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Motorrad-WM: Phillip Island

Slicks im Regen: "Angst" und "dicke Eier"

Selbst die hartgesottenen Stars bekamen es im Qualifying zum GP Australien mit der Angst zu tun: Marquez, Miller, Rossi und Co. schildern ihre Eindrücke.

Bildquelle: motogp.com

Das MotoGP-Qualifying zum Grand Prix von Australien auf Phillip Island und in diesem insbesondere das entscheidende Segment Q2 waren nervenaufreibend. Grund dafür war das auf der vor Melbourne gelegenen Insel traditionell wechselhafte Wetter.

Als die Piloten der Königsklasse für Q2 auf die Strecke gingen, setzte leichter Nieselregen ein. Dieser verzog sich aber zunächst wieder und Jack Miller, Marc Marquez, Andrea Iannone, Johann Zarco und nochmals Marquez fuhren in dieser Reihenfolge nacheinander Bestzeit.

Gerade, als der Großteil der zwölf Q2-Teilnehmer für die Schlussattacke nochmals neue Reifen aufziehen ließ, setzte erneut Regen ein. Die meisten verzichteten daraufhin auf einen letzten Angriff, aber allen voran "Jackass" Miller und auch Maverick Vinales probierten es trotzdem, ihre Rundenzeiten noch zu verbessern.

Verrücktes Qualifying: Unrühmliche Premiere für Honda

Mit den Slicks auf feuchter Strecke fuhr Pramac-Ducati-Pilot Miller im ersten Sektor persönliche Bestzeit, hatte dann aber im vierten Sektor eingangs der Start/Ziel-Gerade einen heftigen Slide und musste einsehen, dass für ihn beim Heimspiel doch nicht mehr als der sechste Startplatz drin war.

Yamaha-Pilot Vinales sorgte für hochgezogene Augenbrauen, als er auf der feuchten Piste in den ersten drei Sektoren absolute Bestzeit fuhr. Im vierten Sektor verlor dann aber auch er etwas Zeit und musste sich schließlich mit dem zweiten Startplatz begnügen.

Die Pole-Position ging zum fünften Mal hintereinander auf Phillip Island an den frischgebackenen Weltmeister Marquez. Mehr noch: Weil der nächste Honda-Fahrer nur auf Startplatz 14 (Takaaki Nakagami) zu finden ist, hat Honda zum ersten Mal seit Beginn der MotoGP-Ära (2002) nur ein einziges Bike in den Top 10 der Startaufstellung stehen!

Marquez: "Heute mal kein Risiko eingegangen"

Die Bedingungen machten diesmal sogar Marquez "Angst", wie er gesteht. "Es war so schwierig zu verstehen, wo das Limit liegt. Wir fahren hier nahezu die komplette Runde mit mehr als 200 km/h. Wenn man dann ein paar Regentropfen auf das Visier bekommt, hat man echt Angst", sagt Marquez und räumt ein, dass er seinen letzten geplanten Versuch nicht mehr in Angriff nahm.

"Ich fuhr mit dem zweiten Reifen noch aus der Box, sah dann aber, dass es erneut anfing zu regnen. Da sagte ich mir: 'Heute gehe ich mal kein Risiko ein. Wenn jemand schneller fährt, fährt er schneller, aber das Rennen ist morgen und nächste Woche ist gleich das nächste'", so der Weltmeister abgeklärt mit Blick auf die zahlreichen Stürze, die an diesem Wochenende bereits passiert sind und Cal Crutchlow ins Krankenhaus brachten.

Vinales muss auf letzten Versuch verzichten

Vinales, der sich letztlich um 0,310 Sekunden gegenüber Marquez geschlagen geben musste, probierte es in der Schlussphase trotz der Regentropfen. Nachdem er ungeachtet der schwierigen Bedingungen auf Kurs zur Pole lag, verlor der Yamaha-Pilot aber im letzten Sektor der Runde doch so viel Zeit, dass keine Verbesserung mehr möglich war.

"Die Bedingungen waren echt schwierig. Im ersten Sektor gab es ein paar Tropfen, aber der dritte Sektor war komplett trocken. Im vierten Sektor war es dann wieder feucht und deshalb konnte ich nicht mehr schneller fahren. Insgesamt bin ich zufrieden", sagt Vinales nach einem seiner besten Qualifyings der Saison. Auf dem Circuit of The Americas in Austin war er ebenfalls Zweitschnellster in Q2 gewesen und erbte dann sogar die Pole von Marquez, weil dieser ihn nach Ansicht der Rennkommissare blockiert hatte.

Hätte es auf Phillip Island nicht nochmals angefangen zu tröpfeln, wollte Vinales sogar einen dritten Angriff auf die Pole starten, wie er einräumt. Der am Schluss stärker gewordene Regen verhinderte aber die geplante Schlussattacke mit seinem zweiten Bike.

Zarco: "Du musst einen Schalter im Gehirn umlegen"

Tech-3-Yamaha-Pilot Zarco fuhr hinter den beiden Spaniern Marquez und Vinales auf den dritten Startplatz. Der Franzose gestand schon direkt nach der Zeitenjagd im Parc Ferme, dass er angesichts der tückischen Bedingungen "echt Angst hatte" und einfach nur froh sei, "durchatmen zu können, weil alles gutgegangen ist".

