Bahrain-Test: Tag 1 | 11.02.2026
Gewohntes Ergebnis: Norris vor Verstappen
Am ersten Testtag der Formel 1 in Bahrain machten die alten Favoriten die Bestzeit unter sich aus - Williams nach Barcelona-Abstinenz mit den meisten Runden
Die Formel 1 ist zurück - und diesmal wirklich! Nach dem Shakedown hinter verschlossenen Türen in Barcelona Ende Januar haben sich am Mittwoch erstmals alle elf Teams für die Testwoche in Bahrain eingefunden, wo insgesamt sechs Testtage stattfinden werden .
Für Fans war das ein besonderer Tag: Denn erstmals hatten sie die Möglichkeit, echte Informationen und Aufnahmen von fahrenden Autos zu bekommen, die diesmal sogar alle in ihren finalen Rennlackierungen auf der Strecke waren. Und erstmals war auch das Williams-Team zusammen mit der Konkurrenz unterwegs.
Nachdem es den Teams in Barcelona vor allem um das Thema Systemchecks und Zuverlässigkeit ging, soll der Blick in Bahrain auch auf der Performance liegen - das aber wahrscheinlich erst später bei den Testfahrten. Auch am ersten Tag ging es für viele hauptsächlich darum, viele Runden zu drehen.
Und wenn dabei eine gute Rundenzeit herausspringt: umso besser!
Die beste gelang am ersten Testtag dem Weltmeister: Lando Norris (McLaren) legte am Nachmittag eine Zeit von 1:34.669 Minuten hin und war damit 0,129 Sekunden schneller als sein WM-Rivale Max Verstappen (Red Bull), der als einer von nur vier Fahrern den kompletten Testtag für sich alleine hatte.
Norris hatte seine Zeit dabei übrigens auf den C2-Reifen gefahren und damit auf einem härteren als seine Verfolger, die auf den C3-Reifen unterwegs waren. Am Mittag hatte noch Verstappen die Bestzeit inne - damals ebenfalls auf C2-Reifen gefahren.
Beinahe wäre der Niederländer wenige Minuten vor Schluss noch einmal an Norris vorbeigekommen: Denn Verstappen hatte nach dem ersten Sektor bereits eine halbe Sekunde Vorsprung auf den McLaren, doch das Tempo konnte er - gewollt oder ungewollt - nicht bis ins Ziel halten, wo er mit 0,129 Sekunden Rückstand über den Zielstrich fuhr.
Verstappen Rundenkönig am Mittwoch
Ansonsten lief es für Verstappen aber gut: Der Red-Bull-Pilot fuhr mit 135 Runden die meisten aller Fahrer, bei den Teams belegte Red Bull in dieser Wertung Rang zwei hinter Williams. McLaren schaffte 110 Umläufe: Norris und sein Teamkollege Oscar Piastri teilten sich die Runden dabei mit 56 zu 54 fast perfekt auf.
Rang drei ging an Ferrari: Charles Leclerc fehlte jedoch bereits eine halbe Sekunde. Der Monegasse hatte am Mittag von Teamkollege Lewis Hamilton übernommen, der in der Tageswertung auf Rang sieben geführt wird (+1,764) und während seiner Session einen Dreher in Kurve 1 hingelegt hatte.
"Mit dem Basis-Auto, das wir haben, versuchen wir immer noch viele verschiedene Dinge zu testen", sagt der Brite. "Wir versuchen immer noch das Fenster zu finden, in dem es gerne arbeitet, wie man die Reifen optimiert, wie man das Aerodynamik-Paket hier optimiert, die Fahrhöhe, die mechanische Balance, all diese verschiedenen Dinge."
Hamilton kam am Vormittag auf 52 Runden, Leclerc legte am Nachmittag noch einmal 79 drauf, sodass Ferrari mit 131 Umläufen auch in dieser Wertung Rang drei belegte.
"Es war ein produktiver halber Testtag für mich, da wir das Programm ohne größere Probleme abschließen konnten, was zu diesem Zeitpunkt immer positiv ist", kommentiert Leclerc. "Bisher stimmen die Daten weitgehend mit dem überein, was wir aus unseren Simulationen erwartet haben, was ermutigend ist."
Viele Runden für Williams
Mercedes erlebte derweil einen schwierigen Tag und war in der Zeitenliste nicht weit vorne zu finden. Nachdem man in Barcelona die meisten Runden aller Teams abgespult hatte, verpasste man am Mittwoch weite Teile des Nachmittags, da man beim Set-up-Umbau ein Problem am Auto entdeckt hatte.
Insgesamt fuhren die Silberpfeile "nur" 86 Runden - 56 mit George Russell am Vormittag, 30 mit Andrea Kimi Antonelli am Nachmittag. Zeitentechnisch landete man mit Russell (+1,439) auf Rang sechs und mit Antonelli (+2,960) auf Rang elf.
