RALLYE

  • Motorline auf Facebook
  • Motorline auf Twitter

Ein Gaspokal ist wenig attraktiv...

Just während eines motorline.cc-Besuchs bei Stohl-Racing gab die OSK bekannt, 2007 eine eigene Erdgas-Klasse zu starten. Das Aus für das Stohl-Projekt?

Michael Noir Trawniczek

Lokalaugenschein, oder besser, ein netter Besuch bei Stohl-Racing in Groß-Enzersdorf, gestern Donnerstag, am Vormittag. Cheftechniker Günther Aschacher präsentiert sein Baby, den Erdgas-Mitsubishi - erzählt gegenüber motorline.cc, wie das Projekt entstanden und binnen kürzester Zeit umgesetzt wurde. [Lesen Sie dazu unsere Reportage in der kommenden Woche, d. Red.].

Und dass man nach den ersten Erfolgen gegen die Diesel-Fahrzeuge und zuletzt auch gegen den Erdgas-Golf noch viel mehr aus dem jungen Projekt rausholen kann. Aschacher erzählt mit vor Begeisterung funkelnden Augen: "Wir stehen erst am Anfang - da gibt es noch so viel Potential herauszuholen..."

Zum selben Zeitpunkt beschließt die OSK, die Erdgas-Autos ab 2007 von den anderen zu trennen, sie in einer eigenen Klasse antreten zu lassen. Aschacher sagte bereits gestern: "Wenn das passiert, was leider wahrscheinlich ist, ist unser Projekt leider nicht gesichert." Der Grund leuchtet ein - für die OMV, die das Projekt finanziert, bringt eine eigene Klasse gar nichts.

Roland Wolk: "Es sieht schlecht aus..."

Der zuständige Mann bei der OMV, Roland Wolk, erklärte gegenüber motorline.cc: "Wenn unser Erdgas-Wagen sich gegen die Diesel-Fahrzeuge durchsetzt, können wir das vermarkten. Aber ich habe ein Problem damit, wenn ich immer nur den ersten oder den zweiten Platz in meiner eigenen Klasse erziele - wie soll ich das verkaufen? Es geht doch auch darum zu zeigen, dass Erdgas eine mehr als brauchbare und zudem umweltschonende Alternative darstellt."

Laut Wolk ist das Projekt zwar noch nicht gestorben, aber es ist eher zu befürchten, dass es für das Dahinvegetieren in einer eigenen Klasse kein Budget geben wird. "Ich will nicht ausschließen, dass wir noch eine Lösung finden, aber es sieht zumindest nicht gut aus", sagt Wolk.

Dass es künftig mehr als zwei oder drei Erdgas-Fahrzeuge geben könnte, schließt Wolk derzeit aus: "Wir haben nur eine mobile Tankstelle, das Erdgas muss unter einen hohen Druck gesetzt werden - dieser Druck ist nach maximal drei Fahrzeugen nicht mehr vorhanden." Die von der OSK ausgeschriebene Klasse der alternativen Antriebe ist demnach von vornherein dazu verurteilt, eine Miniklasse zu sein.

Stohl: "Zehn Meistertitel für zehn Fahrzeuge..."

Manfred Stohl sagte dazu im Rahmen eines motorline.cc-Interviews: "Jeder, der halbwegs eine Ahnung von diesem Sport hat, weiß, dass dieses Diesel-Kitcar mit einem starken Fahrer - damit möchte ich Kogler aber nicht abwerten, er ist ein junger und dadurch noch unerfahrener Pilot - Kreise um alle ziehen würde. Doch da hat sich noch niemand darüber aufgeregt. Wir haben eben ein Paket geschnürt, wo alles gepasst hat, auch mit einem Spitzenfahrer. Und das hat einigen Herstellern offensichtlich nicht gepasst."

Im Endeffekt finde er, Stohl, die Beschlüsse nur noch amüsant: "Da sieht man, wie schlecht es um unseren Sport steht. Am liebsten hätten wir für zehn Autos zehn Meistertitel. Ich persönlich habe die bisherige Klasse der Alternativkraftstoffe, also alles außer Benzin, super gefunden. Man will ja beweisen, dass man mit Gas schneller als mit Diesel fahren kann - wen interessiert es, wenn ich gegen Danzinger antrete und dann sage: Ich bin der Gaspokalsieger! Das interessiert keinen Menschen!"

Und so scheint die nationale Sportbehörde einem Projekt den Todesstoß versetzt zu haben, welches in punkto Umweltfreundlichkeit und in weiterer Folge auch Kostensenkung (Erdgas ist um vieles billiger, sobald die Infrastruktur ausgebaut ist) ein Signal gesetzt hat.

Der Erdgas-Rallye-Mitsubishi - eine Weltpremiere - ab 2007 droht er in der Garage von Stohl-Racing in einer Ecke abgestellt zu verenden. Auch ein Signal: Wir Österreicher - wir sind Pioniere, aber vielmehr sind wir – aus welchen Gründen auch immer - Verhinderer...

Lesen Sie im Laufe der kommenden Tage bzw nächste Woche auf motorline.cc eine ausführliche Reportage über das Erdgas-Projekt von Stohl-Racing sowie ein ausführliches Interview mit Manfred Stohl.

News aus anderen Motorline-Channels:

Weitere Artikel:

ARC, Lavanttal Rallye: Bericht Nothdurfter

Frühlingsstimmen

So wie bei der aktuellen Wetterlage zeichnet sich auch bei den Rallye-Aktivitäten von Alfons Nothdurfter eine deutliche Aufhellung ab. Der Ford Fiesta Proto läuft zwar noch nicht ganz perfekt, aber es waren deutliche Fortschritte gegenüber den bisherigen Rallyes erkennbar.

Ott Tänak zurück bei Toyota

Ex-Weltmeister jetzt Testfahrer für 2027

Ott Tänak, der einst mit Toyota den WRC-Titel errang, kehrt zu seinem damaligen Arbeitgeber zurück: Als Testfahrer für das neue Auto aus Basis der 2027er-Regeln

Ob in ERC3 oder ERC4, im WRC Masters Cup, in der CZ-Meisterschaft, in der EHRC, im Mitropa oder Alpe Adria Cup - überall sind Teams aus Österreich ganz vorn dabei…

EHRC Historic Rally Fafe: Bericht Schindelegger

Sensationeller EHRC-Start in Fafe

Das Rallyeteam Schindelegger hat in Fafe bei der historischen Schotter- Europameisterschaft mit Gesamtplatz 6 einen Traum-Saisonstart hingelegt.

In seiner neuesten Kolumne berichtet ORF-Legende Peter Klein auf berührende Art und Weise von seiner jüngsten Begegnung mit Andi Hulak.

Takamoto Katsuta: Hintergrund

Wie der Japaner zum WM-Anwärter wurde

Takamoto Katsuta führt die WRC-Weltmeisterschaft an - Als erster japanischer Fahrer überhaupt - Was sich im Hintergrund zum Positiven verändert hat