In seiner ausführlichen Stellungnahme nach dem Qualifying unterstreicht Zarco seine eigenen Aussagen noch: "Das war wirklich stressig. Schon zwei Minuten vor Beginn des Qualifyings, als ich noch in der Box saß, sah ich, wie es nahezu überall leicht regnete. Eigentlich wollten wir daraufhin ein Bike auf Regen abstimmen, aber dann gingen alle anderen mit Slicks auf die Strecke."

Also entschloss sich auch Zarco für das Risiko, hatte aber kein gutes Gefühl dabei. "Mit Regentropfen auf dem Visier und auf der Windschutzscheibe weißt du einfach nicht, wie stark zu attackieren kannst. Du musst dich aber überwinden, denn du weißt, dass der Asphalt normalerweise noch trocken ist. Du musst in dieser Situation quasi einen Schalter im Gehirn umlegen und das macht es so schwierig", erklärt Zarco und gesteht: "Nach dieser Angst bin ich mit dem dritten Startplatz wirklich glücklich."

Miller: "Mir ist das Herz in die Hose gerutscht"

Suzuki-Pilot Alex Rins, der hinter seinem Teamkollegen Andrea Iannone auf den fünften Startplatz fuhr, stimmt den Top 3 zu, indem er sagt, dass die Bedingungen "teilweise richtig gefährlich" waren. "Ich habe aber alles gegeben und bin zufrieden", so der Spanier erleichtert.

Und was sagt Miller? Der Lokalmatador ist als einer der furchtlosesten Piloten im ganzen MotoGP-Zirkus bekannt. Unvergessen, wie er Anfang des Jahres im Qualifying zum Grand Prix von Argentinien auf feuchter Strecke als einziger mit Slicks unterwegs war und sich damit die Pole-Position erkämpfte. Auch diesmal zog "Jackass" ordentlich am Gasgriff, wobei er die eine oder andere Schrecksekunde zu überstehen hatte.

"Sie hat mir schon ein bisschen Angst gemacht", spricht Miller von seiner Pramac-Ducati und gesteht: "Ich bin froh, dass sich sie auf zwei Rädern halten konnte. Ich hatte ein paar haarige Momente zu überstehen. Kurve 12 war am schlimmsten. Ich war auf einer guten Runde, ich glaube auf meiner besten, als sie mir in voller Schräglage beim Anziehen des Gas plötzlich wegrutschte. Es war dort doch etwas rutschiger als ich dachte. Ich musste sie mit dem Ellbogen aufrichten und den Fuß von der Raste nehmen. Angesichts der Umstände war es trotzdem noch eine gute Rundenzeit, aber mir ist das Herz in die Hose gerutscht!"

Rossi: "Es brauchte dicke Eier"

Und auch Valentino Rossi, der allein in der Königsklasse sechsmal auf Phillip Island gewonnen hat, bezeichnet die Bedingungen als äußerst heikel. "Es war wirklich wirklich knifflig da draußen. Es gab leichten Regen und man wusste nicht genau, wie weit man mit den Slicks gehen kann. Man musste aber so oder so 100 Prozent geben", bemerkt der Yamaha-Pilot.

"Für mich persönlich sind das nicht die besten Bedingungen", gesteht Rossi, der mit Startplatz sieben hinter Miller die zweite Startreihe knapp verpasst hat. "Ja, es war ein großes Risiko und man musste sehr sehr mutig sein", sagt "The Doctor" und weiter: "Ma musste mit Slicks in die Kurven reinstechen, obwohl man nicht wusste, ob es trocken oder nass sein würde. Man musste wirklich sehr mutig sein. Es brauchte dicke Eier."

Dovizioso: Mit Crutchlows Sturz im Hinterkopf "Risiko zu groß"

Ducati-Pilot Andrea Dovizioso, der gegen Rossi um den Vizetitel 2018 kämpft, klassierte sich im Qualifying gar nur als Neunter und startet damit zwei Positionen hinter dem Yamaha-Star. Für "Dovi" ist es der schlechteste Startplatz der Saison und der ist auch auf den schweren Sturz von Cal Crutchlow am Freitag zurückzuführen, wie er der Italiener bekennt.

"Es war wirklich einfach, bei diesen Bedingungen einen Fahler zu machen", so Dovizioso, um zu präzisieren: "Es tröpfelte in jeder Kurve, aber der Asphalt blieb trocken. Du kannst aber halt vorher nicht wissen, ob es in der nächsten Kurve auch noch trocken genug sein wird."

"Wir haben hier leider schon viele verletzte Fahrer gesehen. Wenn man auf dieser Strecke stürzt, ist die Verletzungsgefahr größer, weil wir hier einfach so schnell sind. Es war schwierig, das im Qualifying auszublenden. Letzten Endes war mir das Risiko bei diesen Bedingungen einfach zu groß", gesteht "Dovi".

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