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DTM: Budapest

Pleiten, Pech und Pannen in Ungarn

Weil drei Fahrer das Aquaplaning in der Boxengasse unterschätzten, sind mehrere Personen verletzt worden – BMW feiert Dreifachsieg.

Sieg für Marco Wittmann im zweiten DTM-Lauf auf dem Hungaroring: Der Deutsche überquerte nach nur 26 Runden als Erster die Ziellinie und sorgte vor seinen Markenkollegen Timo Glock und Philipp Eng für einen BMW-Überraschungssieg. Beim Start hatte sich Polesitter Lucas Auer durchgesetzt und seine Führung gegen Pascal Wehrlein, Paul di Resta, Edoardo Mortara und Gary Paffett (alle Mercedes) behauptet. Im Getümmel vor Kurve zwei wurde Timo Glock (BMW) vermutlich von Nico Müller (Audi) touchiert, durch den resultierenden Dreher fiel der Deutsche auf den letzten Platz zurück.

Im Laufe der fünften Rennrunde vermeldeten einige Fahrer erste Regentropfen, der immer stärker wurde. Mit Slickreifen auf nass werdender Strecke ließ Auer Vorsicht walten; Wehrlein nutzte die Chance, zog an seinem Markenkollegen vorbei und holte sich die Führung. Auch Glock kämpfte nach frühem Boxenstopp mit den schwierigen Bedingungen und rutschte erneut von der Strecke.

Es folgten mehrere Schrecksekunde in der Boxengasse: Auf der nassen 'working lane' – also der Spur, auf der die Reifenwechsel stattfinden – untersteuerte Auer hilflos in Richtung Garage und traf dabei zwei Marshals. Mortara und Bruno Spengler wiederum kollidierten mit ihrer Boxencrew. Das Rennen wurde daraufhin mit roter Flagge unterbrochen. Ersten Informationen zufolge erlitt einer der Sportwarte schwere Beinverletzungen (Verdacht auf einen offenen Unterschenkelbruch), zwei Mechaniker sind mittelschwer verletzt; keiner der Verletzten schwebt in Lebensgefahr.

"Es hat einen Marshal stärker erwischt und auch zwei von unseren Mechanikern. Das schaut eher nach leichteren Verletzungen aus, alles andere ist Spekulation. Ich denke, das sind Bilder, die keiner sehen will. Den Fahrern kann man keinen Vorwurf machen. Es ist sowohl bei BMW wie auch bei Mercedes und Audi passiert. Das war einfach rutschig wie Schmierseife. Es war wie Zeitlupe, als Edo hier reingerutscht ist. Am Schluss ist Rennsport halt Rennsport, und ein Restrisiko ist immer dabei. Wir hoffen, dass es den Kollegen entsprechend gut geht", sagte Ulrich Fritz, der DTM-Verantwortliche von Mercedes.

Er suchte nach einer Erklärung: "Hier wechselt der Belag, das ist purer Beton. Mit dem ganzen Gummi, der von den Boxenstoppübungen hier liegt, ist es einfach unkontrollierbar und rutschig. Man muss sich vorstellen, dass es ist, als würde man über eine Eisfläche fahren. Man hat es gesehen: Die Jungs standen voll auf der Bremse, und es ging einfach nur geradeaus. Edo ist noch gewarnt worden, aber es war so rutschig, dass es anscheinend nicht kontrollierbar war."

"Die Bilder sind nicht schön zu sehen, speziell der eine Streckenposten, der eingeklemmt wurde. Das sind alles Leute, die das hier freiwillig machen und begeisterte Motorsportfans sind. Das tut doppelt weh, jemanden zu sehen, der da verletzt wird", sagte Glock während der Rennunterbrechung. "Ich habe nur das Replay gesehen, und es sah wirklich so aus, als wenn es eine Eisfläche gewesen wäre. Das Problem ist einfach, dass die Betonfläche mit stehendem Wasser anscheinend überhaupt keinen Grip bietet, dann passiert sowas natürlich. Die Fahrer sind schon langsamer reingefahren, aber es war unmöglich, das Auto in der Box zu stoppen."

Nach einer Unterbrechung von mehr als einer halben Stunde wurde das Rennen auf rasch abtrocknender Strecke fortgesetzt. Kurz nach dem Restart drehte Paffett, der auf Regenreifen geblieben war, Titelverteidiger René Rast (Audi) um. Für beide war das Rennen damit de facto gelaufen. Ganz vorne konnte Daniel Juncadella seinen Mercedes-Teamkollegen Wehrlein überholen und die Führung übernehmen, doch sowohl diese Beiden als auch die Audi-Piloten Müller und Jamie Green dahinter kämpften letztlich auf verlorenem Posten: Weil die bereits im ersten Rennabschnitt absolvierten Reifenwechsel zählten, sollten sie durch ihre Pflichtboxenstopps bis ans Ende des Feldes zurückfallen.

Somit bildete das BMW-Triumvirat Philipp Eng, Marco Wittmann und Timo Glock das Pulk der eigentlichen Sieganwärter. Die beiden Deutschen konnten jedoch noch am Salzburger vorbeifahren, der in den letzten Runden seinen Podestplatz immerhin noch gegen Mike Rockenfeller (Audi) erfolgreich verteidigen konnte. Die Läufe sieben und acht der DTM 2018 finden am 23./24. Juni auf dem Norisring-Stadtkurs mitten in Nürnberg statt.

Update: Noch am selben Abend wurden die drei Unfallverursacher Spengler (7.), Auer (9.) und Mortara (10.) disqualifiziert und ihres Punktegewinns entledigt, weil sie gegen das sportliche Reglement verstoßen hatten, das Gefährdung in der Boxengasse unter Strafe stellt. Mortara und Spengler erhielten zudem Rückversetzungen um zehn Plätze für vier Rennen auf Bewährung, weil vor ihren Boxenstopps bereits gelbe Flaggen zur besonderen Vorsicht mahnten. Wegen dieser Zwischenfälle und der trägen Reaktion der Rennleitung darauf bezeichnete Routinier Gary Paffett den Sonntagslauf gegenüber Autosport als das beschämendste DTM-Rennen, an dem er jemals teilgenommen habe ...

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