Die Überraschung des Tages war hingegen Esteban Ocon, der im Haas mit neun Zehntelsekunden Rückstand Rang vier belegte und 115 Umläufe schaffte.
Ebenfalls eine Überraschung: Williams. Das Team hatte den Shakedown in Barcelona noch aufgrund von Verzögerungen mit dem Auto verpasst, holte am Mittwoch aber bestmöglich auf die Konkurrenz auf: 145 Runden waren die meisten aller Teams. Alexander Albon landete im Klassement auf Rang zehn, Carlos Sainz auf Rang 13.
"Ein starker Tag für uns, was das Sammeln von Kilometern angeht", freut sich Teamchef James Vowles. Unsere Absicht war es die ganze Zeit über sicherzustellen, dass wir die erforderliche Kilometerleistung erbringen, um das Chassis und die Antriebseinheit kennenzulernen und zu verstehen - und damit zu beginnen, die Kinderkrankheiten aus dem System auszumerzen."
"Es wird viele davon geben, und in diesen nächsten drei Tagen geht es vor allem darum, ein gutes Fundament zu schaffen, auf dem wir arbeiten können, um von dort aus die Performance aufzubauen. Was das Auto betrifft, kann ich sagen, dass es keine Unarten hat; es gibt nichts besonders Schlechtes, aber natürlich müssen wir jetzt tief in die Details eintauchen."
Racing Bulls verpassen Nachmittag
Das größte Sorgenkind des Tages waren derweil die Racing Bulls, die am Nachmittag aufgrund eines Benzinlecks überhaupt nicht zum Fahren kamen. Immerhin hatte Neuling Arvid Lindblad am Vormittag 75 Runden drehen können, wodurch man nicht das Schlusslicht war.
Das war am Mittwoch Aston Martin, die erneut nur 36 Runden schafften, weil Honda eine Datenanomalie in seinem Antrieb entdeckt hatte. Für Lance Stroll waren das immerhin 31 mehr als in Spanien, doch auch bei den Zeiten war das Team von Adrian Newey das langsamste Team: Mehr als 5,2 Sekunden fehlten Stroll heute auf die Bestzeit.
Ebenfalls kleine Sorgenfalten gab es bei Audi und Alpine, die beide für eine rote Flagge gesorgt hatten, weil ihre Autos auf der Strecke stehengeblieben waren. Franco Colapinto kam nur auf 28 Runden und sortierte sich noch hinter Stroll ein, dafür schob sich Pierre Gasly bei seinen 49 Runden auf Rang acht.
Auch für Nico Hülkenberg lief es am Nachmittag nicht schlecht: Der Deutsche belegte in seinem Audi mit 2,912 Sekunden Rückstand Rang neun und fuhr 73 Runden, was den deutschen Hersteller, der mit seinen ungewöhnlichen Seitenkästen für Aufsehen sorgte, am Ende noch auf Rang vier in Sachen Kilometerwertung brachte.
"Insgesamt ein produktiver Start in die Testtage auf meiner Seite", merkt er an. "Wir haben ein großes Pensum absolviert und jede Menge nützlicher Daten gesammelt - genau das, wofür wir hier sind."
"Bahrain ist eine ganz andere Strecke als Barcelona, was ein paar neue Herausforderungen mit sich brachte und uns gezeigt hat, worauf wir uns konzentrieren müssen. Es gibt jetzt viel durchzugehen, aber die Richtung ist klar. Ich habe noch zwei weitere Tage im Auto, also werden wir von hier aus weiter aufbauen."
Viel Rauch bei Cadillac
Bei Neueinsteiger Cadillac geht es derweil auch voran: Die Amerikaner schafften am ersten Tag 107 Runden, konnten aber noch nicht mit Spitzenzeiten glänzen. Sergio Perez war mit 4,159 Sekunden Rückstand (Platz 14) leicht schneller als Teamkollege Valtteri Bottas (Platz 16), dem 4,481 Sekunden auf die Spitze fehlten.
Auffällig war, dass die Fahrer noch einige Schwierigkeiten hatten, sich an das Fahrzeug und vor allem die Bremse zu gewöhnen. Immer wieder wurden sie mit qualmenden Reifen in der Auslaufzone gesehen - wobei gerade Kurve 10 für fast alle Piloten am Mittwoch eine Herausforderung war.
Trotzdem ist man beim Neueinsteiger zufrieden: "Wir fahren Runden, wir lernen nach jedem Run dazu und machen das Auto nach jedem Run schneller", betont Bottas. "Ich denke, wir fangen jetzt an, von der Phase der Problemlösung zum eigentlichen Lernen über das Auto und die Performance überzugehen."
"Heute fühlte es sich so an, als ob das Testen begonnen hätte, statt nur Shakedowns - das ist gut", so der Finne.
Am Donnerstag gehen die Testfahrten für alle Teams in Bahrain weiter.

















