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Günther Aschacher im Gespräch mit motorline.cc

Stohl Racing-Cheftechniker Günther Aschacher spricht über das neue Erdgas-Projekt, mit einem neuen CNG-Mitsubishi Evo IX in der Division I der Rallye-ÖM.

Michael Noir Trawniczek
Fotos:Gepa/OMV

Stohl Racing hat einen nagelneuen Mitsubishi Lancer Evo IX auf CNG-Betrieb umgebaut und tritt, mit Beppo Harrach und Andreas Schindlbacher im Cockpit, in der Div. I der Rallye-ÖM an. motorline.cc hat Stohl Racing-Teamchef und Cheftechniker Günther Aschacher vor das Diktiergerät gebeten.

Ihr habt einen neuen Mitsubishi Lancer Evo IX auf Erdgasbetrieb umgebaut - in welchem Zeitraum musste das erledigt werden?

Wir hatten genug Zeit, um uns vorzubereiten. Wir haben zirka 600 Stunden an Arbeit rein gesteckt. Wir waren mit dem Motor auch auf dem Prüfstand. Das ist ein Riesenpluspunkt gegenüber dem Vorjahr.

Arbeitet ihr immer noch zu zweit?

Die Hauptarbeit habe ich. Weil Programmieren - das kann halt nicht jeder.

Seit wann ist bekannt, dass es dieses Projekt geben wird?

Wir wollten das unabhängig weiter puschen, auch wenn die OMV nicht zugestimmt hätte. Wir wollten einfach schauen, dass wir das weiter entwickeln können. Natürlich ist der Evo IX für uns besser als der Evo VI.

Du hast im Vorjahr gesagt, dass du davon überzeugt bist, dass man mit dem Erdgasmotor auch die Benziner schlagen kann - wird das in diesem Jahr quasi überprüft?

Ja, also ich sage einmal: Wir sind auf einem guten Weg, wir haben ein Potential. Gib mir drei oder vier Rallyes, dann sehen wir, wo wir stehen.

Es ist für die spätere Zukunft auch angedacht, in der WM, beispielsweise in der PWRC an den Start zu gehen, wenn die FIA die nötigen Regeländerungen vornehmen sollte. Wäre es also möglich, mit dem Erdgas-Mitsubishi die Zeiten eines Andi Aigner zu fahren, der ja auch einen Mitsubishi Evo IX fährt?

Ja, auf jeden Fall.

Die FIA hat aber noch keine Nische für Erdgasautos in der WM geschaffen...

Wir sind im Gespräch mit der FIA, wir haben alle wichtigen Daten weitergeleitet - es braucht einfach seine Zeit, bis die Sache in Bewegung gerät.

Wie reagiert die FIA auf euer Ansinnen?

Sie reagiert sehr interessiert. Die FIA ist daran interessiert, ein Alternativfahrzeug zu haben. Mal sehen, was daraus wird.

Das Ziel ist aber nicht, eine eigene Alternativklasse in der WM zu installieren, sondern die Möglichkeit, sich mit den Benzinern zu messen, in der PWRC zum Beispiel?

Unser nächstes Ziel ist jetzt einmal, zu sehen, wo wir in Österreich stehen. Langfristig gesehen geht es aber darum, dass wir in der WM in der PWRC antreten können, und nicht in einer eigenen Klasse für Alternativkraftstoffe. Deshalb schauen wir auch, dass unser Fahrzeug der FIA-Homologation entspricht. Wir haben die Umbauten auch sehr reduziert gegenüber dem Evo VI - so gesehen sieht es gut aus.

In Österreich - welchen Endrang strebt ihr da an?

Mein Ziel ist ein Platz zwischen 5 und 8.

Und es werden alle ÖM-Rallyes bestritten?

Ja, es werden alle bestritten.

Im letzten Jahr seid ihr mit einem einzigen CNG-Motor ausgekommen?

