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TEC7 ORM Rallye Backstage - Podcast #4
Foto: Harald Illmer, Grafik: TEC7

Gespräch mit Manfred Stohl: Von heiter bis düster

Eine Stunde mit Manfred Stohl - Österreichs WM-Vierter 2006 und nunmehrige Betreiber der Stohl Group ist eines ganz sicher: Geradlinig - und oft auch recht heiter. Seine Prognosen für die Zukunft der Rallye-Weltmeisterschaft sind hingegen düster, seine Aussagen zu Österreichs aktuellen Rallye-Hoffnungen markig. Und: Als Mit-Entwickler des neuen elektrischen Opel Mokka GSE Rally sagt er für den Lauf des ADAC Opel GSE Rally Cups bei der bevorstehenden Rallye Weiz die eine oder andere Überraschung voraus…

Podcast-Host: Noir Trawniczek

Besuch bei Manfred Stohl in Pachfurth - auf dem riesigen Areal des Fahrtechnikzentrums hat die Stohl Group ihre Zelte aufgeschlagen. Für Stohl erfüllte sich mit dem Kauf des Geländes ein Lebenstraum. In der großen Eingangshalle steht der von STARD (Stohl Advanced Research and Development) entwickelte elektrische Fiesta, mit dem vor ein paar Jahren der tragisch verunglückte Ken Block in der Rallycross-WM fuhr…

Neuer elektrischer Opel Mokka GSE - bereits zu schnell?

In Sachen Elektroantrieb ist die Stohl Group längst eine internationale Größe. Bei der Entwicklung des neuen Cup-Autos für den neuen ADAC Opel GSE Rally Cup waren Stohl und sein Team direkt involviert - im Gespräch lässt Manfred Stohl aufhorchen: Während der Vorgänger des Opel Mokka GSE Rally noch ziemlich träge wirkte, scheint der neue „Elektro-Flitzer“ beinahe schon zu schnell zu sein. Beim ersten Lauf zum neuen Cup im Rahmen der holländischen Meisterschaft wurde mit dem Mokka eine fünftschnellste Gesamtzeit gefahren. Stohl ist überzeugt,: „Wenn ein Marcel Neulinger, der in der Rally4 zurzeit alles gewinnt, mit dem Rally4 fahren und der selbe Marcel Neulinger auf der gleichen Strecke mit dem Mokka fahren würde, dann wäre er mit dem Mokka schneller.“ Und: Ein siegfähiges elektrisches Rally2-Auto zu bauen, sei „technisch kein Problem“.

Nachwuchs: Rally3 „völlig sinnlos“ - ERC4 gut und richtig

Marcel Neulinger zählt neben Maximilian Lichtenegger zu den beiden größten Nachwuchs-Hoffnungen des heimischen Rallyesports. Hier hat Stohl seine eigene Ansicht: „Die Rally3-Klasse ist völlig sinnlos, du hast dort null Konkurrenz. Ich glaube, dass es Lichtenegger wenig bringt, wenn er in der ERC3 um Podien oder sogar Siege kämpft, wenn dort ‚Not gegen Elend‘ fährt.“ Dass Marcel Neulinger in der JuniorERC/ERC4 antritt, findet Stohl gut und richtig.

Sowohl Neulinger als auch Lichtenegger waren zunächst bei Stohl respektive dessen Partner Waldherr Motor Sport unter Vertrag - beide wechselten zu Baumschlager Rallye & Racing. Stohl sagt dazu: „Natürlich tut es mir leid für den Luca Waldherr - denn das waren seine Kunden und sie sind dort bestens betreut worden. Doch es zählt natürlich immer auch, wie viel man sich im Laufe der Jahre erarbeitet hat und da hat WMS gegenüber BRR sicher noch einen Nachholbedarf.“

Simon Wagner, zurzeit Österreichs erfolgreichster Pilot und fünffacher Staatsmeister, befindet sich laut Stohl auf einem Scheideweg. Einen Weg nach ganz oben, in die Weltmeisterschaft, sieht Stohl nur, wenn in den nächsten Jahren ein Sponsor tatkräftig Einsätze in der WRC2 finanzieren könnte. „Ansonsten wird er wohl ein weiterer zwölffacher Staatsmeister wie ein Wittmann oder Baumschlager…“

Zukunft der WRC: „Sehe zurzeit nur Toyota“

Beim Thema Rallye-Weltmeisterschaft verdüstert sich die Miene des Manfred Stohl. Das Reglement ab 2027 sei eine Farce: „Das ist sehr verfahren.“ Hintergrund: Ab 2027 müssen Einheits-Rohrrahmen als Grundlage für die neuen Rally1- und auch Rally2-Boliden verwendet werden. Doch: „Diese Rahmen sind noch immer nicht fertig definiert - und das rund sechs Monate vor dem Start der neuen Saison.“ Konsequenz: „Von den aktuellen Herstellern wird nur Toyota diesen Rahmen haben, bei Hyundai und Ford sehe ich das nicht.“ Stattdessen gebe es zwei von Geldgebern finanzierte Projekte in Spanien und Belgien. Auch sein Team sei angefragt worden. Die Entwicklungs-Kosten seien jedoch viel zu hoch. Fazit: „Du kannst nicht mit nur einem Hersteller eine Weltmeisterschaft fahren!“

So würde es bereits einen möglichen Plan B geben: „Rally2-Autos mit verbesserter Aerodynamik könnten mithilfe einer Equalizing-Formel gegen die Rally1-Autos fahren. Doch dagegen verwehren sich einige Hersteller…“ Stohl sagt: „Der Pfeil wurde meiner Meinung nach schon bei der Entscheidung zum jetzigen Rally1-Format verschossen.“ Ein Ausweg aus der Miesere wäre ein Zurückrüsten auf das aktuelle Rally2-Format…

Waldviertel Rallye im Herbst auf Schotter? „Wäre dabei!“

Zu seinem viel beachteten Comeback bei der ARC Rallye Triestingtal, wo er erstmals seit 14 Jahren wieder in Österreich fuhr und gemeinsam mit Peter Müller die Rallye scheinbar mühelos gewinnen konnte, sagt Stohl: „Es glauben manche, dass ich sofort wieder heimische Meisterschaftsläufe gewinnen könnte - doch das ist eine Illusion. Mir fehlt dazu einfach auch die Zeit.“ Wird man in Österreich wieder 14 Jahre auf den nächsten Einsatz des Fahrers Manfred Stohl warten müssen? Stohl räumt ein: „Wenn es im Herbst wieder eine Waldviertel Rallye auf Schotter geben würde, oder eine Schneebergland Rallye - dann wäre ich sofort dabei.“

Der TEC7 ORM Rallye BackStage-Podcast #4 mit Manfred Stohl ist über folgende Plattformen abrufbar:

Youtube
www.youtube.com/watch?v=aDAY9fuiwMg

Spotify
open.spotify.com/episode/25c22opDW7FGAgKEpLbL25

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