also sehr schwer einzuschätzen", sagt er.
Trotzdem war Verstappen zufrieden mit der Taktik: "Isack hat heute, im Wissen, dass er natürlich ohnehin vom Ende der Startaufstellung losfahren muss, einen wirklich guten Job gemacht, um mir im letzten Sektor Windschatten zu geben. Und genau deshalb stehen wir jetzt hier", lobt er. "Wir sind natürlich glücklich darüber, dass wir es als Team so umgesetzt haben und in der ersten Startreihe stehen."
Warum wurde Russell wieder so deutlich abgehängt?
Dass Antonelli die Nase vor Russell hat, ist in dieser Saison nichts Neues, doch die halbe Sekunde, die der Italiener seinem Teamkollegen diesmal aufbrummte, war der größte Abstand in dieser Saison. Das wundert auch Mercedes, auch wenn Antonelli laut Toto Wolff wieder einmal "wirklich gut" unterwegs war.
"George verliert in den Kurven zweieinhalb Zehntel und verliert auf den Geraden zweieinhalb Zehntel", sagt Wolff bei Sky und hat den Motor im Verdacht: "Das ist so komplex mit den Power-Units, dass wir nicht genau erklären können, wo das Defizit auf den Geraden herkommt."
Zumindest hat Antonelli in Spa einen neuen Motor im Heck, während der von Russell etwas älter ist. "Das ist eine Erklärung", meint Wolff, "aber wir müssen dem auf den Grund gehen".
Warum war Charles Leclerc verwirrt?
Gerade einmal 0,024 Sekunden fehlten dem Ferrari-Piloten auf George Russell, und die hätte er durchaus holen können, wenn er nicht ohne Not freiwillig vom Gas gegangen wäre. Doch der Grund dafür ist kurios: Leclerc dachte, dass eine gelbe Flagge geschwenkt werden würde, und lupfte. Doch das war nicht nötig.
"Da war ein Streckenposten in der Boxengasse, der eine gelbe Flagge geschwenkt hat. Anscheinend galt sie für Isack in der Boxengasse und nicht für die Strecke", erklärt er im Anschluss an die Session." Der Streckenposten stand ziemlich mittig, also dachte ich mir, ich gehe mal ein bisschen vom Gas."
"Und ich glaube, ich lag vielleicht um drei, vier Hundertstel vorne, was wahrscheinlich gereicht hätte, um vor George zu landen", sagt Leclerc. "Aber viel mehr steckte heute einfach nicht im Auto."
Was war bei Hülkenberg los?
Der Audi-Pilot erlebte ein durchwachsenes Qualifying. Schon in Q1 wurde es für ihn enger als erwartet, da man sich im ersten Run "nicht ganz clever verhalten" habe, weswegen man den zweiten neuen Reifensatz schon dort benutzen musste.
Er schaffte es in Q2, dort blieb er als 14. jedoch deutlich hängen - sechs Zehntel hinter Teamkollege Bortoleto. Doch der Deutsche wurde von einem Hydraulikproblem geplagt, das ihn schon im ersten Run beeinträchtigt haben soll. Nach der Zieldurchfahrt beim zweiten Versuch stellte er das Auto im zweiten Sektor ab.
"Das ist jetzt schon ein paar Mal passiert dieses Jahr", ärgert er sich bei Sky. "Das ist ärgerlich, dass wir das nach wie vor anscheinend nicht ganz im Griff haben." Für Sonntag soll es repariert werden und keine Auswirkungen haben. "Und entweder hält es morgen oder es hält es nicht."
















