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Spannung pur in Szekesfehervar

Mit der Duna-Rallye, die erste der drei aufeinanderfolgenden Schotterrallyes, stand der 3. Lauf zur Ungarischen Rallye-Meisterschaft auf dem Programm.

Bericht und Fotos: Daniel Fessl

Die besten Bilder der Duna-Rallye: Link

Die Ausgangslage versprach Spannung pur, die beiden Hauptkonkurrenten um den Meistertitel, Janos Toth (Peugeot 307 WRC) und Balazs Benik (Ford Focus RS WRC 03) lagen punktegleich an der Tabellenspitze, jeder der beiden hatte einen Sieg und einen zweiten Platz zu Buche stehen. Nachdem sich „Janika“ beim Saisonauftakt in Eger knapp geschlagen geben musste, konnte er bei der Miskolc-Rallye kontern und seinerseits Benik auf den 2. Platz verweisen.

Bei den Verfolgern verlief die bisherige Saison nicht ganz nach Plan: Tamas Turi, der im Skoda Fabia WRC ebenfalls als Titelkandidat gehandelt wurde hat noch keinen einzigen Zähler auf seinem Konto, sowohl in Eger als auch in Miskolc musste Turi mit technischen Problemen an seinem Fabia aufgeben.

Auch bei Csaba Spitzmüller verlief es bisher nicht ganz nach Wunsch, konnte er sich beim Auftakt mit einem dritten Platz noch schadlos halten, fiel er in Miskolc nach einem Ausritt aus. Auch der zweite Skoda-WRC-Pilot, Tamas Tagai, der im Octavia antritt, hatte bisher wenig Glück, dem Überschlag in Eger folgte ein technisch bedingter Ausfall in Miskolc.

Wie in Ungarn Tradition wird auch die Duna-Rallye am Freitagnachmittag mit einem Prolog gestartet. Wie hoch der Stellenwert des Rallyesports hier in Ungarn ist kann man vielleicht an der Tatsache erkennen, dass für diesen Prolog die Donauhafenstadt Dunaujvaros, mit etwas mehr als 50.000 Einwohnern etwa so gross wie Wels, am Freitag ab Mittag komplett lahmgelegt wird!

Der Prolog führt auf einer Länge von 6 km quer durch das Stadtzentrum, deshalb wurden bereits um 12:00 Uhr mit wenigen Ausnahmen sämtliche ins Zentrum führenden Straßen gesperrt...und dass für den Prolog, der nicht einmal zur Gesamtwertung der Rallye zählt, sportlich also eher bedeutungslos ist. Den Sieg in diesen Prolog holte sich Balazs Benik im Focus vor Turi im Fabia und „Asi“ im Gruppe-A-Mitsubishi.

Die eigentliche Rallye wurde ca. 60 km nordwestlich von Dunaujvaros ausgetragen, zwischen Szekesfehervar und Varpalota standen am Samstag fünf Sonderprüfungen über ca. 80 km – allesamt auf knüppelharten Schotterpisten – auf dem Programm. Nächtlicher Dauerregen hatte die Sonderprüfungen allerdings gehörig eingeweicht, doch pünktlich zum Start schloss der Himmel seine Pforten und es kam sogar die Sonne zum Vorschein.

Benik erwischte den besseren Start und markierte auf SP1 eine deutliche Bestzeit, er nahm Toth auf den ersten 13 Kilometern gleich 6,2 Sekunden ab und ging damit auch in Führung, dritter war Turi im Fabia, der 11 Sekunden auf Benik einbüßte.

Zu einem haarsträubenden Zwischenfall kam es, nachdem die Top Ten bereits im Ziel waren, trotz Zwei-Minuten-Startintervall war Györgi Aschenbrenner alias „Asi“ im Gruppe-A-Mitsubishi auf den vor ihm fahrenden, mit Motorproblemen kämpfenden Karol Angyalfi (ebenfalls Mitsubishi Gr. A) aufgelaufen, kurz vor dem Ziel versuchte „Asi“ seinen Konkurrenten zu überholen, dabei kam er etwas zu weit von der Strecke ab, er übersah einen ca. einen Meter tiefen Graben und wurde bei vollem Tempo ausgehebelt – Augenzeugen berichteten nachher von acht Überschlägen entlang der Längsachse!

Wie durch ein Wunder überstanden „Asi“ und sein Copilot „Nandi“ diesen Horrorcrash beinahe unverletzt, der Mitsubishi hat allerdings nur mehr Schrottwert...

Die zweite Sonderprüfung über genau zwanzig Kilometer ging ebenfalls an Benik, allerdings blieb „Janika“ diesmal nur knappe drei Sekunden dahinter, ebenfalls noch in Schlagdistanz zur Spitze belegte Skoda-Pilot Turi mit nur fünf Sekunden Rückstand den dritten Platz.

Auf der dritten SP gelang „Janika“ seine erste Bestzeit, er war um 2,8 Sekunden schneller als Benik und verkürzte den Abstand in der Gesamtwertung auf nur mehr 6,3 Sekunden. Auch auf dieser Sonderprüfung belegte Turi den dritten Platz, er lag damit auch in der Zwischenwertung auf Rang drei, 17 Sekunden hinter Spitzenreiter Benik.

