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Raimund Baumschlager im motorline.cc-Talk:
Über Meistertitel & Motorenmystik

Raimund Baumschlager spricht im Exklusivinterview über 2007 und das mysteriöse Motoren-Problem auf Zypern - RB Skoda wurde ein Zusatz-Test in der Türkei erlaubt, ein Motoren-Guru soll den Fall lösen.

Michael Noir Trawniczek
Fotos: Manfred Wolf

Raimund Baumschlager führt bekanntlich ein motorsportliches "Doppelleben" - zum einen als Pilot in der österreichischen Staatsmeisterschaft und zum anderen als einer der beiden Teamchefs bei Red Bull Skoda.

In seiner aktiven Rolle krönte sich der Oberösterreicher mit einem Sieg bei der Steiermark-Rallye zum vierten Mal hintereinander zum Staatsmeister. In seiner Rolle als internationaler Teamboss ist Baumschlager einem Mysterium auf der Spur - die beiden Skoda Fabia seines Red Bull Skoda-Teams blieben bei der Zypern-Rallye aus unerklärlichen Gründen nach der ersten Wertungsprüfung stehen, die Motoren von Andreas Aigner und Harri Rovanperä ließen sich nicht mehr starten, das Team brach die Zelte ab...

Alles Gute zum Staatsmeister! Weißt du schon, wie es im nächsten Jahr weiter gehen wird?

Danke. Also ganz genau weiß ich es noch nicht, weil das sehr stark abhängig ist davon, was meine Sponsoren sagen. Ich habe jedoch noch gar keine Sponsorengespräche geführt. Zudem hängt es auch davon ab, wie das WM-Projekt weitergeht. Und vieles hängt auch davon ab, wie es sich zeitlich vereinbaren lässt. Ich werde in dieser Woche einmal Kontakt mit den Sponsoren aufnehmen und dann werden wir gemeinsam die Saison Revue passieren lassen.

Im Prinzip hast du mit deinem vierten Staatsmeistertitel in Folge ja die optimalen Voraussetzungen für eine Fortsetzung des Projekts geschaffen, nicht wahr?

Ja, ich bin sehr zufrieden. Und ich muss auch dazu sagen, dass ich Sponsoren habe, mit welchen ich schon seit Jahren zusammenarbeite. Ich hoffe natürlich, dass sie auch im nächsten Jahr wieder dabei sein werden, dass wir 2007 wieder etwas Vernünftiges auf die Beine stellen können.

Die Doppelfunktion Staatsmeisterschaftsteilnehmer und Red Bull Skoda-Teamchef hat ja eigentlich bestens funktioniert, müsste dann ja auch 2007 wieder möglich sein?

Naja, das hängt davon ab, wie der Terminkalender aussieht, wie viele Überschneidungen es zwischen der Staats- und der Weltmeisterschaft gibt. Wir wissen auch noch nicht, wie viele Läufe wir im nächsten Jahr mit dem Andreas Aigner fahren werden, wie sich dieses Projekt entwickeln wird. Das dauert noch eine Zeit lang. Man muss halt abstecken, ob man nur einzelne Staatsmeisterschaftsläufe oder ob man doch die gesamte Meisterschaft fahren wird. Es ist jetzt noch etwas zu früh, um das exakt sagen zu können. Gott sei Dank haben meine Sponsoren dahingehend Geduld und Verständnis.

Bei Red Bull Skoda gab es ja diesen mysteriösen Doppelausfall von Andreas Aigner und Harri Rovanperä auf Zypern, gleich nach der ersten Prüfung. Eine Elektronik-Problem. Ihr dürft nun am Montag vor der Türkei-Rallye einen außerordentlichen Test absolvieren?

Ja, dafür erhielten wir von den anderen Werksteams und der Sportbehörde FIA die Genehmigung - alle haben zugestimmt. Bei dem Test am Montag wird ein Motoren-Spezialist dabei sein, da wird dann genau untersucht, was der Auslöser dieses Problems war.

Derzeit wisst ihr noch gar nichts?

Wir wissen nur, dass es von der ECU, der elektronischen Steuereinheit des Motors ausgegangen ist. Es sind beide Aggregate einfach mit falschen Informationen beliefert worden. Andreas erzählte, er habe den Luftdruck überprüft und auf einmal ist der Motor ausgegangen und nicht mehr angesprungen. Bei Harri lief es, weil er ja mit Wassereinspritzung fahren darf, in die andere Richtung - da ist der Motor auf der Ziellinie ausgegangen, man hat ihn dann wegschieben müssen. Das war äußerst mysteriös.

Wurde ein neuer Teil verwendet, der das ausgelöst haben könnte?

Nein, überhaupt nicht. Die Autos sind so wie sie beim Shakedown waren hinaus gefahren - und beim Shakedown hat alles bestens funktioniert. Irgendetwas Komisches muss das passiert sein - das muss man jetzt eben finden. Es gibt zwar ein paar logische Verdachtsmomente, aber das muss sich der Motoringenieur vor Ort ganz genau ansehen. Vor allem muss man auch schauen, ob die Motoren dabei beschädigt wurden. Nicht, dass da dann Teile kaputt sind.

Ist Sabotage auch möglich?

Nein, das glaube ich nicht. Also das wäre dann schon sehr extrem (lacht).

Ja klar, aber wenn ein Fall so mysteriös ist, kommt dieser Gedanke irgendwann...

Sicher, aber ich kann mir das in unserem Fall nicht vorstellen. Ich vermute eher, dass es irgendetwas ganz blödes ist. Dass auf der Verbindungsetappe irgendetwas Seltsames passiert ist. Ich kann auch nur rätseln, weil es eben so komisch ist. Aber am Montag werden wir mehr wissen.

Wer ist dieser Motoren-Spezialist?

Das ist der Mann, der das alles im Griff hat - das ist der Heinz Lehmann aus Liechtenstein, der die Motoren von der Hardware her betreut. Er wird die Aggregate durchchecken, zudem haben wir die Ingenieure von Skoda auch dabei. Gemeinsam müssen sie jetzt die Ursachenforschung betreiben - dann muss entschieden werden: Brauchen wir neue Motoren oder können wir mit den bisherigen weiterfahren?

Das heißt: Eine neuerliche Absage, weil man beispielsweise das Problem nicht gefunden hat, droht nicht?

Nein. Im schlimmsten Falle müssten wir neue Motoren einsetzen. Die Teilnahme an der Türkei-Rallye ist also gesichert.

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