Das stimmt nicht ganz, wir haben im letzten Jahr schon mehrere Motoren gebraucht. Aber wir haben sehr viel Entwicklungsarbeit nur mit einem Motor absolviert. Der erste Motor hat ziemlich lange gehalten. Wir wollten aber auch deshalb einen neuen Motor verwenden, da wir die alten Teile überprüfen wollten - um festzustellen, was sich verändert hat. Denn es gibt komplett andere Einflüsse auf das Innenleben des Motors.

Wie viele Motoren sind jetzt bei dem neuen Projekt im Einsatz?

Momentan sind es zwei Motoren. Ein Aggregat wird immer als Ersatzmotor eingesetzt. Einen anderen Motor haben wir auf dem Prüfstand verheizt - um einfach zu schauen, wo das Limit ist. Wir haben viel mit den Motor-Temperaturen gearbeitet. Um Fragen zu erarbeiten wie: Was bringt es, wenn ich 80 Grad habe oder 90 Grad? Mit Abgastemperaturen zwischen 900 und 1000 Grad - da haben wir viel experimentiert. Oder auch beim Ladedruck: Was passiert, wenn ich ein Zehntel höher gehe? Da haben wir sehr viel Entwicklungsarbeit durchführen können.

Die Prüfstandarbeit war im Vorjahr noch nicht möglich?

Nein, das war im Vorjahr noch nicht dabei. Die OMV hat uns das heuer ermöglicht, das ist ja doch sehr kostenintensiv.

Eine Bestätigung eurer Arbeit, oder?

Ja.

Warum kann ein Erdgasmotor den Benziner schlagen? Wo liegen die Vorteile? Du hast von der höheren Klopfzahl gesprochen...

Das Drehzahlband ist beim CNG-Motor anders. Ich habe ein höheres Drehzahlband, ich habe mehr Drehzahlband zur Verfügung. Egal in welchem Gang ich bin - das Ding dreht.

Auch ein besseres Drehmoment?

Das Drehmoment ist das gleiche, aber die Drehmomententfaltung ist breiter.

Also kann sagen, der Motor zieht auch im dritten Gang noch weg...

Genau. Nehmen wir ein Gruppe N-Auto mit Benzinmotor, das hat ein Drehzahlband von sagen wir 2800 bis 4500 U/min - und außerhalb dieses Bereichs flaut es ab. Beim Erdgasmotor habe ich ein Drehzahlband von 2800 bis fast über 5000 U/min - das ist das Interessante, weil du dann einfach in jeder Lebenslage Leistung hast. Das ist einfach wichtig, wenn du einen Schaltwechsel vornimmst. Sagen wir, du bist mit einem Benzinauto im zweiten Gang und du drehst bereits 5000 U/min und es geht einfach nichts, weil du bereits bei 4500 U/min hättest schalten sollen. Beim Erdgasauto macht das nichts, da hast du immer noch die Leistung. Und daher bist du auch schneller mit dem Erdgasauto.

In wie weit ist eure Entwicklungsarbeit für die Serie interessant?.

Sagen wir so: Wir sind seriennah. Wir haben versucht, so wenig wie möglich am Motor zu ändern, sodass wir einfach Gruppe N-tauglich sind.

Was würde es mich kosten, wenn ich mein Auto auf Erdgas umbauen lassen möchte?

Das kann ich nicht genau sagen, aber es kostet nicht die Welt, vielleicht 2000 bis 3000 Euro.

Derzeit sind die Serien-Erdgasautzos noch deutlich langsamer als ein vergleichbares Benzinfahrzeug.

Die sind derzeit noch langsamer, weil die meistens das originale Steuergerät nehmen. Weil die Kosten zu intensiv sind. Was wir machen, ist, dass wir dieses Potential Erdgas nutzen - diese Klopfgrenze beim CNG, also 130 Oktan, das ist einfach optimal. Da kriegst du dementsprechend auch mehr Leistung und Drehmoment heraus.

Müssen sich die Benzinmotorfahrer fürchten?

Fürchten - lassen wir mal die ersten drei oder vier Rallyes umgehen und dann schauen wir, wo wir stehen.

Den Bericht von der Pressekonferenz sowie ein Interview mit Beppo Harrach finden Sie in der Navigation rechts.

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