Das Sekundenduell setzte sich auch auf SP4 fort, Benik bewies eindrucksvoll, wie gut er mit dem neuen Focus auch auf Schotter zurechtkommt und nahm „Janika“ weitere vier Sekunden ab, leider kam auf dieser 4. Prüfung abermals das frühe Aus für Tamas Turi, er hatte einmal mehr bewiesen, dass er das Tempo an der Spitze durchaus mitgehen konnte, allerdings liess ihn diesmal die Kupplung seines Fabias im Stich.

Damit „erbte“ Csaba „Spici“ Spitzmüller den 3. Platz. Zu diesem Zeitpunkt war Norbert Herczig im Subaru Impreza WRC ebenfalls bereits aus dem Rennen, ein Differenzialschaden setzte seiner Fahrt ein vorzeitiges Ende.

Auf der fünften und letzten Sonderprüfung der ersten Etappe schlug der Defektteufel beim bis dahin führenden Balazs Benik gnadenlos zu, die Servolenkung am Focus WRC verweigerte auf einmal ihren Dienst, Benik gelang es zwar, die Sonderprüfung zu beenden, er verlor aber 1:09 min auf Janos Toth, der mit dieser Bestzeit auch die Fühung übernahm. Benik lag trotz der defekten Servolenkung noch auf Platz zwei, allerdings betrug sein Rückstand auf Toth nun 59 Sekunden, bei nur drei ausstehenden Sonderprüfungen am Sonntag ein beinahe uneinholbarer Rückstand, zudem gelang es dem Team von JM Engernering nicht, die Servoprobleme im Service gänzlich abzustellen.

Die zweite Etappe umfasste also drei Sonderprüfungen über 45 Kilometer, Janos Toth konnte es eigentlich ruhig angehen, da der Vorsprung mit fast einer Minute sehr beruhigend war, zudem war Beniks Focus noch immer nicht ganz fit, und Benik konzentrierte sich vielmehr darauf, seinen zweiten Platz gegen Spitzmüller zu verteidigen.

Nach SP6 war klar, dass es für Benik sehr schwer werden würde, seinen Platz zu verteidigen, „Janika“ trieb seinen 307 WRC zu einer weiteren Bestzeit, „Spici“ belegte mit 11 Sekunden Rückstand Platz zwei, und Benik verlor fast 45 Sekunden! Damit lag Spitzmüller in der Gesamtwertung nur mehr zwei Sekunden hinter Benik.

Auf der vorletzen Prüfung liess sich Toth die vierte SP-Bestzeit notieren, sein Vorsprung auf Benik war inzwischen auf 2:14 angewachsen, Benik seinerseits schaffte es mit einer sensationellen Leistung, trotz des waidwunden Autos, Spitzmüller zehn Sekunden abzunehmen, damit schöpfte er doch noch einmal Hoffnung, zumindest Platz zwei ins Ziel retten zu können.

Die Ernüchterung folgte allerdings prompt, „Spici“ riskierte auf der letzten SP alles und fuhr Bestzeit! Drei Sekunden vor Toth, aber viel wichtiger zwanzig Sekunden vor Benik. Damit verlor Benik auf der letzten SP den zweiten Platz, wurde aber trotzdem aufgrund seiner kämpferischen Leistung mit dem angeschlagenen Auto im Ziel frenetisch bejubelt!

Janos Toth holte sich einen schlussendlich überlegenen Sieg und liegt damit nun auch in der Punktetabelle alleine in Front. Hinter Spitzmüller im Focus 02 WRC und Benik belegte Frigyes Turan im wunderschönen Mitsubishi Rang vier und gewann damit auch die Klasse A8. In der Gruppe N fiel die Entscheidung um den Sieg ebenfalls in der letzen Prüfung, Kristian Botka verwies Mihali Matics auf Platz zwei.

Eine kleine Sensation gab es in der S1600-Klasse zu vermelden, zum ersten Mal seit seiner Rückkehr in diese Klasse musste sich Robert Butor geschlagen geben! Nach sechs Siegen in Folge, zweimal im Saxo, zweimal im C2 und heuer zweimal im Ignis, musste sich Butor diesmal Zsolt Kakuszi im VW Polo S1600 um zwanzig Sekunden geschlagen geben!

Die Meisterschaftstabelle nach drei von sieben Rallyes:

1.   Toth / Peugeot 307 WRC             55 P.
2. Benik / Ford Focus RS WRC 04 47 P.
3. Spitzmüller / Ford Focus WRC 02 27 P.
4. Vizin / Toyota Corolla WRC 22 P.
5. Angyalfi / Mitsubishi Lancer E8 A 16 P.
6. Bútor / Suzuki Ignis S1600 14 P.
7. Botka K. / Mitsubishi lancer E6 N 11 P.
8. Herczig / Subaru Impreza WRC 10 P.
Turán / Mitsubishi lancer E6 A 10 P.
Fortgesetzt wird die Meisterschaft mit der Savaria-Rallye im grenznahen Szombathely vom 22. - 24. Juni 2006.

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